BZÖ: Trauer um Haider als makabre Marketingstrategie?

Ein Lichtermeer für Jörg Haider (Photo: Georg Holzer)

Ein Lichtermeer für Jörg Haider (Photo: Georg Holzer)

Es ist wirklich erschreckend, wie eine politische Partei, die immerhin im höchsten legislativen Gremium der Republik vertreten ist, die Menschen an der Nase herumzuführen versucht. Auch wenn viele Menschen – von Haiders jahrzehntelanger populistischen Machenschaften geblendet – tatsächlich so etwas wie einen Verlust empfinden, so wird doch immer wieder den Anschein zu erwecken versucht, die ganze Nation (also Kärnten) befände sich im Zustand der tiefen Trauer.

Angefangen mit dem Staatsbegräbnis und den gebetsmühlenartig heruntergebeteten Vergleichen mit Lady Di – die meines Erachtens nicht einmal an Rapunzels Haaren herbeiziehbar sind – über die Verwendung des Namens in der offiziellen Bezeichnung der Wahlliste bis hin zu den weitreichenden conspiracy theories im Web, zeigt sich auf erschreckende Weise, wie eiskalt (und ganz offensichtlich verzweifelt) das BZÖ mit dem Vermächtnis ihres so sehr verehrten Parteiführ…chefs umgeht.

Den jüngsten Exzess, was die Vermarktung des Namens Jörg Haider betrifft, fand vor wenigen Stunden vor den Toren der Kärntner Landesregierung statt: Ein Rudel BZÖ-Wahlwerber – pardon – Trauernder fand sich ein, um ein Lichtermeer (das sich schlussendlich vielmehr als Teich herausstellen sollte, siehe Bild, danke » Georg Holzer) für den Verblichenen zu entzünden, um der ganzen Welt zu zeigen, wie sehr „ganz Kärnten“ seinen Jörg vermisst.

Die zeitliche Nähe zur am Sonntag stattfindenden Wahl ist hierbei natürlich kein entscheidender Faktor, schließlich begeht man ja am heutigen Tag eine Reihe von Anlässen:

  • Kreisrunde 138 Tage sind seit dem Unfall vergangen
  • Jörg Haider hätte exakt heute (vor einem Monat, versteht sich) seinen – ebenso runden – 59. Geburtstag gefeiert (vielleicht mit einer Handvoll Flaschen, die einen aus seiner Partei, die anderen gefüllt mit erlesenen Alkoholika?)
  • im Februar 2000 trat er nach als Chef der FPÖ zurück
  • im Februar 2002 kam der Sager „Wenn einer schon Adamovich (Anm.: damaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes) heißt, muss man zuerst einmal fragen, ob er überhaupt eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat.“
  • Spekulieren kann man natürlich auch darüber, ob die unsäglich schlecht gesungenen und über das renommierte Vertriebssystem „Home Shopping“ verschleuderten Heimatlieder-CDs einen Verkaufsrekord erzielt haben…

Jörg Haider, seine Buberln und sein seltsames Bündnis von „rechts-außen-Grenzgängern“ genießen bei mir persönlich ebenso wenig Respekt wie Mitleid, aber wie tief Menschen sinken, wenn es um ein bißchen Macht und Wählerstimmen geht, ist gleichermassen widerlich wie erschreckend.

Roland B. Seper

Roland B. Seper gibt's u.a. auch bei Twitter (@noxvobiscum), Facebook (facebook.com/rolandseper) oder Google+ (noxvobiscum.at/+). Dazu empfiehlt sich jederzeit ein Blick auf neuepresse.at.

Das könnte auch interessant sein...

Kommentar verfassen