Korruption: Eine Frage der Kultur?

Die Geschichte der Korruption ist so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Wo Einzelne mehr Macht oder Möglichkeiten zur Beeinflussung Anderer haben, entstehen zahlreiche Gelegenheiten, dies zum Wohle oder zum Schaden Dritter zu nutzen. So selten ersteres zu geschehen scheint, so sehr ist zweiteres an der Tagesordnung – nicht nur in der Politik.

Justitia - Personifikation der strafenden Gerechtigkeit

Justitia - Personifikation der strafenden Gerechtigkeit (HHS/pixelio.de)

Seit vielen Jahren ist so Manches faul im Staate Österreich. Die oft fälschlicherweise als “die Machthabenden” titulierten Volksvertreter (die tatsächliche “Macht” sollte in einer gesunden Demokratie immerhin vom Volke ausgehen) scheinen ihre Jobs in Regierungs- bzw. Legislativfunktionen keineswegs mehr auf die Bedürfnisse oder gar das Wohlbefinden der Bevölkerung auszurichten, sondern in erster Linie auf drei Dinge: Die Erhaltung der bereits erlangten Macht, deren Ausbau und – was aus meiner Sicht am bedenklichsten ist – zur persönlichen Bereicherung bzw. der der jeweiligen Partei.

Die Einen sichern ihre Position, indem sie sich mit anderer Leute Geld gezielt Gefälligkeiten erkaufen (zB. wohlwollende Berichterstattung ausgesuchter Medien oder illegitime Zuwendungen an “Lobbyisten”), Andere lassen sich kaufen, indem sie Geld für Leistungen annehmen, die einer seriösen Ausübung ihres Jobs diametral gegenüberstehen, wieder Andere haben mit beidem wenig am Hut und kassieren einfach gleich ungeniert höchstpersönlich oder für diverse “Freunde”.

Die Liste der Verfahren, die zur Zeit im Zusammenhang mit Korruption, Amtsmissbrauch und verwandten Tatbeständen laufen, ist lang. Beinahe atemberaubend sind die Summen, um die es geht. Hunderte Millionen Euro an Bestechungsgeldern, Lobbyingkosten und Steuerhinterziehungen stehen als fragliche Beträge im Raum, ganz zu schweigen vom sicherlich ebenfalls hunderte Millionen schweren Schaden, der den heimischen Steuerzahlern nicht entstanden wäre, wären all die dubiosen Geschäfte, die seit einigen Monaten Staatsanwaltschaften und Gerichte so intensiv auf Trab halten, korrekt abgelaufen.

Wie kann es sein, dass in einer modernen Demokratie, einer halbwegs gesunden Volkswirtschaft und einer – wie Österreich bzw. die Europäische Union so gerne bezeichnet werden – “christlichen Wertegemeinschaft” solche Dinge nicht nur vorkommen, sondern gar an der Tagesordnung stehen?

Eine Frage der Kultur?

Aus meiner Sicht ist die Antwort im Umfeld der herrschenden “Kultur” zu finden. In Österreich (und vermutlich bis ganz sicher auch darüber hinaus) ist es quasi zum Volkssport geworden, “dem Staat nix zu schenken”. Der kleine Häuslbauer versteuert die Arbeit auf seiner Baustelle nicht, der Unternehmer unterschlägt steuerschonend Geschäftseinkünfte, der Arbeitgeber nutzt – zu Lasten seiner scheinselbständigen Mitarbeiter – halbseidene Dienstverhältnisse, um Lohnnebenkosten zu sparen, der Investor tätigt seine steuerrelevanten Geschäfte zwar komfortabel von seinem Sitz im schönen Österreich aus, lenkt sie aber über irgendwelche Steueroasen in aller Welt. Diese Liste liesse sich freilich nahezu beliebig fortsetzen.

All das gehört “zum guten Ton”. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es ja im Grunde erschreckend, wie “normal” all diese Vorgänge sind. Der Häuslbauer prahlt am Stammtisch, wieviel er sich an Steuer “erspart” hat, der Unternehmer hält Fachvorträge vor interessierten Kollegen, wie man seine Lohnkosten in den Griff bekommt, indem man Mitarbeitern arbeitsrechtliche Privilegien vorenthält, der Investor erzählt in Interviews voller Stolz, mit welchen kreativen Firmengeflechten und schier undurchschaubaren Investmentprodukten er optimal die heimischen Steuerpflichten umschifft und so weiter.

Es scheint völlig O.K. zu sein, den Staat zu betrügen und es kümmert kaum jemanden, dass das alles illegal ist. Unlautere Machenschaften werden dann liebevoll als “steuerschonendes Wirtschaften”, Hinterziehung von Steuern als “geschickte Investmentstrategien” und Ausbeutung von Mitarbeitern als “effektive Personalführung” bezeichnet. Wer sich dagegen auflehnt und versucht, einen seriöseren Umgang mit all diesen Dingen zu pflegen, gilt gemeinhin als naiv oder schlicht selbst schuld.

