App Publishing: Nichts für schwache Nerven

Ich versuchte soeben das völlig unfassbare: Eine unserer Apps, die bereits in mehreren Versionsschritten für unterschiedliche Mobile OS-Plattformen gelauncht und tausendfach heruntergeladen wurde, vom Status „kostenlos“ auf einen bestimmten Preispunkt anzuheben. Was sich da an Mühsal in den Developer Backends der OS-Anbieter auftut, ist wahrhaft erstaunlich.

Smartphone-Quintett mit WirtschaftsBlatt investor App

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Klassenprimus: iTunes Connect
Zuerst nahm ich mir Apple vor. iTunes Connect ist eine schreckliche Plattform, wenn man Apple-GUIs nicht gerade tagtäglich gewöhnt ist, aber der Umgang mit den teils eher seltsam titulierten Bereichen geht dennoch irgendwann recht flott von der Hand. App auswählen, Pricing Optionen auswählen, den gewünschten Price Tier (Apple hat eine Liste an Preispunkten, es gibt keine individuelle Preisgestaltung) bestätigen und die Sache ist (inklusive Anpassung der In-App-Purchases) innerhalb von 10 Minuten erfolgreich erledigt.

Google Play/Android Marketplace: Exakt wie das OS selbst. Nicht sonderlich sexy, aber funktionell und solide
Weiter geht’s mit Android. Um eine kostenlose App auf kostenpflichtig umzustellen, muss hierbei eine neue APK (quasi das „Source file“ der App) hochgeladen werden. Hat man dieses nicht zur Hand, ist das Anpassen des Pricings an einem Wochenende schon mal nicht so leicht. Man muss der Fairness halber jedoch hinzusagen, dass man bei Google Play (vormals Android Marketplace) beim erstmaligem Upload einer App explizit darauf hingewiesen wird, dass eine kostenlose App nachträglich nicht mehr ohne weiteres in eine Paid App umgewandelt werden kann. Immerhin: Der Vorgang selbst wäre auch bei komplett neuerlichem Hochladen eines APKs nicht sonderlich aufwändig, vermutlich ebenfalls eine Sache von einer Viertel- bis halben Stunde.

Richtig dicke kommt’s bei BlackBerry…
RIM lässt scheinbar keine Änderung des Preises zu, wenn der Status „Free“ mal eingetragen ist/war. So weit so gut. Ein vorheriger Hinweis ist allerdings im Gegensatz zu Google/Android niemals erfolgt. Nach schier endlosem Herumklicken im Developer Backend gab ich dann irgendwann auf und konsultierte das Support Forum. Siehe da: Ich bin keineswegs der Einzige, dem das sauer aufstößt und es gibt seit wenigen Wochen zunehmend Threads, die sich diesem Thema widmen. Reaktionen von RIM auf diese Diskussionen konnte ich keine finden, ebensowenig wie Lösungswege abseits eines komplett neuerlichen Uploads der App, was bei RIM wahrlich kein Zuckerschlecken ist…

Der Windows Phone App Hub: Eine Plattform wie der Vorhof zur Hölle
Wie Microsoft jemals diese Plattform hochkriegen will, ist mir zunehmend schleierhaft…
Wenn man nach einer gründlichen Eingewöhnung irgendwann einen Eindruck davon gewonnen hat, wie diese Oberfläche (welche übrigens auf den zweiten Blick gar nicht mal so unattraktiv wäre!) zu bedienen ist, findet man beizeiten sogar Verwaltungsoptionen bestehender Apps. Der Windows App Hub schickte mich (bzw. den Browser) dann allerdings bei Click auf „Manage Pricing“ permanent um, dazwischen erscheinen etwa fünfsekündlich Fehlermeldungen, welche in der kurzen Zeit, bevor der Browser refresht, nicht wirklich erfassbar sind. Als ich dann nach etwa 10 Minuten, in denen ich mich sinnstiftendere Dinge unternahm, aufgab und komplett neu einstieg, erschien die App plötzlich als „not certified“ (sprich am Beginn des Review Prozesses, als wäre sie noch nie erfolgeich gelauncht worden), obwohl sie nach wie vor im Marketplace zu finden ist.

Symbian: Ist tot.
Und das ist übrigens nicht sonderlich sarkastisch gemeint, sondern vielmehr ein Faktum, nachdem die Plattform bekanntlich von Nokia selbst bereits abgekündigt ist. Wir haben dementsprechend – teils sogar zugegebenermaßen schweren Herzens – den Support dafür ebenso eingestellt wie Weiterentwicklungen von Symbian-Apps.

Fazit
Man kann Apple bzw. seinen mobilen Devices vieles vorwerfen, aber im Vergleich mit den Marktbegleitern funktioniert das Handling der Apps einfach um Welten besser…

Roland B. Seper

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