Latein Zitate

NOX-QUOTES | Latein Zitate, Sprüche und Aphorismen mitsamt Übersetzungen, Hintergründen und Zusatzinfos

(A) Dis iratis natus.

Unter dem Zorn der Götter geboren

Die Redewendung beschreibt einen extrem vom Pech verfolgten, unglücklichen oder vom Schicksal geschlagenen Menschen. Sie entspricht im Deutschen der Metapher vom „Unglücksraben“ oder jemandem, der „unter keinem guten Stern geboren“ ist.

Hintergrund: Das Zitat stammt aus Senecas politischer Satire Apocolocyntosis, die er nach dem Tod des römischen Kaisers Claudius (54 n. Chr.) verfasste, um dessen Regierungszeit und versuchte Vergöttlichung bitter zu verspotten. Seneca, der unter Claudius verbannt worden war, nutzt die Wendung, um den verstorbenen Kaiser im Rat der Götter als missratene, von Natur aus missgünstig behandelte Kreatur darzustellen. Der Ausdruck greift die tief in der römischen Antike verwurzelte Vorstellung auf, dass das persönliche Lebensglück direkt von der Gunst (pax deorum) oder dem Zorn der Götter im Moment der Geburt abhängt.
Anmerkung: Die Redewendung war im antiken Rom ein geläufiges Sprichwort, weshalb sie fast zeitgleich bei Seneca und im Petronius zugeschriebenen Satyricon (im Mund der einfachen Figur Plocamus) auftaucht. In antiken Handschriften variiert zudem die Schreibweise des Dativs Plural zwischen dis und diis.
Herkunft: Apocolocyntosis 11, 3 (über Kaiser Claudius: „…homo diis iratis natus…“). Zudem findet sich die grammatikalische Variante „diis iratis natus est“ bei Petronius, Satyricon 74

(Etsi enim) suus cuique modus est.

(Denn wenn auch) jeder sein eigenes Maß hat.

Die Phrase drückt aus, dass jeder Mensch individuelle Grenzen, Kapazitäten oder ein ganz eigenes Maß für Dinge (wie Leistungsfähigkeit, Trauer oder Genuss) besitzt, das respektiert werden soll/muss.

Hintergrund: Plinius der Jüngere, ein römischer Senator und Anwalt des späten 1. und frühen 2. Jahrhunderts n. Chr., verfasste kunstvolle Briefe, die ein detailliertes Bild der römischen Oberschicht zeichnen. In diesem spezifischen Brief an seinen Freund Macrinus berichtet er tief betroffen vom Tod der Ehefrau eines gemeinsamen Bekannten und reflektiert über die angemessene Schwere der Trauer. Der Satz steht im Kontext der stoisch beeinflussten Philosophie der Römischen Kaiserzeit, in der das Finden des „rechten Maßes“ (modus) in allen Lebenslagen ein zentrales moralisches Ziel darstellte.
Anmerkung: Ohne die einleitende Konjunktion (etsi enim) wird die verallgemeinerte Kernsentenz „Suus cuique modus est“ („Jeder hat sein eigenes Maß“) häufig als eigenständiges, humanistisches Sprichwort zitiert.
Herkunft: Buch 8, Brief 5, Abschnitt 4 („Etsi enim suus cuique modus est, tamen…“)

(Sancte pater,) Sic transit gloria mundi.

(Heiliger Vater,) so vergeht der Ruhm der Welt.

Der Satz ist eine Mahnung an die Vergänglichkeit allen irdischen Ruhms, aller Macht und Pracht. Er ruft zur Demut auf, da kein weltlicher Erfolg und keine menschliche Größe von Dauer sind.

Hintergrund: Die Formel wurde seit dem Spätmittelalter (nachweisbar ab 1409 bei der Wahl von Papst Alexander V.) bei der Amtseinführung eines neuen Papstes gesprochen. Ein Zeremonienmeister verbrannte dabei dreimal eine Handvoll Werg (Flachs) vor dem Pontifex und rief die Worte aus, um das Kirchenoberhaupt im Moment des höchsten Triumphs an seine eigene Sterblichkeit und die Flüchtigkeit weltlicher Macht zu erinnern. Das Ritual wurzelt in der mittelalterlichen Vanitas-Motivik, die den Kontrast zwischen göttlicher Ewigkeit und menschlicher Vergänglichkeit betont.
Anmerkung: Die genaue rituelle Formel mit dem Zusatz „Sancte pater“ hat keinen einzelnen antiken oder biblischen Autor, sondern entstand im kirchenlateinischen Zeremoniell. Sie greift biblische Gedanken auf (z. B. 1. Joh 2,17: „Und die Welt vergeht mit ihrer Lust“). Mit dem Verzicht auf die traditionelle Papstkrönung durch Johannes Paul II. im Jahr 1978 wurde auch dieses Ritual ausgesetzt.
Herkunft: Der Satz ist traditionell Teil des Krönungsrituals (später Amtseinführungsrituals) des Papstes. Literarisch eng verwandt ist Thomas von Kempen, De imitatione Christi (ca. 1418), Buch 1, Kapitel 3, 6: „O quam cito transit gloria mundi“ (Oh, wie schnell vergeht der Ruhm der Welt).

(Ut) sciant gentes, quoniam homines sunt.

Die Völker mögen wissen, dass sie Menschen sind.

A posteriori

Vom Späteren her.

Eine Erkenntnis, ein Urteil oder eine Wahrscheinlichkeit beruhen auf der Auswertung von Erfahrungen, Beobachtungen oder empirischen Daten.

A priori

Vom Früheren her.

Beschreibt ein Urteil oder eine Annahme, die ohne vorherige Prüfung oder Erfahrung getroffen wird.

Ab Iove principium.

Von Iuppiter der Anfang.

Gott ist der Anfang

Ab ovo

Vom Ei (der Leda) an.

Von Anfang an

Hintergrund: Horaz lobt damit die Kunst Homers die Erzählung des Trojanischen Krieges mitten im Geschehen beginnen zu lassen und nicht bei Helena, deretwegen der Krieg begonnen worden war.

Ab ovo usque ad mala

Vom Ei bis zu den Äpfeln

Von Anfang bis Ende. Was gemeint sein kann: (positiv) Jemand, der eine vorgetragene Sache gut durchdacht hat oder (negativ) Schwätzer

Hintergrund: Bei der Speisenfolge im alten Rom stand das Ei am Anfang eines Gastmahles und die Äpfel bildeten den Abschluss.