Diese Herangehensweise, auf die Politik angewandt, bedeutet nichts anderes als das, was wir als Status quo nur zu gut kennen: Kaum ein Politiker, kaum eine Partei, die keinen Dreck am Stecken haben. Auch hier muss man bereits auf der “untersten Ebene” mit der Betrachtung beginnen: Beim Gemeinderat der 500-Seelen-Gemeinde, der als “kleines Dankeschön” für drei oder vier Abendessen den Parkplatz hinter dem Haus genehmigt, der bis kurz zuvor noch als Grünfläche gewidmet war. Beim Abteilungsleiter am Bauamt, der nach einem kurzen (fremdfinanzierten) Urlaub das zweite Stockwerk am Wohnhaus des “Gönners” bewilligt. Beim Bezirksrat, der sich dafür einsetzt, dass eine Einbahn zugunsten des dort ansässigen Kumpels umgedreht wird. Der Bürgermeister, der nach einer Wahl für sanfte Verschiebungen im Wahlergebnis sorgt. All das sind Fälle von Korruption, die freilich in ihrem entstehenden “Gesamtschaden” teils marginal erscheinen mögen, aber nichtsdestoweniger Symptom dafür sind, dass es “O.K.” ist, den gesetzlichen Rahmenbedingungen ein Schnippchen zu schlagen, solange nur Keiner zu genau hinschaut.

Was nun, wenn sich diese Denkweise bis in die höchsten Ebenen zieht und aus der kleinen Bewilligung des Parkplatzes plötzlich Beschaffungen des Bundes in Milliardenhöhe werden? Was, wenn es anstelle des Verkaufs kleiner Bauparzellen um Verkäufe des “Familiensilbers der Republik”, also großer im Eigentum des Staates stehender Unternehmen (etwa Austria Tabak, Buwog, etc.) geht? Was, wenn es anstelle des Mittagessens für den Bürgermeister plötzlich um Euro-Millionen für irgendwelche Parteikassen geht?

Es ist aus meiner Sicht allerhöchste Zeit, nicht Einzelne Unsympathler vor den Kadi zu zerren und medienwirksam in der Luft zu zerfetzen. Den schönen Karl-Heinz wegen seiner Machenschaften hinter Gitter zu stecken, den Kärntner Landes-Uwe für seine Parteispendengeschichten mit nassen Fetzen aus der Landesregierung zu jagen und den fröhlich Werbebudgets an befreundete Medien verteilenden Grinsekanzler aus dem Amt zu kicken wird natürlich keine Lösung der grundsätzlichen Problematik sein.

Aber es wäre ein Anfang! Und ein wichtiger noch dazu!

Es muss Schluss damit sein, dass der Staat als eine Art Selbstbedienungsladen betrachtet wird, aus dem ich so lange entnehmen kann, was noch irgendwie oberflächlich vertuscht werden kann, weil ohnehin Keiner genauer nachschaut. Am Ende des Tages muss völlig klar sein, dass Verbrechen, wie sie jetzt nach und nach ans Tageslicht kommen, mit aller Konsequenz geahndet werden und es absolut keine Toleranz geben kann, wenn illegale Machenschaften aufgedeckt werden. Es muss der Umkehrprozess hin zu einem Denken einsetzen, dass es nicht erst einer Verurteilung bedarf, um “schuldig” im Sinne der Korruption zu sein. In den Köpfen der Akteure des politischen Systems muss neuer Anstand, eine neue Moral verankert sein, die nicht nur den Gedanken, die eigene Macht ungestraft missbrauchen zu können, völlig außen vor lässt. Eine Moral die klar macht, dass “Schuld” nicht ausschließlich in Gesetzbüchern festgeschrieben ist, sondern ebenso in Werten und Haltungen.

Dies gilt im Kleinen, wo man beim Lohnsteuerausgleich nicht den (Spiel-)Computer des heranwachsenden Kindes als Arbeitsgerät geltend macht oder wo man sich vom Handwerker nicht nur die halbe Dienstleistung offiziell verrechnen lässt. Dies gilt aber auch im Großen, wenn sich Politiker nicht erst dann als schuldig betrachten, wenn ihre Vergehen mittels Gesprächsaufzeichnungen illegaler Vereinbarungen, durch Auftragsbestätigungen über halbseidene “Medienkooperationen” oder anhand von Nachweisen astronomisch überteuerter “Studien” mehr als nur klar nachvollziehbar sind.

Solange allerdings Politiker für ihr unlauteres Handeln keine persönlichen Konsequenzen ziehen müssen (und damit meine ich freilich nicht nur ein “freiwilliges” Niederlegen eines Nationalratsmandates oder den Rücktritt von einem Amt), solange wird es weitergehen wie bisher – im Kleinen wie im Großen.

Schluss mit der “Wo kein Kläger, da kein Kadi”-Mentalität!

Es darf einfach nicht sein, dass ein gutes Drittel der Regierungsbank eines einzigen Kabinetts so gut wie vor dem Kadi steht und der Rest der beteiligten Parteien völlig selbstsicher von der bösen linken Jagdgesellschaft schwadroniert, die die supersauberen Damen und Herren lediglich anpatzen will. Es darf einfach nicht sein, dass amtierende Landesregierungsfunktionäre von einem Gericht verurteilt werden, aber keineswegs an Konsequenzen denken, weil man auf das nächstinstanzliche Urteil wartet. Es darf einfach nicht sein, dass Nationalratsabgeordnete ihr Mandat behalten, die in dringendem Verdacht stehen, unrechtmäßige Zahlungen eines Unternehmens angenommen zu haben, mit denen man in der Vergangenheit als Minister direkt zu tun gehabt hatte.

Solange jedoch all diese Dinge (und wer weiß was noch alles, wovon wir heute nur noch nicht wissen) ungestraft an der Tagesordnung sind, solange wird der “Selbstbedienungsladen Österreich” auch weiterhin seine Pforten weit geöffnet halten und allen jenen weit offen stehen, die ihr Rückgrat und ihren Ethos – wie so viele Andere vor ihnen – mit Eintritt in die jeweilige Partei abgegeben haben.

