Die große Themenverfehlung bei #metoo

Was mich an der erstaunlich polarisierenden #metoo Debatte am meisten anzipft: Fast alle Diskussionen (oder zumindest die überwiegende Mehrheit davon) laufen in die völlig falsche Richtung!

„Fight sexism“: Graffiti in Turin, November 2016

Alle reden seit Tagen und Wochen davon, wann Frauen Übertretungen der Grenzen ihrer Privat- und Intimsphäre welchen Ausmaßes wie zu beantworten haben.

Sprich sie sollen möglichst nicht im Nachhinein etwas sagen, sie sollen gewisse „harmlose“ Übergriffe gefälligst hinnehmen und sich net so anstell‘n oder sie sollen halt gleich irgendwelche Watschen verteilen…

What a brain fuck

Liebe Jungs und Mädels, das ist eine Themenverfehlung und ein Brain Fuck allerfeinster Güte!

Es geht einzig und allein darum, dass sich verdammt nochmal Alle (vor allem Männer, aber auch zuweilen Frauen) darüber im Klaren zu sein haben, was im zwischenmenschlichen Umgang miteinander zulässig ist und was nicht. Und wo die konkreten Unterschiede zwischen Konsensualität und Belästigung liegen. Und welche Grenzen und Normen im Zweifelsfall zu gelten haben.

Kurzum: Hört endlich auf, an Mädchen und Frauen und an ihrem Verhalten herumzudoktern!

Männer definieren seit jeher, welche Berufe Frauen zu ergreifen haben und aus welchen Sparten sie sich rauszuhalten haben (oder zumindest welchen hierarchischen Levels). Männer definieren, wie sich Frauen zu kleiden haben. Die einen haben zuviel an („Burkaverbot muss her!“), die anderen zuwenig („Sie hat ja mit dieser engen Bluse regelrecht provoziert, dass ich sie begrapsche!“). Männer definieren, wann sich Frauen belästigt fühlen dürfen und was sie gefälligst über sich ergehen lassen sollen, weil „Männer halt so sind“ und – noch besser – „weil das früher auch nie ein Problem war“. Geht‘s noch?

„Wir müssen über Männer reden, nicht über Frauen!“

Wir müssen über das (Fehl-)Verhalten von Männern reden. Wir müssen darüber reden, wie es sein kann, dass viele Männer immer noch glauben, dass sie diejenigen sind, die zu entscheiden haben, wo die Intimsphäre einer Frau beginnt. Und wir müssen darüber reden, wann das Thema „sexuelle Belästigung“ lautet und wo es sich vielmehr um (nicht minder entbehrliches) „archaisch-maskulines Dominanzgetue“ handelt. Es geht hier auch nicht im Geringsten um krampfhaft überzeichnete Political Correctness, sondern um das Konzept der „Basic human decency“.

Wenn wir das dann mal alles geklärt haben, wird eine etwaige Folgediskussion, wie Frauen auf männliche Übergriffe zu reagieren haben, plötzlich angenehm kurz…

Bild: Prof.lumacorno/Wikimedia

Roland B. Seper

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1 Antwort

  1. 7. November 2017

    […] Frauen bringen, dann bitte auf ganz, ganz tiefliegenden strukturellen, patriarchalen Machtebene (diesen Beitrag dazu find ich übrigens sehr schlau). Da gehört diese Diskussion nämlich hin – und für alle zum Mitschreiben: Das hat nichts […]

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