Ab urbe condita.

Von der Gründung der Stadt (Rom im Jahre 753 v.Chr.) an.

Absentem laedit, cum ebrio qui litigat.

Einen Abwesenden verletzt, wer mit einem Betrunkenen hadert.

Abusus non tollit usum.

Missbrauch hebt den (ordnungsgemäßen) Gebrauch nicht auf.

Der juristische (und philosophische) Grundsatz besagt, dass die fehlerhafte oder missbräuchliche Verwendung einer Sache, eines Rechts oder eines Instruments kein Argument gegen dessen prinzipielle Nützlichkeit, Richtigkeit oder Beibehaltung darstellt.

Hintergrund: Obwohl die zugrundeliegende Logik bereits in der antiken Philosophie und Rhetorik (etwa bei Aristoteles oder Cicero) zur Abwehr von Fehlschlüssen genutzt wurde, erlangte die präzise Formel im Zuge der Wiederentdeckung des römischen Rechts im Hochmittelalter an den Universitäten von Bologna und Paris systematische Bedeutung. Die Gelehrten benötigten eine klare methodische Richtlinie, um Gesetze, kirchliche Dogmen oder Instrumente des täglichen Lebens gegen das Argument zu verteidigen, sie seien aufgrund menschlichen Fehlverhaltens korrumpiert worden. Der Grundsatz half dabei, die prinzipielle Legitimität von Institutionen und Rechten von der Verfehlung des Einzelnen begrifflich zu trennen.
Anmerkung: Der Spruch ist in dieser prägnanten Form in den klassischen antiken Quellen des römischen Rechts (wie dem Corpus Iuris Civilis) textlich nicht direkt nachweisbar. Er bildete sich als Rechtsregel (Regula Iuris) und philosophisches Axiom in der mittelalterlichen Scholastik und im kanonischen Recht heraus, basierend auf antiken Argumentationsmustern. Eine häufige, erweiterte Variante des Satzes lautet: „Abusus non tollit usum, sed confirmat“ (Missbrauch hebt den Gebrauch nicht auf, sondern bestätigt ihn) oder „Ex abusu non arguitur ad usum“ (Aus dem Missbrauch lässt sich nicht gegen den Gebrauch argumentieren). Da kein einzelner antiker Autor als Urheber festgemacht werden kann, gilt das Zitat als klassischer Rechtssatz des Gemeinen Rechts
Herkunft: Römischer Rechtsspruch

Acta agere.

Leeres Stroh dreschen.

Ad absurdum

Zum Sinnlosen (führen)

eine Behauptung dadurch widerlegen, indem man eine Sache mit Logik weiterführt bis zum Sinnlosen

Ad acta.

zu den Akten

Etwas als erledigt ansehen

Herkunft: Amtssprache

Ad arma.

Zu den Waffen

Ans Werk!

Anmerkung: aus der italienischen Entsprechung all'armi entstand das Wort Alarm.

Ad hoc.

hierfür, dazu

Zu diesem Zweck bestimmt.

Anmerkung: wird im Deutschen vor allem zeitbezogen verwendet: "Ad hoc (=jetzt auf die Schnelle) fällt mir nichts ein."

Ad infinitum.

Bis ins Unendliche.

Ad Kalendas Graecas (soluturi).

An den griechischen Kalenden (werden sie bezahlen).

auf den St.Nimmerleinstag verschieben

Anmerkung: Die Kalenden waren der übliche Zahlungstermin im alten Rom; der griechische Kalender kennt hingegen keine Kalenden.

Ad latus.

Zur Seite.

veraltete und scherzhafte Bezeichnung für einen untergeordneten Gehilfen

Ad libitum.

Nach Belieben. (Abk. ad.lib., ad.l., a.l.)

vor allem in der Musik in Bezug auf Tempo- bzw. Instrumentenwahl

Ad maiorem Dei gloriam.

Zur höheren Ehre Gottes; Zum grösseren Ruhme Gottes

Hintergrund: Motto des Trienter Konzils 1542-1560

Ad multos (annos).

Auf viele (Jahre).

Glückwunschformel für Jubiläen

Ad oculos.

vor Augen

augenfällig; etwas anschaulich darlegen

Ad usum proprium.

Zum eigenen Gebrauch.

Adhuc stat.

Noch steht er.

Hintergrund: Wahlspruch von Friedrich III. dem Schönen

Adora quod incendisti, incende quod adorasti!

Bete an, was du verbrannt hast; verbrenne, was du angebetet hast!

Hintergrund: Ausspruch bei der Taufe Chlodwigs 496 n.Chr.
Anmerkung: Überliefert von Gregor von Tours

Adveniat.

Er komme.

Name eines katholischen Hilfswerks

Hintergrund: Vorweihnachtliche Spendensammlung deutscher Katholiken zugunsten der religiösen Betreuung Lateinamerikas.

Advocatus Dei.

Anwalt Gottes.

Vertreter der für eine Seligsprechung sprechenden Position.

Hintergrund: Der Advocatus Dei legte bei Seligsprechungsprozessen der katholischen Kirche jene Gründe vor, die für eine Seligsprechung sprachen.

Advocatus diaboli.

Anwalt des Teufels.

Jemand, der die Gegenpartei vertritt, ohne ihr anzugehören.

Hintergrund: Ursprünglich Bezeichnung für den promotor fidei, der bei Seligsprechungsprozessen der katholischen Kirche alle Einwände gegen eine Seligsprechung vorzubringen hatte.

Aequalem uxorem ducere.

Man soll nicht über und nicht unter seinem Stande heiraten.

Afflavit deus et dissipati sunt.

Gott der Allmächtige blies, und die Armada flog nach allen Winden.

Herkunft: Die unüberwindliche Flotte

Agnus Dei.

Lamm Gottes.

Alea iacta est.

Der Würfel ist gefallen.

Anmerkung: Die Aussage beinhaltet nicht eine Entscheidung Caesars, sondern nur die Erkenntnis, dass eine Entscheidung gefallen ist, die man aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht kennt. Dies kommt daher, dass der Würfel in einem Würfelbecher gefallen ist, der Becher jedoch noch nicht hochgehoben wurde.

Alias.

Anders; sonst

mit anderem Namen

Alibi.