Wurscht. Weil’s halt so is’.
Es wird schon keiner ‘was sagen.

Wir können nur hoffen, dass der Wind, der aktuell – nicht nur im Rahmen der Aufarbeitung der “glorreichen Ära” Wolfgang Schüssels – durch Wirtschaft und Politik weht, zu einem Orkan erwächst, der dazu beiträgt, den oben erwähnten Umdenkprozess einzuleiten. Nachhaltig und unausweichlich.

Veröffentlicht unter Politik & Soziales, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Sonntags bleibt nur der Anachronismus geöffnet

Sie ist wieder da, die periodisch wiederkehrende Diskussion rund um die Sonntagsöffnung der Geschäfte. Der Einzelhandel will zwar irgendwie schon aufsperren, weiß aber nicht so recht, ob ihm das auch tatsächlich was bringt. Die Konsumenten schweben ambivalent zwischen “praktisch wär’s ja”, “muss irgendwie nicht sein” und “Pfuidadeibl, ein Sakrileg!”. Irgendwo dazwischen mischt sich dann – eh klar – auch noch die Kirche ein. Was bleibt? Eine weiterhin offene Frage und schlußendlich viel Lärm um nichts.

Am Sonntag bleibt zu! Amen!

Am Sonntag bleibt die Hütte dicht! Amen!

Ich bin gar nicht sicher, wer heuer den Stein der Diskussion ins Rollen gebracht hat. Fest steht, dass wieder sommerlich beschwingt darüber diskutiert wird, ob ein Kaufmann sein Geschäft auch am scheinbar sakrosankten Sonntag für Kunden offen halten darf oder nicht.

Die zur Zeit geltende Rechtslage (Öffnungszeitengesetz 2003, novelliert 2008) schreibt vor, dass “Verkaufsstellen” (gem. Definition in der Gewerbeordnung) innerhalb einer Kalenderwoche die Gesamtoffenhaltezeit im Ausmaß von 72 Stunden nicht überschreiten dürfen, verteilt auf Montag bis Samstag mit jeweiligen Angaben der frühesten Öffnungs- und spätesten Schließzeit. Explizit verboten ist, am Sonntag die Kunden zu beglücken. Ausnahmegenehmigungen zu erteilen – wie könnte es auch anders sein (an dieser Stelle bitte ein gequältes Seufzen hinzudenken) – obliegt gem. §4a (1) dem jeweiligen Landeshäuptling, etwa für Bäckereibetriebe, Shops in schwerpunktmäßigen Tourismusgebieten, an für Pendler relevante Verkehrsstellen (zB. Bahnhöfe) oder zu so genannten “Einkaufsevents”.

Aus sachlicher Betrachtungsweise heraus sind diese mehr oder weniger strikten Regelungen natürlich vornehmlich kulturelles Erbgut und eine aus kirchlicher Tradition mitgeschleifte Gegebenheit, sie sollen heute aber auch nicht zuletzt einem geordneten Wettbewerb dienen. Es soll mitunter verhindert werden, dass ein Kapitalstarker und personell gut aufgestellter Konzern kleineren Mitbewerbern das Geschäft ruiniert, weil er sich im Gegensatz zum Kleinunternehmer leisten kann, auch am Sonntag sein Personal (bei höherem Lohn) in die Läden zu stellen. Ich persönlich habe an der These, dass aufgrund der Sonntgsöffnung die kleinen Kaufleute stürben, so meine Zweifel, alleine schon deshalb, weil es den sprichwörtlichen “Greissler” de facto bereits seit Jahren nur noch in Geschichtsbüchern gibt. Und wer abseits der größeren Ketten im Einzelhandel bis heute überlebt hat, der hat vermutlich auch mit der Sonn- und Feiertagsöffnung kein Problem.

Ruhe? Am Sonntag??

Der Sonntag als “Tag der Ruhe”, wo sich die Menschen besinnen und Zeit für die Familie nehmen sollen, ist auch ein stetig wiederkehrendes Argument. Fände ich gut! Allein mir fehlt der Glaube, wenn ich mir dann ansehe, was am Sonntag in vielen Haushalten so am Programm steht. Bei den einen ist es stundenlanges Formel 1- oder Fussball-Glotzen, bei anderen der Kirtags-/Feuerwehrfestbesuch, bei Einzelnen auch gerne mal Ausschlafen mit Kinderauslagerung zu den Großeltern. Nicht zu vergessen die über die hektischen Werktage angesammelten Haushaltsarbeiten, Gartentätigkeiten, Heimwerkereien und vieles mehr. Von einem Tag der Einkehr und Ruhe ist somit meist keine Rede.

Selbstverständlich räume ich gerne ein, dass es sichtlich Bedarf gibt, die Menschen ein wenig zur Ruhe zu “zwingen”, wenn sie für ihre 50h-Woche ausgeruht sein sollen, um der Volkswirtschaft auch mit ganzer Kraft dienlich zu sein. Diese verordnete Auszeit als “Arbeitnehmerschutz” zu bezeichnen grenzt allerdings an Hohn, ganz abgesehen davon, dass ohnehin jeder vierte Arbeitnehmer in Österreich bereits heute an Sonntagen aktiv ist (Gastronomie, Gesundheitswesen, öffentlicher Verkehr, etc.). In den meisten Dienstverhältnissen wird der Sonntag zwar durchaus entsprechend höher vergütet und mit “Ersatzruhe” ausgeglichen, ist aber ansonsten ein normaler Arbeitstag.

