Raus mit den Töchtern? Echt jetzt?

Die Österreichische Bundeshymne (links die Version von 2011, rechts die von 1947-2011)

Die Österreichische Bundeshymne (links die Version von 2011, rechts die von 1947-2011)

Jetzt mal ganz im Ernst: Sollte es wirklich – aus irgendeinem völlig absurden Grund – eine Änderung des „Bundesgesetzes über die Bundeshymne der Republik Österreich“ von 2011 im Sinne einer Wiederherstellung des vorherigen Status geben, dann sollten sich alle Befürworter dessen darüber im Klaren sein, was das unter’m Strich bedeutet.

Fassen wir kurz zusammen:

Da wird vor mittlerweile fast drei Jahren eine Änderung des Textes der Österreichischen Bundeshymne vorgenommen, die – alleine für sich betrachtet – vergleichsweise wenig weltbewegend ist. Sie stellt nichts desto weniger ein kleines, aber dennoch gut sichtbares Symbol für eine positive gesellschaftliche Weiterentwicklung dar. Man könnt‘ fast sagen: Sie tut eigentlich wirklich niemandem weh, fühlt sich aber irgendwie zeitgemäß, vielleicht sogar fortschrittlich an.

Im Jahre 2014(!) kommt man dann – nota bene: aufgrund eines peinlichen Fehltritts eines trotzigen Schlagersternchens – doch wieder drauf, dass es diese Änderung gab. Eiderdaus! Plötzlich sind die großen Töchter und Söhne des Landes in höchstem Maße aufgebracht, wie man nur die scheinbar sakrosankte „Originalversion“ von Paula Preradović (die übrigens längst nicht der entspricht, die schlussendlich 1947 durch den Ministerrat ging, aber das nur am Rande) so verunglimpfen könne. Frauen seien ja schließlich auch ohne Erwähnung in der Hymne total respektiert und wertgeschätzt!

Siehe hierzu: Offener Brief an Frauen, die sich auch ohne “Töchter” in der Bundeshymne eh total wertgeschätzt fühlen

Und daraufhin soll dann – quasi als weiteres Symbol – medienwirksam (und idealerweise international aufmerksam verfolgt) deklariert werden, dass die ÖsterreicherInnen explizit (schlimmstenfalls per Volksentscheid!) GEGEN dieses winzige Symbol der gesellschaftlichen Weiterentwicklung stimmen? Ergo bewusst und deutlich zum Ausdruck bringen, dass man Frauen zwar eh ganz lieb finde, aber ihnen bitteschön deshalb doch noch lange keinen Platz in der Bundeshymne, also einem der „Staatssymbole“ einräumen solle?

Und das obendrein mit einer solch verbissenen Vehemenz, dass man nicht etwa bei der Entstehung und initialen Diskussion zum Ausdruck bringt „Nein, so wichtig finde ich das eigentlich nicht“, sondern sogar drei Jahre nach Inkrafttreten des dahingehenden Gesetzes aktiv und lautstark eine Änderung desselben anstrebt?

Seid mir bitte nicht bös‘, aber ab dem Zeitpunkt, wo man sich das ernsthaft herbeiwünscht, sollte man wirklich einigermaßen vorsichtig sein, wie man etwa den Umgang mit Frauen in anderen – aus unserer (oder zumindest meiner) Sicht „rückschrittlichen“ – Kulturen bewertet. Geschähe so etwas irgendwo im nahen Osten und schwappte als Info zu uns, würden alle den Kopf schütteln und sich über diese überwuzelten Einstellungen der dortigen Menschen echauffieren. Und das zurecht.

Aber bitt’schön. Jedem das seine und Jeder, was er ihr zugesteht.

Roland B. Seper

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