Anderswo.

Nachweis eines Verdächtigen, sich zur Tatzeit anderswo aufgehalten zu haben

Weitere Bedeutung: Rechtfertigung überhaupt

Aliis si licet, tibi non licet.

Wenn es anderen erlaubt ist, so ist es dir nicht erlaubt.

Alma Mater.

Nährende Mutter. (Im Sinne der Spenderin von Bildung und Wissen)

Hochschule, Universität

Alter alterius auxilio eget.

Der eine bedarf der Unterstützung durch den anderen.

Alter ego

Das andere Ich.

Besonders enger Vertrauter oder geistiger Doppelgänger.

Anmerkung: Cicero prägte den Ausdruck "tamquam alter idem" (sinngemäß übersetzt: „Ein wahrer Freund ist wie ein zweites Ich“) um 44 v. Chr. Er bezog sich dabei ausdrücklich auf einen Ausspruch des griechischen Philosophen Zeno von Kition. Vgl. "Alter ego"

Alter idem

Das andere Dasselbe.

Besonders enger Vertrauter oder geistiger Doppelgänger.

Anmerkung: vgl. "Alter ego"

Altum silentium.

Tiefes Schweigen.

Ama et fac quod vis!

Liebe und tu, was du willst!

Amantes amentes.

Liebende (sind) Verrückte.

Ein Wortspiel, das die lautliche Ähnlichkeit von amantes (Liebende) und amentes (Verrückte/Verstandlose) nutzt, um auszudrücken, dass Verliebte ihren klaren Verstand verlieren und irrational handeln.

Anmerkung: Im Original lautet die Passage: „…inceptio est amentium, haud amantium.“ (Das ist ein Beginnen von Verrückten, nicht von Liebenden.) Daraus formte sich in der späten Latinität und im Humanismus die sprichwörtliche Alliteration „Amantes – amentes“.

Amantis iusiurandum poenam non habet.

Für den Eid des Liebenden gibt es keine Strafe.

Liebesschwüre darf man nicht gar zu ernst nehmen.

Amantium irae amoris integratio.

Der Liebenden Streitereien sind die Erneuerung der Liebe.

Amare et sapere vix deo conceditur.

Lieben und vernünftig sein, das wird kaum einem Gott zugestanden.

Amici fures temporum.

Mit Freunden verliert man viel Zeit.

Amicitia est idem velle et idem nolle.

Direkte Übersetzung: Freundschaft ist, dasselbe zu wollen und dasselbe nicht zu wollen.

Der Satz definiert wahre Freundschaft als eine tiefe Harmonie und vollkommene Übereinstimmung in den Grundwerten, Überzeugungen, Zielen und Abneigungen zweier Menschen.

Hintergrund: Sallust legt diese Worte in den Mund des Putschisten Lucius Sergius Catilina, der im Jahr 63 v. Chr. versucht, durch eine Verschwörung die Macht im von Krisen geschüttelten Rom an sich zu reißen. In einer flammenden Rede beschwört Catilina die bedingungslose Loyalität und den gemeinsamen Willen seiner Mitverschwörer, um sie enger an sich und sein politisches Vorhaben zu binden. Die Sentenz pervertiert somit ein traditionell philosophisch-ethisches Ideal der Freundschaft, indem sie im Kontext des Werkes zur Rechtfertigung eines kriminellen, staatsfeindlichen Bundes zweckentfremdet wird.
Anmerkung: Der zugrundeliegende Gedanke geht auf ältere griechische Philosophen wie Aristoteles zurück und wurde in der römischen Literatur auch von Cicero (De amicitia) aufgegriffen, erlangte jedoch durch Sallusts prägnante Formulierung seine bekannteste lateinische Gestalt.
Herkunft: Kapitel 20, Abschnitt 4

Amicitia nisi inter bonos esse non potest.

Freundschaft kann nur unter guten Menschen existieren.

Der Satz bringt zum Ausdruck, dass eine echte, dauerhafte und tugendhafte Freundschaft zwingend moralische Integrität und Charakterstärke (bonitas) von beiden Seiten voraussetzt. Schlechte oder eigennützige Menschen sind demnach unfähig zu wahrer Freundschaft, da ihre Beziehungen nur auf Nutzen oder Lust basieren.

Hintergrund: Cicero verfasste den philosophischen Dialog im Jahr 44 v. Chr., kurz nach der Ermordung Julius Caesars und inmitten des drohenden Zusammenbruchs der Römischen Republik. In einer Zeit, in der politische Allianzen brüchig waren und Verrat den Alltag bestimmte, flüchtete sich Cicero in die Philosophie, um die traditionellen römischen Werte neu zu begründen. Das Werk ist als fiktives Gespräch im Jahr 129 v. Chr. angesetzt und hält der damaligen von Eigennutz zerfressenen Elite das Ideal einer moralisch fundierten Verbundenheit vor Augen.
Anmerkung: „Sentio nisi in bonis amicitiam esse non posse…“ (Ich bin der Ansicht, dass Freundschaft nur unter guten Menschen existieren kann…). Im weiteren Verlauf des Werkes wird der Begriff des „Guten“ nicht idealisiert-philosophisch, sondern pragmatisch auf Menschen angewendet, die sich im Alltag durch Treue, Integrität und Billigkeit auszeichnen. Die Sentenz wird im Lateinunterricht und in der Philosophiegeschichte oft als Kernzitat der antiken Freundschaftsethik angeführt.
Herkunft: Kapitel 5, Abschnitt 18

Amicitia vincit horas.

Freundschaft überwindet die Zeit.

Amicum perdere est damnum acerbum.

Einen Freund zu verlieren, ist ein bitterer Verlust.

Der Satz bringt den tiefen, schmerzhaften Kummer zum Ausdruck, den der Verlust eines treuen Gefährten – sei es durch Tod oder durch das Zerbrechen der Beziehung – für den Menschen bedeutet, und stellt diesen Verlust über rein materiellen Schaden.