Fragen über Fragen

Die Frage ist und bleibt, wieso es unbedingt der Sonntag sein muss, an denen man ruht und sich “von der Arbeit erholt”. Wieso muss die Welt an einem bestimmten Tag stillstehen? Wieso darf ich am Sonntag nicht in den Supermarkt gehen, wenn sich überraschender Besuch ankündigt? Wieso muss ich begonnene Raparaturen im Haus abbrechen, weil ich mir keine passenden Materialien kaufen kann, die ich nicht im Vorfeld einkalkulieren konnte? Und – ohne mich des Neids verdächtig machen zu wollen – wieso dürfen das Menschen in “touristischen Zentren” hingegen sehr wohl?

Klar: Niemand MUSS am Sonntag Lebensmittel einkaufen, niemand MUSS am Sonntag Möbel shoppen und niemand MUSS am Sonntag in den Baumarkt, aber dass man all das auf gar keinen Fall KANN, finde ich eigentlich ein wenig schade. Ich persönlich brauche tatsächlich keine 24/7/365 geöffneten Konsumtempel oder Einkaufsstraßen. Ich stelle mir allerdings dennoch die Frage, ob ich bei entsprechendem Angebot nicht auch so manches Mal meine Besorgungen – und seien es nur Kleinigkeiten – an einem Sonntag erledigen würde, sollte dies meinen Planungen entgegenkommen.

Letzte Randnotiz, weil ich den Gedanken ganz originell finde: Bei angedachten Rauchverboten (etwa in der Gastronomie) erhebt sich stets der Volkszorn wegen der Regulierungswut – die strikt limitierten Ladenöffnungszeiten sind erstaunlicherweise im Gegensatz dazu völlig in Ordnung… Pardauz!

Veröffentlicht unter Politik & Soziales, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

HC Strache, unser nächster Kanzler?

Bei der Sonntagsfrage erreicht die FPÖ bereits seit Monaten wiederholt den 1. Platz. Tendenz steigend. HC Strache zieht alle populistischen Register, um dieses Ziel zu erreichen und die Regierungsparteien haben dem erwiesenermaßen nichts entgegenzusetzen. Da sei es doch erlaubt, sich eine Kanzlerschaft HC Straches mal kurz bildlich (und vielleicht ein ganz klein wenig satirisch) vorzustellen.

Der Wahlabend

HC Strache 2008

Bundeskanzler in spe HC Strache?

Der unangefochtene Wahlsieger mit mehr als 40 Prozent der Stimmen heißt FPÖ und der Freudentaumel ist entsprechend groß. Parteifüh…chef HC Strache lächelt in jede sich nur bietende Kamera und kündigt frohen Mutes an, niemanden bei den Koalitionsgesprächen auszuklammern. “Jeder, der bereit ist, seinen Weg weiterzugehen wie bisher, ist mir herzlich willkommen. Bei zwei davon ist es ja ohnehin seit Jahren mein Weg…”. Strache bestellt dann im weiteren Verlauf des Abends mehrmals drei Bier, stimmt in seiner Euphorie versehentlich anstelle der Bundeshymne das Horst Wessel-Lied an und geht anschließend in eine Wiener Großraumdisco, um sich im illustren Kreise seiner Kernwählerschicht hingebungsvoll zu besaufen.

Die Frontsoldaten der vor Urzeiten noch als “Großparteien” bezeichneten Verlierer SPÖ und ÖVP scheuen sich selbstverständlich wie gewohnt nicht, das historische Wahldebakel als nie dagewesenen Erfolg zu bezeichnen, schließlich halte man ja in drei Burgenländischen (bzw. Niederösterreichischen) und zwei Wiener (bzw. Tiroler) Bezirken immer noch die Absolute. Die Grünen unter Obfrau Eva Glawischnig bejubeln frenetisch ihre lediglich marginalen Verluste (Glawischnig: “Jawoll, die Forderung ’500m Rauchverbotsschutzzone rund um Wiener Schanigärten’ war sichtlich ein Burner!”) und das BZÖ räumt klammheimlich – und vielleicht ein bisschen beschämt – die Klubräumlichkeiten im Hohen Haus. Naja, immerhin ein kleiner Lichtblick.

Die Angelobung

Bundespräsident Heinz Fischer betritt mit todesbitterer Miene das Maria-Theresien-Zimmer der Präsidentschaftskanzlei, wo er bereits von der zukünftigen Regierungsmannschaft unter dem neuen Bundeskanzler HC Strache erwartet wird. Bester Laune strahlt der Paintball-Profi und Hobby-Rezensent Strache sein neues Team an: Außenminister wird der international anerkannte Diplomat und Nachwuchs-Guttenberg Johann “Joschi” Gudenus (“…Umvolkung muss verhindert werden”), Innenminister der erklärte Humanist und Menschenfreund Herbert Kickl (“Dahaam statt Islam”), das Frauenministerium übernimmt Übermutter Barbara Rosenkranz (“Der Feminismus ist ein Irrweg”), Staatssekretär für Integration wird – nona, part of the game – der Staatsbürgerschaftsvergabeexperte Uwe Scheuch, Kulturministerin die ausgemachte Religionsfachfrau Susi Winter (mutmaßlich Urheberin des Satzes „Wir sollten im Stadtpark ein Tierbordell errichten, damit die muslimischen Männer dorthin gehen können und sich nicht an den Mädchen im Stadtpark vergreifen”). Last but not least könnte ja noch – bei der FPÖ weiß man ja nie – “Ur-Buberl” Walter Meischberger im Finanzministerium landen – der weiß schließlich wie kein Anderer, wie man schnell, billig und ohne sich von Moral oder Ethik behindern lassen zu müssen zu Geld kommt. Vielleicht wird ja auch Zukunftsforscher HJ Jenewein (“Barbara Rosenkranz verkörpert das Bild einer modernen(!) österreichischen Frau mehr als jede andere.”) Staatssekretär für Gleichstellungsfragen. Den Rest kriegt ein ausgedünntes SPÖ-Team rund um diejenigen, die nach dem herben Stimmenverlust von der Mannschaft übrig geblieben sind und sich angesichts einer Regierungszusammenarbeit mit dieser FPÖ nicht in Agonie und/oder Vomitation winden.

