Viel bleibt nicht von Benedikt

Der neue Papst ist gewählt und die Katholische Kirche hofft auf frischen Antrieb im Kampf gegen den Mitgliederschwund, das Abdriften in die folkloristische Bedeutungsarmut und in der Aufbereitung zahlreicher teils gravierender Skandale im Vatikan und weit darüber hinaus. Sein Vorgänger und Neo-Pensionist Benedikt XVI. hat meines Erachtens in dieser Hinsicht herzlich wenig beigetragen.

Ex-Pontifex Benedikt XVI

Ex-Pontifex Benedikt XVI geht primär aufgrund seines originellen Abgangs in die Geschichte ein (Bild: Giuseppe Ruggirello)

Hätte Benedikt XVI nicht so historisch bedeutungsschwanger abgedankt, von seinem Pontifikat bliebe vermutlich exakt nix außerhalb der ordnungsgemäßen Chronologien in staubigen Archiven hängen.

Hochintellektuelle Theologie und Morallehre, Verbandelung mit den Fundamentalisten (etwa Pius-Fraternität) und Exorzismusrevival sind zwar für gewisse Kreise der Kirche und vermutlich große Teile der Kurie ganz adrett, aber für einen Papst aller Katholiken weltweit vielleicht doch ein wenig dürftig. Die harten Gesichtszüge und der daraus resultierende teils scharfe Auftritt sind selbstverständlich nicht sein „Verschulden“ und liegen zudem im Auge des Betrachters, aber der von manchen internationalen Medien gerne als „God’s Rottweiler“ titulierte Ex-Pontifex galt ja gemeinhin als nicht gerade umgänglich.

Josef Ratzinger hatte – so nehme ich zumindest an – sicherlich auch irgendwo eine freundliche Seite, aber in der öffentlichen Wahrnehmung schien davon allzu oft nicht allzu viel anzukommen.

Fazit

Johannes Paul II. hatte Charisma, vielen Päpsten davor, die ich nie selbst miterlebt hatte, wird es zugeschrieben und auch Franziskus scheint diesbezüglich gut anzukommen.

Benedikt XVI geht als korrekt, ja beinahe nüchtern amtsführender CEO in Pension. Sein Nachfolger Franziskus hingegen startet – auf den ersten und bewusst wohlmeinenden Blick – amikal, umgänglich, bescheiden, väterlich und herzlich ins Amt. Bilder vom neuen Pontifex in der U-Bahn gehen um die Welt und alleine seine Namenswahl zeugt von einem wenig pompösen, sondern vielmehr quasi „sanften“ Umgang mit dem Amt.

Mangelndes Charisma ist für diesen Job halt einfach echt unpraktisch.

Roland B. Seper

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