Hintergrund: Publilius Syrus lebte im 1. Jahrhundert v. Chr. und kam als syrischer Sklave nach Rom, wo er durch seinen Witz und seine Improvisationskunst als Mimenautor große Berühmtheit erlangte und schließlich von Julius Caesar freigelassen wurde. Seine Sentenzen entstanden in einer von blutigen Bürgerkriegen und politischer Instabilität geprägten Zeit, in der zwischenmenschliche Loyalität und verlässliche Freundschaften für das Überleben im privaten wie öffentlichen Leben existentiell waren. Die prägnanten Lebensweisheiten des Publilius spiegeln die stoisch beeinflusste Alltagsmoral der späten Römischen Republik wider und wurden aufgrund ihres moralischen Wertes jahrhundertelang als Lehrmaterial an römischen Schulen genutzt.
Anmerkung: Die Einzeiler der Sententiae wurden im Laufe des Mittelalters und der Neuzeit vielfach kopiert, anthologisiert und teilweise sprachlich leicht geglättet, wodurch auch dieser Spruch zu einer universellen Redewendung des europäischen Bildungskanons wurde.

Amicus certus in re incerta cernitur.

Den sicheren Freund erkennt man in der Not.

Hintergrund: Das Zitat von Quintus Ennius wurde von Cicero in dessen Werk "Laelius de amicitia" ("Über die Freundschaft") zitiert und erlangte dadurch Berühmtheit.

Amicus est alter ego.

Ein Freund ein anderes Ich.

Amicus fidus rarus est.

Der treue Freund ist selten.

Amicus optima vitae possessio.

Ein Freund ist der beste Besitz des Lebens.

Hintergrund: Wahlspruch von Albrecht V. von Habsburg

Amor et melle et felle est fecundissimus.

Die Liebe ist überaus reich sowohl an Honig als auch an Galle.

Das Zitat beschreibt die Dualität der Liebe, die sowohl süße Freuden (Honig) als auch bittere Leiden (Galle) in großem Übermaß bereithält.

Hintergrund: Plautus war einer der frühesten und populärsten Komödiendichter des antiken Roms an der Wende vom 3. zum 2. Jahrhundert v. Chr. In seinen Stücken, die oft auf griechischen Vorlagen basierten, spiegelte sich das pralle, alltägliche Leben wider, wobei Liebesbeziehungen und deren emotionale Wirrungen ein zentrales Motiv darstellten. Die hier geäußerte Lebensweisheit wird im Stück von einer Figur namens Gymnasium ausgesprochen, die über die wechselhaften und schmerzhaften Seiten der Liebe klagt.
Anmerkung: Gelegentlich wird der Vers in Anthologien leicht verkürzt oder modifiziert zitiert, der Kern mit dem kontrastierenden Wortspiel von mel (Honig) und fel (Galle) bleibt jedoch stets gleich.
Herkunft: Akt I, Szene 1, Vers 69 (V. 69–70)

Amor tollit timorem.

Die Liebe nimmt die Furcht hinweg.

Amor vincit omnia.

Die Liebe besiegt alles.

Der unerschütterlichen Glaube an die absolute Macht der Liebe, die über alle irdischen Hindernisse, Widrigkeiten, Feindschaften und Probleme triumphiert.

Hintergrund: Das Werk entstand um 38 v. Chr. in einer von verheerenden Bürgerkriegen geprägten Umbruchsphase am Ende der Römischen Republik. In der zehnten Ekloge tröstet Vergil seinen Dichterfreund Gaius Cornelius Gallus, der unter unglücklicher Liebe leidet, indem er dessen Schmerz in eine idyllische Hirtenwelt verlagert. Der Ausspruch markiert die schmerzliche Erkenntnis, dass sich die leidenschaftliche Liebe weder durch die Vernunft noch durch die heilende Natur des Hirtenlebens bezwingen lässt.
Anmerkung: Das Zitat ist in der Form „Omnia vincit amor“ weltberühmt; die Umstellung zu „Amor vincit omnia“ wurde vor allem durch das gleichnamige Barockgemälde von Caravaggio (1601/1602) popularisiert.
Herkunft: Ekloge 10, Vers 69

Amore et timore.

Durch Liebe und Furcht.

Hintergrund: Wahlspruch von Joseph I. von Habsburg

Amoris vulnus idem sanat, qui facit.

Die Wunden der Liebe kann nur heilen, wer sie zugefügt hat.

Anathema sit!

Er sei verflucht!

Anmerkung: Der Satz ist eigentlich "Kauderwelsch" (im Sinne des Gemisches unterschiedlicher Sprachen), denn "anathema" ist altgriechisch und "sit" ist lateinisch.
Herkunft: 1. Korinther 16,22

Anima naturaliter Christiana.

Die Seele ist von Natur aus christlich.

Anni currentis.

Laufenden Jahres. (Abk. a.c.)

Anno Domini.

Im Jahre des Herrn. (Abk. A.D.)

Annuntio vobis gaudium magnum – habemus Papam!

Ich verkünde euch grosse Freude – wir haben einen Papst!

Anmerkung: Bekanntgabe einer mit einem positiven Ausgang vollzogenen Papstwahl

Ante Christum natum.

Vor Christi Geburt (Abk. a.Chr.n.)

Antiquus amor cancer est.

Alte Liebe ist (wie) ein Krebs.

Apage Satana!

Hebe dich hinweg, Satan!

Herkunft: Matthäus 4,10

Apes debemus imitari.

Die Bienen müssen wir nachahmen.

Arbiter elegantiarum.

Schiedsrichter in Geschmackssachen.

Arduum est res gestas scribere.

Mühselig (ist es), Geschichte zu schreiben.

Argumentum ex silentio.

Beweis aus dem Schweigen.

Schlussfolgerung aus dem Fehlen von Beweisen (für das Gegenteil).

Argumentum in contrario.

Beweis aus dem Gegenteil.

Arma virumque cano.

Ich besinge die Waffen(taten) und den Helden.

Ars amandi.

Die Kunst zu lieben.

Ars longa, vita brevis.

Die Kunst (ist) lang, das Leben kurz.

Astiterunt reges terre, et principes convenerunt in unum, adversus Dominum et adversus Christum eius.

Die Könige der Erde haben sich erhoben, und die Herrscher sind zusammengetreten gegen den Herrn und gegen den Gesalbten.

Herkunft: Monarchia Anmerkung Buch II,1,1, nach Psalm 2,1-3

Atra cura.

Schwarze Sorge.

Audiatur et altera pars.

Man soll auch die andere Seite hören.

Anmerkung: alter Rechtsgrundsatz

Aura popularis.

Volksgunst.

Aurea mediocritas.

Der goldene Mittelweg.

Auri sacra fames.