An den Fernsehschirmen ergötzt sich die am Boden liegende Kleinpartei namens ÖVP zwar am finsteren Gesichtsausdruck des Heinz Fischer, sinnt aber insgeheim auf Rache, weil ihnen diese widerlichen Sozi mit ihren dreisten Winkelzügen in letzter Sekunde doch noch die Regierungsbeteiligung unter’m Gesäß weggerissen haben. Hätten damals beim Schüssel doch nicht so aufmerksam zuschauen müssen, die Roten.

Erste Maßnahmen

Sofort nach Amtantritt wird das im Regierungsübereinkommen zwischen FPÖ und SPÖ festgesetzte (und von der Kronen Zeitung abgenickte) Austrittsverfahren aus der Europäischen Union eingeleitet. Erst Jahre später, als sich die ersten FPÖ-”Experten” auch tatsächlich mal das Vertragskonvolut mit der EU durchschmökern und feststellen, dass das mit dem Austritt doch nicht so einfach geht, soll sich ein wenig Unmut breitmachen. Auch wurscht. Die Einstellung der Zahlungen der EU-Beiträge kann zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr zurückgenommen werden und die bis dahin anfallenden Zins-, Straf- und Pönalzahlungen retten praktischerweise Griechenland, Italien, Spanien und Portugal zusammen vor dem Bankrott. Österreich findet sich kurz darauf unter dem Euro-Schutzschirm wieder und verfolgt bang die niederschmetternde Meldungslage in internationalen Medien. Aus völlig unerfindlichen Gründen nimmt Strache seine Forderung nach Rückkehr zum Schilling vergleichsweise rasch zurück.

Auch das Minarettverbot wird selbstverständlich priorisiert umgesetzt. Mit Stolz verkündet die FPÖ den sofortigen Stopp aller Minarett-Neubauten. Auf die höchst investigative Frage von Armin Wolf nach der Anzahl der gestoppten Bauvorhaben muss Strache freilich wahrheitsgemäß mit “Na gar keine, aber das ist ja gar nicht der Punkt…” antworten.

Ein weiteres klares Ziel der neuen Bundesregierung wird ebenfalls prompt umgesetzt: Der totale Einwanderungsstopp. Vom Start weg ein Riesen-Erfolg! Zugegeben, der Entfall eines aufrecht erhaltenen Gesundheitssystems, des Pflegebereichs, der Reinigungsbranche und einer funktionierenden Gastronomie ist vielleicht ein wenig unangenehm, aber hey, das ist doch alles leicht erträglich, wenn man bedenkt, dass nur ganz wenige und unbedeutende Menschenrechte verletzt werden mussten, um die Leser der Kronen Zeitung sich wieder total sicher fühlen lassen zu können! Selbstverständlich haben die Arbeitssuchenden nach wie vor keine Beschäftigung und die Kriminalitätsstatistik verändert sich ebenfalls nicht signifikant, aber mit solchen Kleinigkeiten kann sich das neue Dream-Team der Bundesregierung auch später auseinandersetzen. Vielleicht. Zuerst müssen mal “die Ängste der Österreicherinnen und Österreicher” hingebungsvoll “ernst genommen werden”. Jawoll.

Was sonst noch so passiert

Kurz nach der Angelobung trifft Strache zum Amtsantritt auf seine “Kollegin” Angela Merkel. Nachdem er im Vorfeld kamerawirksam drollige Kalauer über die deutsche Kanzlerin in einer Wiener Disco zum Besten gab, ist diese – völlig überraschend – ein wenig verschnupft und lässt sich selbst von seinem amikalen “Du, Angie, das mit unserer Wiedervereinigung machen wir beide aber schon ein bissi g’scheiter als die damals mit Euren Kommunisterln im Osten, gell?” nicht versöhnen. Mit einem derben serbischen Fluch auf den Lippen verlässt Strache das Treffen und gießt sich in einer Berliner Großraumdisco mit ein paar deutschen Burschenschaftern gehörig einen hinter die Binsen.

Anlässlich eines Papstbesuchs freut sich Strache sehr, den heiligen Vater persönlich kennenlernen zu dürfen. Als er mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen gleich beim ersten gemeinsamen Mittagsmahl auf seine fröhlichen Bestrebungen hinweist, den Juden und Moslems das Leben “so richtig schön zur Hölle” machen zu wollen (“HC Man’s Mut gegen Türk’ und Jud’”), ist der Papst erstaunlich wenig von diesem Ansinnen angetan. Strache versucht den Eklat im letzten Moment zu verhindern, indem er behauptet, es habe sich doch nur um einen kleinen Scherz gehandelt, so quasi “zwischen gleichrangigen Führ..Oberhäuptlingen”. Aus unerfindlichen Gründen reist der Papst dennoch im selben Augenblick erbost ab. Am nächsten Tag wird das Konkordat mit Österreich vom Vatikan storniert.

