Kernzone 100: Wie lange noch?

Je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, was mit dieser Verkehrspolitik, wie sie in Wien und dem Umland betrieben wird, eigentlich erreicht werden soll. Die Nutzung des Privat-PKW bleibt teuer und unpraktisch (was – objektiv betrachtet – durchaus in Ordnung ist), es gibt aber nach wie vor keine spürbaren Erleichterungen hinsichtlich Kosten oder gar Komfort bei der Nutzung der Öffis.

Kernzone 100 Tarifzonenplan des VOR

Zonenplan des VOR. Rot markiert die Kernzone 100, grob gesagt das Wiener Stadtgebiet. (Quelle: VOR)

Wien hat nach wie vor ein hervorragendes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Solange jedoch Pendler, die ein paar Ortschaften außerhalb der Kernzone 100 leben, alleine für das Durchqueren der auf den ersten Blick völlig willkürlich definierten Tarifzonen bereits ein Vielfaches eines einfachen Fahrscheines bezahlen müssen, wird der Umstieg nicht gerade schmackhaft gemacht.

Der Anachronismus des Flickenteppichs an Tarifzonen sollte ein ebenso rasches Ende finden wie die so genannte Pendlerpauschale selbst. Beides sind Relikte aus beinahe grauer Vorzeit, die den heutigen Gegebenheiten sowie den Anforderungen an ein modernes öffentliches Transportwesen nicht mehr entsprechen.

Flickwerk ade

Es ist an der Zeit, den Verkehrsbund Ost-Region nicht mehr als zerstückeltes Konstrukt separierter Provinzen zu betrachten, sondern den Großraum Wien, der faktisch aus Wien selbst, großen Teilen Niederösterreichs und zumindest der nördlichen Hälfte Burgenlands besteht, als eine gesamte und unteilbare Verkehrsregion.

Natürlich wirft eine 200km-Fahrt „quer durchs Ländle“ mehr Kosten auf als drei Stationen mit der Bim in Wien, aber dieses Argument kann nur an der Oberfläche als solches herangezogen werden. Bei genauerer Betrachtung muss jedoch umgehend das überwiegende öffentliche Interesse an einem funktionierendem, komfortablen und leistbaren Transportwesen eingebracht werden, welches dergestalt legitimiert Subventionierung durch die öffentliche Hand rechtfertigt. Ebenso verhält es sich etwa beim Bildungssystem, das bedarfsorientiert aufgesetzt ist und einem Menschen, der nach der Pflichtschule aus dem Bildungswesen ausscheidet, weniger Mittel zukommen lässt als einem, der die so genannte „Sekundarstufe II“ (AHS, HTL, etc.) in Anspruch nimmt.

Fazit

Öffentlicher Verkehr ist ungemütlich und teuer. Autofahren ist gemütlicher und ein wenig teurer. Machen wir die Öffis halbwegs gemütlich und wesentlich billiger, wird das Autofahren plötzlich nur noch wenig gemütlicher, aber empfindlich teurer.

Es warat ja eigentlich so einfach…

Das Thema wurde übrigens bereits mehrfach von mir behandelt, u.a.
hier (Verkehr haben – aber richtig, 2011) und
hier (Ausweitung der Wiener “Kernzone 100″ – ja bitte!, 2009)

Roland B. Seper

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