Der verfluchte Hunger nach Gold.

Austria erit in orbe ultima.

Österreich wird bestehen bis ans Ende der Welt.

Hintergrund: alternative Auslegung der Abkürzung A.E.I.O.U.

Austriae est imperare orbi universo.

Es ist Aufgabe Österreichs den gesamten Erdkreis zu regieren.

Alles Erdreich ist Österreich untertan. (Abk. A.E.I.O.U.)

Hintergrund: einer der vielen Deutungen für den Wahlspruch von Kaiser Ferdinand III. (1608-1657)

Aut Caesar aut nihil.

Entweder Caesar oder nichts.

Hintergrund: Wahlspruch des Cesare Borgia, 1475/76-1507

Aut prodesse volunt aut delectare poetae.

Die Dichter wollen nützen oder erfreuen.

Aut regem aut fatuum nasci oportere.

Zum König oder zum Narren muss man geboren sein.

Aut viam inveniam aut faciam.

Entweder ich finde einen Weg oder ich baue einen.

Anmerkung: Hannibals Reaktion auf die Mitteilung, man könne die Alpen nicht mit Elefanten überwinden

Ave imperator, morituri te salutant.

Sei gegrüsst, Kaiser, die Todgeweihten grüssen dich.

Herkunft: Sueton

Ave Maria.

Gegrüsset seist du Maria.

Herkunft: Lukas 1,28

Barba decet virum.

Der Bart macht den Mann.

Barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli.

Hier bin ich ein Barbar, weil mich niemand versteht.

Beati possidentes.

Glücklich die Besitzenden.

Beatus ille, qui procul negotiis.

Glücklich jener, der fern von den Geschäften.

Bella gerant alii ! Tu, felix Austria, nube ! (Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus.)

Kriege mögen andere führen! Du, glückliches Österreich, heirate! (Denn Reiche, die anderen Mars gibt, gibt dir Venus.)

Anmerkung: Das Zitat ist angelehnt an einen Vers von Ovid: Bella gerant alii, Protesilaus amet.
Herkunft: fälschlich König Matthias I. Corvinus (1443-1490) zugeschrieben stammt das Zitat vermutlich aus der Zeit Maximilians I. (1508-1519) und spielt auf seine Heiratspolitik an.

Bellum omnium contra omnes.

Krieg aller gegen alle.

Bene docet, qui bene distinguit.

Gut lehrt, wer gut gliedert.

Bene fecisti.

(Das hast du) Gut gemacht.

Bene laboras.

Du arbeitest gut.

Bene merenti

Für eine wohlverdiente Frau. (Abk. B.M.)

Anmerkung: findet sich häufig auf römischen Gräbern

Bene merito

Für einen wohlverdienten Mann. (Abk. B.M.)

Anmerkung: findet sich häufig auf römischen Gräbern

Berolinum – orbi lumen.

Berlin – der Welt Licht.

Herkunft: J.Kayser, 1698

Biblia pauperum.

Die Bibel der Armen.

ein spezielles Bibelwerk des 13.Jh., das in verschiedenen Handschriften überliefert ist.

Hintergrund: im Mittelalter Bezeichnung für vereinfachte Fassungen der Bibel, die vermutlich von Bettelmönchen, den sog. Pauperes Christi, für ihre Predigten verwendet wurden.

Bis dat, qui cito dat.

Doppelt gibt, wer schnell gibt.

Bona fide (agere).

In gutem Glauben (handeln)

Bona praesentis, carpe laetus horae.

Geniesse froh das Gute der Gegenwart.

Boni viri lacrimabiles

Gute Männer sind beweinenswert (unglücklich).

Bonitas stultitiaque sodales sunt.

Gutartigkeit und Dummheit sind Kameraden

im Deutschen ausgezeichnet mit "Gutheit ist dem Trottel sein Bruder" übersetzt

Bonum commune est melius quam bonum unius.

Das gemeinsame Wohl ist besser als das des einzelnen.

Caelum altum, Caesar remotus.

Der Himmel (ist) hoch (und) der Zar (ist) weit.

pessimistisches "Wo kein Kläger, dort kein Richter."

Herkunft: Russisches Sprichwort

Caelum mea regula.

Der Himmel ist mein Mass.

Caelum, non animum mutant, qui trans mare currunt.

Das Klima ändert sich, nicht der Seelenzustand, wenn man über See fährt.

Caesarem vehis eiusque fortunam!

Du trägst Caesar und sein Glück!

Herkunft: Plutarch, Caesar

Calumniare audacter, semper aliquid haeret!

Verleumde dreist! Immer bleibt etwas hängen!

Herkunft: nach Medius bei Plutarch

Captatio benevolentiae.

Streben nach Wohlwollen (des Publikums).

Versuch, die Gunst des Publikums zu gewinnen.

Carpe diem, velut unda fugit!

Pflücke den Tag, der wie eine Welle verrinnt!

Nutze den Tag! Epikureische Weisheit, wonach jeder Tag als Geschenk der Götter zu geniessen sei. Vergangenem solle man nicht nachtrauern und über Bevorstehendes nicht grübeln.

Casum sentit dominum.

Das Verlorene berührt den Herrn.

Der Eigentümer hat den Verlust selbst zu tragen.

Herkunft: Rechtsgrundsatz

Casus belli

Kriegsfall (auch Kriegsgrund)

Casus foederis

Bündnisfall

Cave canem!

Hüte dich vor dem Hund!

Vorsicht! Bissiger Hund!

Cedo maiori.

Ich weiche dem Grösseren.

Herkunft: Epigrammata

Ceteris paribus

gleichfalls, ebenso, im gleichen Sinn

Ceterum censeo Carthaginem esse delendam

Übrigens stelle ich den Antrag, Karthago zu vernichten.

Der Teil "ceterum censeo" wird häufig in dieser verkürzten Version im Sinne von "Im übrigen bin ich der Meinung, dass…" mit beliebigen nachfolgenden Satzteilen genutzt

Herkunft: Cato

Circulus vitiosus.

Fehlerhafter Kreis

Trugschluss; Zirkelschluss; das zu Beweisende wird bereits vorausgesetzt

Weitere Bedeutung: der Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt

Cita mors ruit.

Schnell eilet der Tod.

Citius, altius, fortius

Schneller, höher, stärker

Anmerkung: Das Motto der Olympischen Spiele wird im Deutschen als "schneller, höher, weiter" wiedergegeben.