Beim internationalen Anti-Atom-Gipfel nimmt Energie-Experte Strache artig die aktuelle Haltung seiner Partei ein. Nachdem er sicherheitshalber noch einmal bei Kronen Zeitung und Herbert Kickl nachfrägt, welcher ein Standpunkt momentan vertreten werden solle, tritt er mit aller Vehemenz gegen diese bösen Atomkraftwerke ein. Wenige Monate zuvor scheiterte die Regierung übrigens an der Errichtung eines Kernkraftwerks, da sich blöderweise wider Erwarten nicht einmal seine Kernwähler für einen kleinen Meiler in Simmering erwärmen ließen. Deppen.

Zum geplanten Zusammentreffen Straches mit US-Präsident Barack Obama kommt es gar nicht erst, nachdem Strache Obama beim ersten Sichtkontakt in gebrochenem Englisch frägt, wann denn der US-Präsident einzutreffen gedenke. Ein Schwarzer könne immerhin maximal der Chauffeur eines solch wichtigen und einflussreichen Mannes – also Amtskollegen – sein, lacht Strache in umstehende Kameras. Seltsamerweise reist auch Obama recht flott wieder aus Österreich aus.

Die folgenden internationalen Zusammenkünfte sind tendenziell rar gesät. Erstaunlicherweise finden sich auf den Einladungen an den österreichischen Bundeskanzler immer wieder irgendwelche “höchst bedauerliche” kleine “Irrtümer” hinsichtlich Veranstaltungsdatum oder -ort…

Naja, immerhin mit seinen Brüdern im Geiste aus Serbien kann Strache das eine oder andere Manifest gegen irgendwas erarbeiten.

Cum hac parte rem publicam non confio.

Wieviel Satire tatsächlich in diesem Beitrag steckt, vermag ich nicht zu prophezeien. Fest steht, dass SPÖVP zur Zeit klar auf dieses Ziel zusteuern und auch weiterhin kaum in der Lage sein werden, den scheinbar unaufhaltbaren Aufstieg des HC Strache zu verhindern.

Wohlan! Es erwartet uns eine strahlende Zukunft voller Menschlichkeit, Solidarität und erfolgreicher internationaler Zusammenarbeit!
Quasi.
Oder so.

Veröffentlicht unter Allgemeines | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Khan Academy: Maybe part of the Future of Education?

Das Team der Khan Academy

Salman Khan (li.) mit seinem Team der Khan Academy

Das Mission Statement der Khan Academy klingt auf den ersten Blick höchst salbungsvoll: “The Khan Academy is an organization on a mission. We’re a not-for-profit with the goal of changing education for the better by providing a free world-class education to anyone anywhere.” Aber auch bei näherer Betrachtung scheint das Portal, das der US-Amerikaner Salman Khan indirekt bereits 2004 ins Leben gerufen hat, einen möglicherweise nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten zu können, interessierten bzw. begabten Menschen, denen aus rein materiellen Gründen der Zugang zu Bildung erschwert wird, kostenlos wertvolles Wissen auf hohem fachlichen sowie pädagogischen Niveau zur Verfügung zu stellen.

Salman Khan, dessen Eltern selbst aus Indien bzw. Bangladesh stammen, also Regionen, in denen Qualifizierung und Bildung teils einem Luxusgut gleichkommen, legt sehr viel Wert darauf, mit seinem extrem kompakten Team ein selbständig lauf- und existenzfähiges Portal auf die Beine zu stellen, um auch in Zukunft Wissen kostenlos bereitstellen zu können, das Usern weltweit zur Verfügung steht.

Im Rahmen eines TED-Talks im März dieses Jahres stellte Khan sein Portal, seine Visionen und seine Ziele vor:

Dieses Zitat finde ich übrigens besonders originell:

“And so you can imagine, you know, here i was – an analyst at a hedge fund. It was very strange for me to do something of social value.”

Auszug aus Salman Khan’s TED-Profile:

In 2004, Salman Khan, a hedge fund analyst, began posting math tutorials on YouTube. Six years later, he has posted more than 2.000 tutorials, which are viewed nearly 100,000 times around the world each day.

Veröffentlicht unter Medien, Politik & Soziales, Science, Social Media, Tech | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hagen Rether: Großes Kabarett mit ohne Lachen

Hagen Rether

Hagen Rether

Kabarett ist, wenn man trotzdem lacht: Bei Hagen Rether bleibt dem Zuseher schon gerne mal das Lachen ganz, ganz tief im Halse stecken.

Den Großteil der Zeit schwebt man vielmehr zwischen Betroffenheit und “facepalming”. So auch in diesem Beitrag, den er kurz nach der medienwirksamen Tötung/Ermordung – so genau weiß man das ja außerhalb des Whitehouses nach wie vor nicht wirklich – des einstigen “Terrorpatens” Osama Bin Laden durch eine US-Spezialeinheit brachte.

Ja, für mich persönlich ist und bleibt Hagen Rether mit seinem unvergleichlichen Vortragsstil und seiner einzigartigen Mischung aus hochbitterem Ernst und wohlplatzierten Pointen einer der besten Politkabarettisten des deutschen Sprachraums.

Veröffentlicht unter Fun & Entertainment, Medien, Politik & Soziales | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Dual-Boot am iPhone

Ein Vergleich der gängigen Smartphone-Betriebssysteme ergab für mich ein überraschendes Ergebnis. Das viel gescholtene Windows Phone muss sich in meinem ganz subjektiven Ranking nur denkbar knapp dem iOS geschlagen geben. Ein sehr oberflächlicher, keineswegs umfassender, dafür jedoch umso subjektiverer Handy-Vergleichstest.

