Designierter Weihbischof Gerhard Wagner resigniert

Kathpress, die Presseagentur der katholischen Kirche in Österreich, sorgte heute mittels Presseaussendung für einen kleinen Paukenschlag: Der am 31.01. dieses Jahres vom Heiligen Stuhl zum Weihbischof ernannte Pfarrer Gerhard Maria Wagner beugt sich dem Druck der Öffentlichkeit und ersuchte den Papst um Rücknahme der Entscheidung.

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Wörtlich sagt Wagner in der Aussendung, um die er den Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz ersuchte: „Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof im Interesse und zum Wohle der Diözese zum Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten.“ Laut Diözese Linz hat der Vatikan dem Rücktrittsbesuch auch bereits entsprochen.

Nota bene: Noch am 7. Februar sagte Wagner in einem Interview mit der APA, angesprochen auf den massiven Gegenwind aus allen Richtungen: „Wenn der Papst es wünscht, wäre es feig, sich aus dem Staub zu machen, nur weil man die öffentliche Meinung fürchtet“.

Der Pfarrer von Windischgarsten (auch bekannt als „Harry-Potter-Hasser“, da er die gleichnamigen Phantasy-Bücher J. K. Rowlings als Wegbereiter für Okkutismus und Satanismus betrachtet) ist nicht zuletzt durch seine sonderbaren Ansichten bezüglich Homosexueller in den medialen Fokus gerückt. Auf die Frage in einem profil-Interview, ob Homosexualität heilbar sei und Homosexuelle behandelt werden sollten, antwortete er beispielsweise: „Dafür [für den Erfolg einer solchen Behandlung, Anm.] gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht.“ Dagegen erscheint seine beharrliche Weigerung, Mädchen als Ministrantinnen zu akzeptieren, noch relativ harmlos.

Katholizismus in der Krise?

Die Kirche hat derzeit generell kein sonderlich leichtes Leben in Österreich. Seit einigen Wochen „hagelt“ es unangenehme Nachrichten. Neben der Ernennung des erzkonservativen Wagner zum Weihbischof sorgte auch die Rücknahme der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe (darunter Holocaust-Leugner Richard Williamson, der ja bekanntlich nach eigenen Angaben massenhaft „Beweise für die Unmöglichkeit der Existenz von Gaskammern“ in Händen halten will) für großes Aufsehen.

Kann eine Kirche wie die Katholische in Österreich eine solche Krise unbeschadet überstehen? Die Antwort ist ebenso einfach wie kurz: Selbstverständlich! Es ist zweifellos nicht die erste schwere Zeit, die Vatikans Schäfchen erleben. Seit Anbeginn kämpfte der Heilige Stuhl wiederholt gegen Anfeindungen sowohl von innen als auch von außen. Man erinnere sich nur an die Zeit vor und während der Reformation, als die Gläubigen in großen Teilen Europas scharenweise in die mit offenen Armen wartenden Gruppierungen wie Protestanten, Calvinisten, Lutheraner und viele mehr überliefen.

Dennoch: Die Katholische Kirche Österreichs zählt heute allen Kritikern zum Trotz rund 5,6 Millionen Mitglieder, von denen etwas mehr als 28 Prozent (rund 1,6 Millionen) einmal monatlich, 14 Prozent (800.000) sogar wöchentlich zur Messe gehen. Von einer Krise kann und darf zwar durchaus gesprochen werden, aber eine Institution wie die Kirche wird auch eine solche Situation aussitzen können. In so mancher Publikation steht dazu pointiert: „Wir haben Groer und Krenn überlebt, was soll da noch kommen?“

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich der Vatikan indirekt dem medialen Druck in einem vergleichsweise kleinen Land beugt und nicht zuletzt auch deshalb eine bereits getroffene Personalentscheidung zurücknimmt. Wer weiß, vielleicht kann ja die breite Basis der Glaubensgemeinschaft bei der nächsten Papstwahl ein Wörtchen mitreden…?

Roland B. Seper

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