Civis Romanus sum.

Ich bin ein römischer Bürger.

Anmerkung: Mit diesen Worten entzog sich ein römischer Bürger im Ausland der Gerichtsbarkeit, so etwa Paulus
Herkunft: De domo sua (Cicero) und Apostelgeschichte 16,37-40; 22; 25-29

Clausula rebus sic stantibus.

Vorbehaltlich, dass die Dinge so bleiben.

Rechtsspruch, dass bei Änderung der Situation ein Vertrag nicht mehr bindend ist

Clericus clericum non decimat.

Ein Geistlicher nimmt von einem Geistlichen keinen Zehnten.

Herkunft: Corpus iuris canonici

Cogito, ergo sum.

Ich denke, also bin ich.

Communia esse amicorum inter se omnia.

Den Freunden ist alles untereinander gemeinsam (oder: Unter Freunden ist alles gemeinsam)

Der Satz beschreibt das klassische Ideal vollkommener Freundschaft, in der es keinen Eigennutz gibt und jeglicher materieller sowie geistiger Besitz bereitwillig geteilt wird.

Hintergrund: Der Gedanke wurzelt in der frühgriechischen Philosophie der Pythagoreer, die versuchten, ihre Lebensgemeinschaften nach dem Prinzip des gemeinsamen Eigentums zu organisieren. Über Platon und Aristoteles gelangte das Konzept nach Rom, wo es in der Spätphase der Republik und in der Kaiserzeit von Denkern wie Cicero und Seneca rezipiert wurde. Es diente als ethischer Gegenentwurf zum grassierenden Materialismus und dem rein zweckorientierten Klientelwesen der römischen Oberschicht.
Herkunft: Die Sentenz geht ursprünglich auf ein altgriechisches Sprichwort zurück, das Pythagoras zugeschrieben wird: Koinà tà tōn phílōn (Koivὰ τὰ τῶν φίλων). In der lateinischen Literatur wurde es von zahlreichen Autoren aufgegriffen und variiert. Eine sehr bekannte, strukturell ähnliche Formulierung findet sich bei Terenz (Adelphoe, Vers 803): „Nam vetus verbum hoc quidem est, communia esse amicorum inter se omnia.“ (Denn dies ist freilich ein altes Sprichwort, dass den Freunden alles untereinander gemeinsam sei.) Auch Cicero diskutiert das Prinzip in De officiis (1, 51).

Concordia discors

Zwieträchtige Eintracht

Concordia domi, foris pax.

Eintracht daheim, draussen Friede.

Herkunft: Inschrift am Holstentor in Lübeck

Concordia lumine maior.

Eintracht (ist) stärker als Licht.

Hintergrund: Wahlspruch von Mathias von Habsburg

Condicio sine qua non.

Eine unerlässliche Bedingung; Eine absolut notwendige Voraussetzung.

Confer!

Vergleiche! (Abk.: cf.)

Consilio et industria.

Klug und beharrlich.

Hintergrund: Wahlspruch von Leopold I. von Habsburg

Consilium abeundi.

Rat abzugehen

Rat der Lehrergemeinschaft einer höheren Schule an einen Schüler, wenn alle anderen Strafen erschöpft sind

Constanter continet orbem.

Fest hält er das Weltreich zusammen.

Hintergrund: Wahlspruch von Karl VI. von Habsburg

Consuetudo quasi altera natura.

Die Gewohnheit (ist) sozusagen die zweite Natur.

Contra legem.

Gegen das Gesetz.

Contra vim mortis non est medicamen in hortis.

Gegen die Gewalt des Todes gibt es kein Heilmittel in den Gärten.

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.

Herkunft: Flos Medicinae

Contradictio in adiecto.

Widerspruch im Beiwort, z.B. "heisses Eis"

Cor nostrum inquietum est, donec requiescat in te. (Inquietum cor nostrum, donec requiescat in te.)

Unruhig ist unser Herz, bis es in dir (Gott) seine Ruhe findet.

Coram hoste.

Im Angesicht des Feindes.

Coram publico.

Vor der Öffentlichkeit; Vor aller Welt.

Corpus delicti.

Gegenstand des Vergehens.

Tatbestand, Beweismittel

Herkunft: Variae Quaestiones

Corrige praeteritum, presens rege, discerne futurum.

Verbessere die Vergangenheit, beherrsche die Gegenwart, erkenne die Zukunft.

Corripe sapientem et amabit te.

Tadle den Weisen, und er wird dich lieben.

Corvus albus.

Weisser Rabe.

Herkunft: Satirae

Credat Iudaeus Apella!

Das möge der Jude Apella glauben!

Herkunft: Satirae

Crede mihi, bene qui latuit, bene vixit.

Glaube mir: Glücklich lebt, wer in glücklicher Verborgenheit lebt.

Credo, quia absurdum.

Ich glaube es, weil es widersinnig ist.

Crescentem sequitur cura pecuniam.

Dem wachsenden Gelde folgt die Sorge.

Crimen laesae maiestatis.

Verbrechen der Majestätsbeleidigung

Cui bono?

Wem zum Nutzen?

Anmerkung: Überliefert nach Cicero, Philippica

Cuius est commodum, eius est periculum.

Wessen das Gut, dessen die Gefahr.

Das Risiko einer (auch zufälligen) Verschlechterung einer Sache hat immer der aktuelle Eigentümer zu tragen.

Herkunft: Rechtsgrundsatz

Cuius regio, eius religio.

Wessen Land, dessen Religion.

Der Landesherr bestimmt die Konfession seines Territoriums

Hintergrund: Prinzip des Augsburger Religionsfriedens 1555. Die Formulierung selbst stammt aus späterer Zeit.

Culpa in eligendo

Schuld infolge des Auswählens

Auswahlverschulden, Begriff des Wirtschaftsrechts, wo jemand zur Haftung herangezogen werden kann, der sich bei der Durchführung eines Geschäfts untüchtiger Gehilfen bedient hat.

Herkunft: Rechtslatein

Cum grano salis.

Mit einem Körnchen Salz.

mit gewissen Einschränkungen oder Humor (zu verstehen)

Herkunft: Naturalis historia

Cum hac parte rem publicam non confio.

Mit dieser Partei ist kein Staat zu machen.

