Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

HC Strache beweist (erneut) seine vorsintflutliche Geisteshaltung

Freitag, 1. Mai 2009

“Kreuze gehören zur Identität unseres Landes, daher gehören sie ins Klassenzimmer”. Der FPÖ-Chef HC Strache hat in einer Wortspende im Vorfeld des Tags der Arbeit wieder einmal bewiesen, dass er einige Jahrzehnte soziale Weiterentwicklung gänzlich verschlafen zu haben scheint (Quelle).

Ein Klassenraum im Sinne des HC Strache

Ein Klassenraum im Sinne des HC Strache

Strache macht aber nicht nur dafür Stimmung, ein Symbol einer Religiösen Gemeinschaft allen auf’s Aug zu drücken, die möglicherweise überhaupt nichts damit zu tun haben (wollen) – sei es aufgrund anderweitiger Religionszugehörigkeit oder auch Unabhänigkeit von irgendeiner Glaubensrichtung -, sondern spricht sich darüber hinaus auch dafür aus, auch das Konterfei des jeweiligen Landeshauptmanns in den Klassenzimmern aufzuhängen. Föderalismus ist also die zweite wichtige Leitreligion in Österreich, so es nach Herrn Strache geht. Selbstverständlich folgt auch in dieser Wortspende die à la Cato mit seinem “Ceterum censeo…” gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst und an Schulen.

Wie kann es sein, dass Menschen mit Mittel- oder auch teilweise Hochschulabschluss und somit mehr oder weniger überdurschschnittlicher Bildung so rückschrittlich und hinterwäldlerisch empfinden? Woher diese Angst vor Menschen mit einer Hautfarbe, für die Stefan Petzner (BZÖ) Unsummen im Solarium ausgibt? Woher diese Vorurteile gegen andere Religionsgemeinschaften als die christlichen?

Eine weitere wichtige Frage ist, warum an öffentlichen Bildungseinrichtungen, deren Besuch für alle Kinder dieses Landes – unabhängig von deren Religionszugehörigkeit – verpflichtend ist überhaupt irgendein Symbol irgendeiner Glaubensrichtung hängen soll. So lange sich die Republik Österreich dazu bekennt, ihren Bürgern (ja, auch den im Laufe der Geschichte zugewanderten) die völlige Freiheit lässt, sich zu einer Religion zu bekennen, so lange sich diese an die maßgeblichen Grundregeln des Rechtsstaates und der Demokratie hält, so lange gibt es meines Erachtens keinen Grund, die Symbole irgendeiner Religion – auch nicht die einer “Mehrheit” – irgendwo aufzuhängen. Die Anführungszeichen bei “Mehrheit” resultieren aus meiner Ansicht, dass die überwältigende Mehrheit der katholischen Kirche in Österreich ausschließlich aufgrund der kaum abschätzbaren Anzahl an getauften “Karteileichen” zustande kommt, die mit den Glaubensinhalten oder der Ausübung der Religion beinahe so wenig zu tun haben wie HC Strache mit nachhaltiger Politik.

Auch nicht uninteressant wäre eine schlüssige Antwort darauf, warum sich irgendein Mensch, egal welcher Herkunft oder Religion, durch ein beliebiges Symbol irgendeiner Glaubensrichtung so bedroht fühlen kann, dass er sogar auf gesetzlichem Wege dieser Bedrohung zu entgehen versucht?

Es gibt sicherlich eine Menge an möglichen Antworten auf diese Fragen und Menschen wie Strache, Stadler, Westenthaler, Petzner & Co werden auch nicht müde vom “World Domination”-Islam zu predigen (Anm.: so viel zum Thema “Hassprediger”). Dennoch sollte der durchschnittliche FPBZÖ-Wähler irgendwann munter werden und erkennen, dass die meisten dieser Antworten von nichts anderem als nahezu pathologischer Paranoia vor allem Fremdartigen getrieben sind.

Mit Parteien, die sich nach außen stets abschotten wollen, aus Staatenbünden wie der Europäischen Union am liebsten ohne jegliche Kompromissbereitschaft oder Gegenleistung nur die Zuckerln herauspicken wollen und anstelle der “Politik für den kleinen Mann” diesen über fadenscheinige Pseudo-Steuererleichterung noch weiter zugusten der Wohlhabenden ausbluten wollen, ist kein Staat zu machen.

