HC Strache beweist (erneut) seine vorsintflutliche Geisteshaltung

„Kreuze gehören zur Identität unseres Landes, daher gehören sie ins Klassenzimmer“. Der FPÖ-Chef HC Strache hat in einer Wortspende im Vorfeld des Tags der Arbeit wieder einmal bewiesen, dass er einige Jahrzehnte soziale Weiterentwicklung gänzlich verschlafen zu haben scheint (Quelle).

Ein Klassenraum im Sinne des HC Strache

Ein Klassenraum im Sinne des HC Strache

Strache macht aber nicht nur dafür Stimmung, ein Symbol einer Religiösen Gemeinschaft allen auf’s Aug zu drücken, die möglicherweise überhaupt nichts damit zu tun haben (wollen) – sei es aufgrund anderweitiger Religionszugehörigkeit oder auch Unabhänigkeit von irgendeiner Glaubensrichtung -, sondern spricht sich darüber hinaus auch dafür aus, auch das Konterfei des jeweiligen Landeshauptmanns in den Klassenzimmern aufzuhängen. Föderalismus ist also die zweite wichtige Leitreligion in Österreich, so es nach Herrn Strache geht. Selbstverständlich folgt auch in dieser Wortspende die à la Cato mit seinem „Ceterum censeo…“ gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und an Schulen.

Wie kann es sein, dass Menschen mit Mittel- oder auch teilweise Hochschulabschluss und somit mehr oder weniger überdurschschnittlicher Bildung so rückschrittlich und hinterwäldlerisch empfinden? Woher diese Angst vor Menschen mit einer Hautfarbe, für die Stefan Petzner (BZÖ) Unsummen im Solarium ausgibt? Woher diese Vorurteile gegen andere Religionsgemeinschaften als die christlichen?

Eine weitere wichtige Frage ist, warum an öffentlichen Bildungseinrichtungen, deren Besuch für alle Kinder dieses Landes – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit – verpflichtend ist überhaupt irgendein Symbol irgendeiner Glaubensrichtung hängen soll. So lange sich die Republik Österreich dazu bekennt, ihren Bürgern (ja, auch den im Laufe der Geschichte zugewanderten) die völlige Freiheit lässt, sich zu einer Religion zu bekennen, so lange sich diese an die maßgeblichen Grundregeln des Rechtsstaates und der Demokratie hält, so lange gibt es meines Erachtens keinen Grund, die Symbole irgendeiner Religion – auch nicht die einer „Mehrheit“ – irgendwo aufzuhängen. Die Anführungszeichen bei „Mehrheit“ resultieren aus meiner Ansicht, dass die überwältigende Mehrheit der katholischen Kirche in Österreich ausschließlich aufgrund der kaum abschätzbaren Anzahl an getauften „Karteileichen“ zustande kommt, die mit den Glaubensinhalten oder der Ausübung der Religion beinahe so wenig zu tun haben wie HC Strache mit nachhaltiger Politik.

Auch nicht uninteressant wäre eine schlüssige Antwort darauf, warum sich irgendein Mensch, egal welcher Herkunft oder Religion, durch ein beliebiges Symbol irgendeiner Glaubensrichtung so bedroht fühlen kann, dass er sogar auf gesetzlichem Wege dieser Bedrohung zu entgehen versucht?

Es gibt sicherlich eine Menge an möglichen Antworten auf diese Fragen und Menschen wie Strache, Stadler, Westenthaler, Petzner & Co werden auch nicht müde vom „World Domination“-Islam zu predigen (Anm.: so viel zum Thema „Hassprediger“). Dennoch sollte der durchschnittliche FPBZÖ-Wähler irgendwann munter werden und erkennen, dass die meisten dieser Antworten von nichts anderem als nahezu pathologischer Paranoia vor allem Fremdartigen getrieben sind.

Mit Parteien, die sich nach außen stets abschotten wollen, aus Staatenbünden wie der Europäischen Union am liebsten ohne jegliche Kompromissbereitschaft oder Gegenleistung nur die Zuckerln herauspicken wollen und anstelle der „Politik für den kleinen Mann“ diesen über fadenscheinige Pseudo-Steuererleichterung noch weiter zugusten der Wohlhabenden ausbluten wollen, ist kein Staat zu machen.

À pro-pos Staat: Im Vergleich zur Forderung nach dem Kruzifix in jeder Klasse ist die nach einem Bild des Landeshauptmanns geradezu putzig. In der Diskussion rund um das Doppelbudget 2009/2010 fällt – auch aus HC Straches Mund – unzählige Male das Wort „Verwaltungsreform“ (siehe Budgetdebatte: Alexander van der Bellen vs. HC Strache). Dennoch auf diese Weise eine Lanze für den restlos überholten Föderalismus in einem Land wie Österreich zu brechen, mutiert unter diesem Gesichtspunkt zur Farce.

Roland B. Seper

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1 Antwort

  1. Aufklärer sagt:

    Es sollten generell alle religiösen Symbolen in öffentlichen Räumen untersagt werden. Was den Islam angeht, so sei darauf hingewiesen, dass FPÖ und Co. keine Islamkritik üben, sondern xenophob und rassistisch daher reden und Österreich vor der „Überfremdung schützen“ wollen. Die migranitschen Muslime sollen nicht nach Österreich, sondern in ihren Heimatländern bleiben. Am besten sollen sie dort z.B. gegen Israel kämpfen, welches auch eines der Feindbilder der FPÖ ist. Man hat also nichts gegen den Islam, so lange er nicht Österreich stattfindet. So lässt sich auch die Sympathie für den antisemitischen Vernichtungskampf der Hamas erklären. Auch die Benutzung des Wortes „Islamophobie“, wie ihn die NPD benutzt, kann aus dieser Haltung heraus erklärt werden. Historisch geht das bis zu den Muslim-Bruderschaften zurück, die dann später eigene SS-Divisionen hatten.

    Daher wäre ein universelle Islamkritik zu leisten, die sich mit den Opfern des islamischen Tugendterrors – die auch muslimisch sind – solidarisiert.

    Dazu ein Lesetipp auf folgender Seite:

    http://www.redaktion-bahamas.org/index.htm

    Der Artikel „Islamkritik und Politik im Namen des Volkszornes“ von Cafe Critique.

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