Diese Personen sind nicht in der Lage mit anderen zur Erreichung eines Zieles vernünftig zusammenzuarbeiten.

Cum laude.

Mit Lob

Anmerkung: Zusatz zu einer Prüfungsnote

Cum tacent, clamant.

Indem sie schweigen, klagen sie (sich) an.

Cum tempore.

Mit Zeit

eine Viertelstunde nach angegebener Zeit; mit akademischem Viertel (Abk.: c.t.)

Cura fugit multo diluiturque mero.

Die Sorge flieht und löst in reichlich Wein sich auf.

Herkunft: Ars amandi, I 238

Curriculum vitae.

Lebenslauf

Currit irrevocabile tempus.

Unwiderruflich enteilt die Zeit.

Daemonium repetit, quicquid procedit ab ipso.

Der Dämon (Teufel) fordert zurück, was von ihm kommt.

Dat gloria vires.

Ruhm gibt Kräfte.

Ansehen verleiht die Macht (auch etwas Schwieriges/Unmögliches) umzusetzen.

Hintergrund: Motto von Lord Henry Stuart Darnley, Vetter und Gemahl von Maria Stuart, 16.Jh.

De civitate Dei.

Über den Gottesstaat

Anmerkung: Titel des Hauptwerkes des Kirchenlehrers Augustinus

De facto.

Tatsächlich.

De gustibus non est disputandum.

Über den Geschmack lässt sich nicht streiten.

De iure.

Von Rechts wegen.

De mortuis nil nisi bene.

Über die Toten soll man nur wohlwollend sprechen.

Anmerkung: im Volltext “De mortuis nil nisi bonum dicendum est”. Der Sinnspruch wird unterschiedlichen Quellen zugeschrieben (u.a. Diogenes Laertius, nach Plutarch sei es ein Ausspruch Solons)

De nihilo nihil.

Aus nichts (wird) nichts.

De profundis (clamavi ad te, Domine).

Aus dem Abgrund (habe ich zu dir gerufen, Herr).

Aus der Tiefe, aus tiefer Not.

Herkunft: Trauergesang nach Psalm 130,1

Dei gratia.

Von Gottes Gnaden.

Herkunft: 1. Brief an die Korinter 3,10, nach der Vulgata

Deleatur.

Man möge tilgen.

eine genannte Textstelle ist zu entfernen (Abk. del.)

Hintergrund: Korrekturverfahren in der Buchdruckersprache

Descende caelo!

Steige vom Himmel herab!

Desertum quidem nunc et squalens.

ein verfallenes, schmutziges Nest

Herkunft: Beschreibung von Carnuntum durch den Historiker Marcellinus, um 375 n.Chr.

Deus ex machina.

Gott aus der Maschine.

Retter zur rechten Zeit

Hintergrund: Der Begriff hat seinen Ursprung im antiken griechischen Theater des 5. Jahrhunderts vor Christus: Wenn die Handlung eines Stücks verfahren oder ausweglos schien, ließen die Autoren einen Schauspieler, der eine Gottheit darstellte, mittels Seilwinde von oben auf die Bühne herabschweben. Diese Figur sprach dann ein "göttliches Machtwort" oder wirkte ein göttliches Wunder, das die Situation oder den Konflikt sofort bereinigte.

Deus nobis haec otia fecit.

Gott hat uns diese Muse geschenkt.

Dextera Domini exaltavit me.

Die Rechte Gottes gab mir Kraft.

Hintergrund: Motto von Mitgliedern des Hauses Este in Italien

Diem perdidi!

Ich habe einen Tag verloren!

Anmerkung: Laut Biograf Sueton soll Titus den Satz eines Abends bei Tisch gesagt haben, als ihm bewusst wurde, dass er an diesem Tag noch keine gute Tat vollbracht oder jemandem geholfen hatte.

Dies academicus.

Akademischer Tag.

Vorlesungsfreier Tag an einer Universität; auch Tag, an dem öffentliche, für jedermann zugängliche Veranstaltungen abgehalten werden

Dies ater.

Schwarzer Tag.

Unglückstag.

Dies diem docet.

Ein Tag lehrt den (anderen) Tag.

Jeder Tag gibt neue Lehren.

Dies irae, dies illa solvet saeclum in favilla.

Der Tag des Zornes, jener Tag wird die Welt in Asche zerfallen lassen.

Tag des Zorns, jener Tag.

Herkunft: Anfangsverse eines Medidationsliedes des 13. Jh. über das Jüngste Gericht, nach Zephanja 1,15

Differentia specifica

spezifische Differenz

das Grundprinzip der klassischen Definition um Arten von Gattungen zu unterscheiden

Difficile est satiram non scribere.

Es ist schwer, keine Satire zu schreiben.

Situationen, die geradezu nach einer Satire schreien.

Hintergrund: Entstanden Anfang des 2. Jahrhunderts n.Chr.

Dira necessitas.

Harte Notwendigkeit.

Disce aut discede!

Lerne oder troll’ dich!

Discite moniti!

Lernt aus der Warnung!

Divae memoriae.

Des seligen Angedenkens.

Dives aut iniquus aut iniqui heres.

Der Reiche ist entweder (selbst) ein Gauner oder Erbe eines Gauners.

Divide et impera!

Teile und herrsche!

ein Herrscher soll Zwietracht säen, um dadurch ungestörter regieren und seine Kontrahenten besser manipulieren zu können

Herkunft: König Ludwig XI. von Frankreich (1423-1483); erstmals formuliert in der Renaissance; der Ausspruch war allerdings bereits in der Antike bekannt

Dixi et salvavi animam meam.

Ich habe gesprochen und meine Seele gerettet.

Herkunft: Ezechiel 3,18–19

Do ut des, do ut facias, facio ut des et facio ut facias.

Ich gebe, damit du gibst; Ich gebe damit du etwas tust, Ich tue etwas, damit du gibst; Ich tue etwas, damit du etwas tust.

Herkunft: Grundformeln des römischen Rechts für gegeneinander ausgetauschte Leistungen

Docendo discimus.

Durch Lehren lernen wir.

Doceo horas.

Ich zeige die Stunden an.

Hintergrund: Inschrift auf Sonnenuhren

Docti male pingunt.

Gelehrte malen (auch: schreiben, erklären) schlecht.

Dolo agit, qui petit, quod statim redditurus est.