À pro-pos Staat: Im Vergleich zur Forderung nach dem Kruzifix in jeder Klasse ist die nach einem Bild des Landeshauptmanns geradezu putzig. In der Diskussion rund um das Doppelbudget 2009/2010 fällt – auch aus HC Straches Mund – unzählige Male das Wort “Verwaltungsreform” (siehe Budgetdebatte: Alexander van der Bellen vs. HC Strache). Dennoch auf diese Weise eine Lanze für den restlos überholten Föderalismus in einem Land wie Österreich zu brechen, mutiert unter diesem Gesichtspunkt zur Farce.

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Designierter Weihbischof Gerhard Wagner resigniert

Sonntag, 15. Februar 2009

Logo der US-Punk-Band Bad Religion

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Kathpress, die Presseagentur der katholischen Kirche in Österreich, sorgte heute mittels Presseaussendung für einen kleinen Paukenschlag: Der am 31.01. dieses Jahres vom Heiligen Stuhl zum Weihbischof ernannte Pfarrer Gerhard Maria Wagner beugt sich dem Druck der Öffentlichkeit und ersuchte den Papst um Rücknahme der Entscheidung.

Wörtlich sagt Wagner in der Aussendung, um die er den Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz ersuchte: „Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof im Interesse und zum Wohle der Diözese zum Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten.“ Laut Diözese Linz hat der Vatikan dem Rücktrittsbesuch auch bereits entsprochen.

Nota bene: Noch am 7. Februar sagte Wagner in einem Interview mit der APA, angesprochen auf den massiven Gegenwind aus allen Richtungen: “Wenn der Papst es wünscht, wäre es feig, sich aus dem Staub zu machen, nur weil man die öffentliche Meinung fürchtet”.

Der Pfarrer von Windischgarsten (auch bekannt als “Harry-Potter-Hasser”, da er die gleichnamigen Phantasy-Bücher J. K. Rowlings als Wegbereiter für Okkutismus und Satanismus betrachtet) ist nicht zuletzt durch seine sonderbaren Ansichten bezüglich Homosexueller in den medialen Fokus gerückt. Auf die Frage in einem profil-Interview, ob Homosexualität heilbar sei und Homosexuelle behandelt werden sollten, antwortete er beispielsweise: “Dafür [für den Erfolg einer solchen Behandlung, Anm.] gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht.” Dagegen erscheint seine beharrliche Weigerung, Mädchen als Ministrantinnen zu akzeptieren, noch relativ harmlos.

Katholizismus in der Krise?

Die Kirche hat derzeit generell kein sonderlich leichtes Leben in Österreich. Seit einigen Wochen “hagelt” es unangenehme Nachrichten. Neben der Ernennung des erzkonservativen Wagner zum Weihbischof sorgte auch die Rücknahme der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe (darunter Holocaust-Leugner Richard Williamson, der ja bekanntlich nach eigenen Angaben massenhaft “Beweise für die Unmöglichkeit der Existenz von Gaskammern” in Händen halten will) für großes Aufsehen.

Kann eine Kirche wie die Katholische in Österreich eine solche Krise unbeschadet überstehen? Die Antwort ist ebenso einfach wie kurz: Selbstverständlich! Es ist zweifellos nicht die erste schwere Zeit, die Vatikans Schäfchen erleben. Seit Anbeginn kämpfte der Heilige Stuhl wiederholt gegen Anfeindungen sowohl von innen als auch von außen. Man erinnere sich nur an die Zeit vor und während der Reformation, als die Gläubigen in großen Teilen Europas scharenweise in die mit offenen Armen wartenden Gruppierungen wie Protestanten, Calvinisten, Lutheraner und viele mehr überliefen.

Dennoch: Die Katholische Kirche Österreichs zählt heute allen Kritikern zum Trotz rund 5,6 Millionen Mitglieder, von denen etwas mehr als 28 Prozent (rund 1,6 Millionen) einmal monatlich, 14 Prozent (800.000) sogar wöchentlich zur Messe gehen. Von einer Krise kann und darf zwar durchaus gesprochen werden, aber eine Institution wie die Kirche wird auch eine solche Situation aussitzen können. In so mancher Publikation steht dazu pointiert: “Wir haben Groer und Krenn überlebt, was soll da noch kommen?”

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich der Vatikan indirekt dem medialen Druck in einem vergleichsweise kleinen Land beugt und nicht zuletzt auch deshalb eine bereits getroffene Personalentscheidung zurücknimmt. Wer weiß, vielleicht kann ja die breite Basis der Glaubensgemeinschaft bei der nächsten Papstwahl ein Wörtchen mitreden…?

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