Smartphone-Quintett mit WirtschaftsBlatt investor App

Smartphone-Quintett mit WirtschaftsBlatt investor App

Die Entwicklung der WirtschaftsBlatt investor App, die von den Jungs der Tailored Media GmbH, auch bekannt unter “Tailored Apps” auf den gängigsten Smartphone-Plattformen umgesetzt wird und in den kommenden Wochen gelauncht wird, schreitet zügig voran und es gab in den vergangenen Tagen die ersten Release Candidates auf den diversen Betriebssystemen zur eingehenden Prüfung. Diese war zugleich auch meine erste Gelegenheit, tatsächlich alle relevanten Teilnehmer im Markt der Handy-OS im direkten Vergleich zu testen.

Die Probanden:

  • iOS 4.3 auf meinem iPhone 4
  • Android 2.6.32.9 auf Samsung GT-I9000 bzw. HTC Desire HD
  • Windows Phone 7 am Samsung Taylor
  • Symbian 3 am Nokia C7
  • BlackBerry 6 auf dem BlackBerry Torch

Eingangs sollte ich natürlich – quasi als Disclaimer – darlegen, dass ich nun schon seit geraumer Zeit iPhone-Nutzer bin und mit dem Ding auch – bis auf einige wenige Einschränkungen – in höchstem Maße zufrieden bin. Die Usablity lässt kaum Wünsche offen, es ist enorm intuitiv zu bedienen (mein heute 3-jähriger Sohnemann spielt seit einenhalb Jahren liebend gerne damit und ich musste ihm nicht ein einziges Mal zeigen, wie er die Tastensperre deaktiviert oder Apps startet), das Retina-Display ist derzeit völlig unschlagbar, die Verfügbarkeit von Apps gewaltig und die Zuverlässigkeit äußerst zufriedenstellend. Die Abstriche, etwa die fragwürdige iTunes-Zwangsbeglückung bis ins kleinste Detail, die teils unangenehm kurze Akkulaufzeit und ein paar mehr sind zwar zuweilen lästig, können aber den positiven Gesamteindruck nicht wesentlich einschränken.

Nun bekam ich also zum iPhone noch die anderen oben genannten Devices in die Hand und auf den allerersten Blick war das Ergebnis recht schnell klar: Das iPhone war das klar am weitesten fortgeschrittene Smartphone in dieser Auswahl. Dann kam lang nix, irgendwo dahinter rauften sich Android und Windows Phone um die Stockerlplätze, Blech ging an Blackberry und kurz danach folgte Symbian. Nach etwas intensiveren Testreihen mit den Dingern (zugegeben vornehmlich im Rahmen der zu testenden App selbst) begannen sich die Abstände merklich zu verschieben. Usability-Aspekte rückten in den Vorder-, andere in den Hintergrund und stets gepflegte, aber nie erwiesene Vorurteile gegenüber den einzelnen Plattformen erfuhren dringend nötige Korrekturen.

Erwähnen sollte ich der Vollständigkeit halber auch, dass meine Tests keine tief schürfenden Analysen der (Un)Tiefen der OS-Kernels umfassten, keinen Vergleich der PC-Konnektivität und auch keine Bewertung der jeweiligen App-Landschaften, sondern vielmehr die für den Löwenanteil der User viel relevanteren Bereiche Usability, Zugänglichkeit, gestalterische Aufmachung, insgesamt vielleicht am ehesten so etwas wie die “Sympathie”, die man einem Gerät zugestehen könnte, abbildeten.

Viele Überraschungen & wenige Enttäuschungen: Windows Phone 7

Am meisten überraschte mich – zugegebenermaßen – das Windows Phone. Nachdem ich bis dato immer nur kurze Momente mit einem Windows-basierten Device gehabt hatte, die nie ein klares Urteil zugelassen hatten, war dieses Mal endlich ausreichend, um ein klareres Bild zu erhalten. Windows Phone 7 ist wirklich ein attraktives OS und der ganze Umgang damit ist herrlich intuitiv, klar und aus meiner Sicht auch erfrischend innovativ. Ich nahm das Samsung Taylor in die Hand und musste nur in einigen wenigen Fällen länger nach irgendeiner Funktion suchen. In wenigen Sekunden hing das Ding im WLAN, die Deaktivierung des Displays war binnen weniger Augenblicke auf einen für die Tests sinnvollen Zeitraum gesetzt und so ging es munter weiter. Die Gestaltung mit teils sehr gewagten Screendesigns, der (im positiven Wortsinne) interessanten Typographie und der durchdachten Menüführung macht die Nutzung von Windows Phone 7 beinahe zu einem Vergnügen. OK, das Fehlen von Multitasking oder etwa einer Screenshot-Funktion sprechen nicht gerade für den Klassenprimus schlechthin, aber gänzlich ohne irgendwelche Einschränkungen wird man wohl bei keinem OS jemals davonkommen. Ebenfalls ein Wermutstropfen ist der Browser, der einfach kein so fesches Rendering zustande bringt, wie ich es vom iPhone und seinem Safari gewohnt bin.

