Artikel-Schlagworte: „BZÖ“

Stefan Petzner: Outing als Stubenfliege

Samstag, 14. März 2009

Der stellvertretende Bündnisobmann des BZÖ und Abgeordnete zum Nationalrat Stefan Petzner wurde ausserhalb Kärntens bis dato nur durch tendentiell peinliche Umstände bekannt: Als Heulsuse, als Ursache für die Wahl von “Lebensmensch” zum Wort des Jahres 2008, als “Witwe” seines geliebten Jörg Haider, als Pin Up in bester Gay-Pose mit putziger Delfin-Tätowierung am Bauch und vor Allem als Urheber zahlloser Schwachsinnigkeiten, die er regelmäßig via Presseaussendung in die Welt posaunt.

Können diese Augen lügen? Stefan Petzner, BZÖ mit seinem berühmten 'Bambi kurz vorm Blattschuss'-Blick

Können diese Augen lügen? Stefan Petzner, BZÖ mit seinem berühmten 'Bambi kurz vorm Blattschuss'-Blick

Um auch nach seinen medienwirksamen Heulkrämpfen in Pressekonferenzen und Interviews angesichts des Ablebens seines politischen Ziehvaters, Vorbilds und Lov…Lebensmenschen Jörg Haider im Gespräch zu bleiben, ist er – ebenso wie viele andere Vertreter der heimischen Politik – ein begeisteter Versender von Pressemitteilungen. Ist gerade kein auch nur halbwegs wichtiges Thema zu Hand, das Krone-, Österreich- und Heute-Leser aktuell interessiert, dann wird auch gerne zum 1000. Mal die Verweigerung der Errichtung von mehrsprachigen Ortstafeln in Kärnten wiedergekäut und in die Welt hinausposaunt.

Heute Nachmittag demonstrierte Petzner, der sich nach wie vor aufgrund seiner Funktion als Wahlkampfleiter für den Vater des Kärntner BZÖ-Wahlerfolgs hält (Zitat News-Interview: “”Es wird immer schwieriger für mich. Falco war nach seinem ersten Nummer-eins-Hit verzweifelt, wie er den Erfolg toppen könnte. So geht es mir jetzt auch. Ich kann mich nicht ständig selbst übertreffen…”) wieder einmal, wie weit er von seriöser Politik entfernt ist und wo sein geistiger Horizont anzusiedeln ist.

Es ging um die Cause Mensdorff-Pouilly und eine Krisensitzung im Innenministerium zu ebendiesem Thema. Die OTS im Wortlaut:

Causa Mensdorff: Krisensitzung im ÖVP-Innenministerium
Utl.: BZÖ-Petzner amüsiert – “Weitere Krisensitzungen werden folgen,
weil immer mehr ans Tageslicht kommen wird. Dafür werde ich
sorgen!”

Wien (OTS) – Amüsiert über eine Krisensitzung des
ÖVP-Innenministeriums, die in den heutigen Morgenstunden
stattgefunden hat und den Umgang des Innenministeriums mit der Causa
Mensdorff-Pouilly und die Verwicklung von führenden Beamten und
Mitarbeitern des BMI in die Causa zum Inhalt hatte, zeigt sich
BZÖ-Abgeordneter Stefan Petzner.

“Weitere Krisensitzungen werden folgen, weil immer mehr ans
Tageslicht kommen wird. Dafür werde ich sorgen”, sagt Petzner, der
gleich einer Fliege an der Wand des Büros von Fekter, immer über
alles informiert ist, was gerade im BMI gerade vonstatten geht.

Heiß, heißer, Polit-PinUp-Petzner

Heiß, heißer, Polit-PinUp-Petzner

Der letzte Absatz, der abgesehen vom doppelten “gerade” und der seltsam anmutender Fantasy-Prosa auch inhaltlich mehr als fragwürdig ist, verbreitete sich natürlich innerhalb kürzester Zeit via Twitter (ich wasche meine Hände selbstverständlich in Unschuld) und Facebook (dito) im Web.

Keine 60 Minuten nach Veröffentlichung dieses Stumpfsinns gab es dann auch schon die ersten Blogeinträge (beispielsweise jenen hier) mit Hinweisen auf die nahe Verwandtschaft zwischen Stefan Petzner zur Musca domestica oder auch zur Familie der Calliphoridae.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Verbreitung einer Pressemitteilung über OTS (Originaltext-Service der APA) – auch für politische Parteien – durchaus kostenpflichtig ist und es darf getrost angenommen werden, dass die Rechnungen hierfür nicht aus Petzners Privattasche beglichen werden. Ergo trägt der Steuerzahler über die Parteienförderung seinen Obolus dazu bei, dass sich diese Anfälle von Polit-Logorrhoe im Netz einfinden.

Ich werde versuchen, in Zukunft immer wieder ein paar der lesenswerteren Bonmots der drolligsten Presseaussendungen zusammenzutragen. Stay tuned – oft lohnt es sich tatsächlich, einen kleinen Blick auf diese Elaborate heimischer Polit-Brachialrhetorik zu werfen…

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Kärnten-Wahl: BZÖ 45 Prozent, Grüne bangen um Einzug

Montag, 2. März 2009

Ergebnisse der Kärntner Landtagswahl (APA/ORF)

Ergebnisse der Kärntner Landtagswahl (APA/ORF)

Die Kärntner und Salzburger haben vergangenen Sonntag ihren neuen Landtag gewählt. Die Ergebnisse – vor Allem in Kärnten – sind aus meiner Sicht niederschmetternd: Das BZÖ, die Partei der Totenkultisten, die den heiligen Jörg Haider verehren, erreichte mit 45,5 Prozent der Wählerstimmen ein Rekordergebnis, das Seinesgleichen sucht – und außerhalb Kärntens auch nirgendwo finden wird.

