Spindeleggers Lage: Erwartungsgemäß überschaubar spannend

Der amtierende Vizekanzler, Außenminister und Chef der angesichts zahlreicher Verwicklungen in Korruptionsfälle und prognostizierter Wählerverluste zunehmend schwächelnden „Volks“partei hielt heute seine groß angekündigte „Rede zur Lage der Nation“. Der Ruck, der durchs Land gehen hätte sollen, bleib aus völlig unerfindlichen Gründen bis dato aus.

Michael Spindelegger | Bild: Christian Jungwirth

Michael Spindelegger | Bild: Christian Jungwirth

Von der erhofften staatstragenden Imposanz kann man nicht einmal bei größtem Wohlwollen sprechen. Immerhin: Gesetzt dem Fall, das vorrangige Ziel der Aktion wäre das Zufriedenstellen der verbliebenen durchhaltestärksten Stammwählerklientels, so wird das halbwegs erreicht worden sein. Mich und andere der ÖVP nicht unbedingt ausnehmend nahestehende Mitbürger konnte er tendentiell eher amüsieren mit seinen mäßig spannenden „10 Geboten“, der üblichen Phrasendrescherei („Zukunft aus Tradition“, „Respekt vor der Schöpfung“, „Jeder in diesem Land kann ein Mateschitz sein“), dem völligen Ausbleiben irgendwelcher neuen Ideen oder Innovationen und der drastisch überzeichneten Inszenierung – inklusive einleitender Balettdarbietung.

Selbstverständlich wurde wieder die katastrophal hohe Steuerbelastung angesprochen, die die ÖVP ja scheinbar von irgendwelchen nicht näher bestimmbaren Vorfahren geerbt hatte, der sakrosankte Sparkurs verteidigt, das Gymnasium als unantastbar definiert und nicht zuletzt – no na ned – hingebungsvoll gegen die politischen Mitbewerber gewettert.

Fazit

Die große Rede war unter’m Strich mehr oder weniger solides politisches Handwerk und – für mich – beinahe kurzweiliges Vergnügen. Es gibt ja nun doch Schlimmeres, als einem ansonsten recht charismafreien und im Grunde langweiligen Herrn Spindelegger dabei zuzusehen, wie er sich im Kreise seiner Parteikumpanen für ein paar Minuten wie ein richtig echter großer Politiker fühlen durfte. Stehende Ovationen inklusive.

Glückwunsch! Sonderlich viele Gelegenheiten wird er dafür vermutlich (oder vielmehr hoffentlich) nicht mehr haben…

Roland B. Seper

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