Unter den Erwartungen: Android

Viel erwartet habe ich mich von Android, das bekanntlich nach Ansicht mancher Analysten bereits das führende Smartphone-OS (nach generiertem Datentraffic) sein soll. Nachdem man ja bekanntlich keinen Statistiken Glauben schenken sollte, die man nicht eigenhändig gefälscht hat, sei dies dahingestellt – meinen persönlichen Zugang zu einem Handy beeinflussen diese Aspekte ohnehin nur sehr dezent. Die Vorschusslorbeeren wurden jedenfalls recht schnell reduziert. Ich fühlte mich auch mit Android schnell vertraut und tat mir recht leicht, die einzelnen Funktionen zu finden und das Gerät zu bedienen, aber der Innovationsgeist, der Google in vielerlei Hinsicht umgibt, scheint bei Android nur auf Teilzeitbasis beteiligt zu sein. Viele OS-Bereiche wirken wie uninspiriert vom Mitbewerb kopiert, andere wiederum sind durchaus attraktiv und zugänglich. Insgesamt durchaus ein arbeits- und alltagsfähiges System, aber einen Umstieg vom iPhone würde ich aus diesen Erfahrungen heraus sicherlich nicht anstreben. Zudem muss ich eingestehen, dass die Hardware, auf der ich Android testete, alles andere als “wertig” wirkte. Das knarzende Kunststoffgehäuse und das teils widerspenstige Display des Samsung bzw. das unwesentlich attraktivere HTC Desire machten den ganzen Umgang eher weniger erfreulich.

Geht so: BlackBerry

Der BlackBerry Torch, dessen Vorgänger ich schon desöfteren in der Hand gehabt und niemals besonderes Interesse entwicket hatte, wirkte im Gegensatz zu den Android-Geräten von Samsung bzw. HTC immerhin deutlich hochwertiger und gab haptisch ein einigermaßen gutes Gefühl. Das OS macht einen sehr seriösen und durchdachten Eindruck, das dem Ruf des “Arbeitstiers” durchaus gerecht wird, der schier untrennbar mit RIM bzw. BlackBerry verbunden ist. Die ausziehbare Tastatur ist für meine persönlichen Bedürfnisse klar zu klein, dafür fand ich das Trackpad unterhalb des Touchscreens sehr gelungen. Von der Präzision und Funktionalität dieses Buttons war ich tatsächlich einigermaßen angetan. SO attraktiv das OS in seinen Menüs und der Benutzerführung gestaltet ist, so fürchterlich stellt sich der Browser dar. Auch wenn Viele der Meinung sind, der Browser würde zugunsten der Apps ohnehin drastisch an Bedeutung verlieren, so bleibt er meines Erachtens dennoch ein wesentliches Element eines Smartphones. Hier kann man also bei einem User wie mir viel Boden verschenken – was BlackBerry hingebungsvoll zelebriert…

Symbian: Nein danke!

Ja, und dann war da noch Symbian. Bereits in den ersten Minuten mit dem Nokia C7 entstand der Eindruck, Symbian versuche verkrampft, uralte Nokia-Tugenden aufrecht zu erhalten, um im selben Atemzug und im krassen Gegensatz dazu modernste Smartphone-Funktionalität einzuimpfen. Eine sehr seltsame Benutzerführung, ein umständlicher Menüaufbau, unattraktive Gestaltung und ein zudem suboptimaler Touchscreen machten den Umgang mit dem C7 nicht gerade zur Tortur, aber immerhin zuweilen zu einem Ärgernis – vor allem, wenn man unmittelbar daneben die oben genannten Geräte zum direkten Vergleich liegen hat. Wenig überraschend fand ich etwa, dass – wie bei sämtlichen Smartphones ohne physischem Keyboard – bei Bedarf eine Tastatur am Display angezeigt wird. Dass diese jedoch den Aufbau eines Handy-Tastenfeldes mit der typischen Mehrfachbelegung aufwies (zumindest in der Portrait-Haltung), fand ich dann doch eher amüsant. Selbstverständlich sind die allermeisten Schwierigkeiten, die ich mit dem System hatte, gewöhnungsbedürftig und relativieren sich möglicherweise dementsprechend mit der täglichen Handhabung, aber meines Erachtens sollte ein Betriebssystem nicht dem User eine langwierige Gewöhnungsphase abringen, sondern ganz im Gegenteil sollte sich der User vom ersten Moment an wohl fühlen und ohne Umschweife damit zurecht kommen. Nachdem Otto Durchschnittsendverbraucher zudem in aller Regel nicht sonderlich techaffin ist, muss ein Smartphone auch definitiv intuitiver und “logischer” in der Bedienung sein. In dieser Kategorie und einigen anderen Bereichen (der Browser etwa ist ein Graus!) scheitert Symbian meiner persönlichen Meinung nach spektakulär.

Ich beglückwünsche Nokia jedenfalls (erneut) zu der unerwarteten Weitsicht, künftig auf Windows Phone zu setzen.

Mein ganz persönliches Fazit

Wenn ich die vergangenen Tage Revue passieren lasse und noch einmal versuche, die stundenlangen Spielereien mit den verschiedenene Geräten gedanklich zu ordnen, ergibt sich ein klares Ergebnis:

  1. Apple iPhone
  2. Windows Phone 7
  3. Android
  4. BlackBerry
  5. Symbian

Auch wenn mich nun einige iAfficionados vermutlich zuerst an den Pranger stellen und in weiterer Folge unter die Guillotine legen wollen (oder umgekehrt): Ich persönlich hätte ja am liebsten ein iPhone mit Windows Phone 7 und Safari. Das Retina Display mit den hübschen Windows Menüs? Eine für mich extrem attraktive Vorstellung! Oder vielleicht doch lieber ein iOS mit Windows Phone 7-Theme…?

Das sag’ ich aber alles lieber nicht zu laut. Steve Jobs ist gesundheitlich ohnehin schon ausreichend bedient, da möchte ich nicht auch noch einen Herzinfarkt riskieren, den solche Häresien zweifelsfrei nach sich zögen…

Veröffentlicht unter Medien, Tech, Web | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar