Ein höchst dringender Aufschrei
Ein gesetzter Herr fortgeschrittenen Semesters, der eine junge Dame mit teils schlüpfrigen, teils chauvinistischen Phrasen eindeckt, überschreitet dadurch eindeutig die Grenze ihrer persönlichen Intimsphäre. Dennoch: Hätte es sich nicht zufällig um einen Prominenten deutschen Politiker und eine Journalistin des Stern gehandelt, gäbe es die Aktion #aufschrei vermutlich gar nicht. Zumindest nicht in dieser Form, in dieser Intensität. Die Tatsache, dass die Diskussion rund um das Thema “Alltagssexismus” nun auch die Öffentlichkeit abseits der Social Media erreicht, ist jedoch wichtig – und höchst an der Zeit.
Vorab: Sexismus und sexueller Übergriff sind verschiedene Paar Schuhe
Eines der ersten und gravierendsten Missverständnisse kommt bei der jeweiligen Verwendung der Begriffe ans Licht. Auch wenn naturgemäß eine semantische Verwandtschaft besteht, sind Sexismus und sexuelle Belästigung nicht gleichsetzbar. In einem Fall geht es um unerwünschte Eingriffe in die intime Privatsphäre eines Menschen, im anderen um die Unausgewogenheit zwischen den Geschlechtern. In einem Fall geht es darum, die Frau in ihrer individuellen und intimen Sexualität zu missbrauchen (physisch oder verbal), im anderen um die Rolle der Frau hinsichtlich Gleichbehandlung (etwa Einkommenssituation oder Zuweisung von “typischen” Geschlechterrollen).