Selbst die pessimistischeren Beobachter haben nicht mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Die Strahlkraft des zum Regionalheiligen hochstilisierten Jörg Haider hat funktioniert, sein glanzvolles(?!) Erbe soll weitergeführt werden.

Erschüttenderweise ist die Ursache für diesen Erfolg jedoch nicht nur der Haider-Effekt, sondern auch das gänzliche Fehlen von Persönlichkeiten an den Fronten der BZÖ-Mitbewerber im Ländle. Allein die SPÖ verlor mangels tauglicher Parteispitze mehr als 22.000 Stimmen an die Orangen. Die Grünen, die derzeit mit 4,99 Prozent um den Einzug ins Kärntner Landesparlament bangen, müssen gar auf die Auszählung der Wahlkarten warten und – wie leider so oft in den vergangenen Jahren – das Prinzip Hoffnung hochhalten.

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BZÖ: Trauer um Haider als makabre Marketingstrategie?

Donnerstag, 26. Februar 2009

Ein Lichtermeer für Jörg Haider (Photo: Georg Holzer)

Ein Lichtermeer für Jörg Haider (Photo: Georg Holzer)

Es ist wirklich erschreckend, wie eine politische Partei, die immerhin im höchsten legislativen Gremium der Republik vertreten ist, die Menschen an der Nase herumzuführen versucht. Auch wenn viele Menschen – von Haiders jahrzehntelanger populistischen Machenschaften geblendet – tatsächlich so etwas wie einen Verlust empfinden, so wird doch immer wieder den Anschein zu erwecken versucht, die ganze Nation (also Kärnten) befände sich im Zustand der tiefen Trauer.

Angefangen mit dem Staatsbegräbnis und den gebetsmühlenartig heruntergebeteten Vergleichen mit Lady Di – die meines Erachtens nicht einmal an Rapunzels Haaren herbeiziehbar sind – über die Verwendung des Namens in der offiziellen Bezeichnung der Wahlliste bis hin zu den weitreichenden conspiracy theories im Web, zeigt sich auf erschreckende Weise, wie eiskalt (und ganz offensichtlich verzweifelt) das BZÖ mit dem Vermächtnis ihres so sehr verehrten Parteiführ…chefs umgeht.

Den jüngsten Exzess, was die Vermarktung des Namens Jörg Haider betrifft, fand vor wenigen Stunden vor den Toren der Kärntner Landesregierung statt: Ein Rudel BZÖ-Wahlwerber – pardon – Trauernder fand sich ein, um ein Lichtermeer (das sich schlussendlich vielmehr als Teich herausstellen sollte, siehe Bild, danke » Georg Holzer) für den Verblichenen zu entzünden, um der ganzen Welt zu zeigen, wie sehr “ganz Kärnten” seinen Jörg vermisst.

Die zeitliche Nähe zur am Sonntag stattfindenden Wahl ist hierbei natürlich kein entscheidender Faktor, schließlich begeht man ja am heutigen Tag eine Reihe von Anlässen:

  • Kreisrunde 138 Tage sind seit dem Unfall vergangen
  • Jörg Haider hätte exakt heute (vor einem Monat, versteht sich) seinen – ebenso runden – 59. Geburtstag gefeiert (vielleicht mit einer Handvoll Flaschen, die einen aus seiner Partei, die anderen gefüllt mit erlesenen Alkoholika?)
  • im Februar 2000 trat er nach als Chef der FPÖ zurück
  • im Februar 2002 kam der Sager „Wenn einer schon Adamovich (Anm.: damaliger Präsident des Verfassungsgerichtshofes) heißt, muss man zuerst einmal fragen, ob er überhaupt eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat.“
  • Spekulieren kann man natürlich auch darüber, ob die unsäglich schlecht gesungenen und über das renommierte Vertriebssystem “Home Shopping” verschleuderten Heimatlieder-CDs einen Verkaufsrekord erzielt haben…

Jörg Haider, seine Buberln und sein seltsames Bündnis von “rechts-außen-Grenzgängern” genießen bei mir persönlich ebenso wenig Respekt wie Mitleid, aber wie tief Menschen sinken, wenn es um ein bißchen Macht und Wählerstimmen geht, ist gleichermassen widerlich wie erschreckend.

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Umdenken beim Kärntner BZÖ?

Mittwoch, 11. Februar 2009

Auf dem nagelneuen Plakat des BZÖ in Kärnten ist kein einziges Mal der Name “Jörg Haider” zu lesen. Ein erstaunlicher und einigermaßen unerwarteter Sinneswandel für eine “Partei” wie die orangen Zukunftsbündnisbrüder. Ob das mal gut gehen wird…

Anstelle dessen duzt man das Wählervolk, verspricht auf dessen Kärnten aufzupassen und untermalt das Ganze jovial mit den drei Vornamen der stumpfen Bündnisspitze. Grundsätzlich ein gelungenes Sujet. Dennoch hat sich in Rekordtempo ein ambitionierter Korrektor auf die Beine gemacht, ein paar notwendige Richtigstellungen auf den Plakaten vorzunehmen.

BZÖ Kärnten - Das Originalplakat

BZÖ Kärnten - korrigierte Fassung

Insider vermuten dennoch, dass die Jungs vom “BZÖ – Die tapf’ren Freiheitlichen Haiderleins in Kärnten” – oder wie auch immer sich das Bündnis in Zukunft nennen wird – ihre eigene Version affichieren werden…

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