Böswillig handelt, wer fordert, was sofort zurückgewährt werden muss.

Rechtsgrundsatz. Man kann nicht etwas fordern, wenn daraus ein Anspruch für die Gegenpartei entsteht.

Dominus dedit Dominus abstulit; (sit nomen Domini benedictum).

Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; (gelobt sei der Name des Herrn).

Herkunft: Bibla sacra, Hiob 1,21

Donec eris felix, multos numerabis amicos. Tempora si fuerint nubila, solus eris.

Freunde zählst du in Mengen, solange du glücklich bist; in bedrängter Lage aber stehst du allein.

Den wahren Freund erkennst du in der Not.

Herkunft: Tristia

Ducunt volentem fata, nolentem trahunt.

Den Willigen führt das Geschick, den Störrischen schleift es mit sich fort.

Dulce et decorum est pro patria mori.

Süss und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.

Dum excusare credis, accusas.

Während du dich zu entschuldigen glaubst, klagst du dich an!

Dum spiro, spero.

Solange ich atme, hoffe ich.

Dum tempus habemus operemur bonum.

Lasst uns Gutes tun, solange noch Zeit (dafür) ist.

Duo cum faciunt idem, non est idem.

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe.

Ecce homo!

Da ist der Mann!

Sehet, (welch) ein Mensch!

Herkunft: Pontius Pilatus, als er Jesus nach der Geisselung den Juden vorführen liess.

Ecclesia militans.

Die streitbare Kirche.

Ecclesia triumphans.

Die triumphierende Kirche

Ei ma gar Chrysippos, ouk an an Stoa.

Wenn es nicht Chrysippos gäbe, gäbe es keine Stoa.

Herkunft: Sprichwort

Emeritus.

Jemand, der ausgedient hat.

Hochschulprofessor im Ruhestand; besitzt alle Rechte aber keine Pflichten mehr. (Abk. em.)

Eo ipso.

Durch dieses selbst.

Selbstverständlich; Eben dadurch

Epistula (enim) non erubescit.

Ein Brief (nämlich) errötet nicht.

schreiben kann man, was man will

Ergo bibamus!

Also lasst uns trinken!

Herkunft: Papst Martin IV (1281-1285); auch Titel eines Liedes von Goethe

Ergois philous gignoske, ma monon logois.

An ihren Werken erkenne Freunde, nicht nur an ihren Worten.

Herkunft: Sprichwort

Ergon povaron cheir' eleutheran eche.

Halte die Hand frei von mühsamer Arbeit.

Herkunft: Sprichwort

Errare humanum est.

Irren ist menschlich.

Anmerkung: Die verkürzte Form wird häufig auch Hieronymus und Seneca zugeschrieben. Die exakte Herkunft und Entwicklung der heute gebräuchlichen Form ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion.

Error initus

Eingabefehler

Est deus in nobis, agitante calescimus illo.

Ein Gott ist in uns, bei dessen Wirken wir erglühen.

Est Europa nunc unita.

Ist Europa nun vereint

Herkunft: Erste Zeile des offiziellen Textes der Europahymne

Est modus in rebus, sunt certi denique fines.

Es ist ein rechtes Mass in allen Dingen, d.h. es gibt bestimmte Grenzen.

Est quaedam flere voluptas.

Im Weinen liegt eine gewisse Wonne.

Et arcanum iocoso consilium retegis Lyaeo.

Und du Lyaeus deckst bei fröhlichem Zechen geheime Pläne auf.

Anmerkung: Lyaeus ist der Beiname des Baccus als Sorgen- und Zungenlöser

Et cetera.

Und so weiter (Abk. etc.)

Et hic virum agit.

Auch das (gemeint: Holzbein) bringt den Mann voran.

Hintergrund: Wahlspruch von Albrecht II. dem Lahmen

Et tu, (mi fili) Brute?!

Auch du, (mein Sohn) Brutus?!

Anmerkung: Der Ausspruch wird Caesar zugeschrieben, ist jedoch in dieser Form erstmals bei Shakespeare belegt.

Etsi fata volunt, bina venena iuvant.

Und wenn es das Schicksal will, hilft (sogar) doppeltes Gift.

Ex aequo.

Auf gleichem (Rang).

Die gleiche Platzierung von Wettkämpfern, die die selbe Leistung erbrachten.

Ex cathedra (Petri).

Vom Päpstlichen Stuhl (aus verkündet)

unfehlbar; jede Entscheidung, die nicht in Frage gestellt werden darf

Ex eventu

Aus dem Ereignis heraus

(sichtbare) Schlussfolgerung aus einem Vorfall

Ex falso quodlibet.

Aus Falschem folgt Beliebiges.

Ex libris.

Aus den Büchern. (Im Sinne von “Aus der Bibliothek des (der)…”

Bezeichnung für den auf der ersten Seite eines Buches eingeklebten, oft reich verzierten Zettel mit dem Monogramm des Besitzers.

Ex officio.

Aus der Amtspflicht (heraus).

Von Amts wegen (Abk. off’o)

Ex oriente lux.

Aus dem Osten (kommt) das Licht.

zunächst die Sonne, dann das Christentum und schliesslich die Kultur kamen alle aus dem Osten

Ex testamento heres faciendum curavit.

dem Testament gemäss hat der Erbe das zu Machende besorgt.

Hintergrund: Rechtsformel auf vielen Grabsteinen (Abk. EX. T. T. F. C.)

Ex tunc.

Seit damals

seit Anbeginn; von vornherein

Ex voto.

Aufgrund eines Gelübdes.

Hintergrund: Inschrift auf Weihegeschenken, die in Wallfahrtskirchen als Dank angebracht wurden.

Exegi monumentum aere perennius.

Ein Denkmal habe ich mir gesetzt, dauernder als Erz.

Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor!

Möge dereinst aus unseren Gebeinen ein Rächer erstehen!

Anmerkung: der Überlieferung nach von Kurfürst Friedrich Wilhelm bei der Unterzeichnung des Friedens von St.-Germain-en-Laye 1679 zitiert.

Experimenta in corpore vili

Versuche an wertlosem Körper

Anmerkung: beschreibt den Zustand der beständigen Experimente von Fabrikanten mit ihren Arbeitern
Herkunft: Das Kapital, p. 433

Experto credite!

Glaubt dem Erfahrenen!

Explicit.

Es ist zu Ende; verkürzt aus dem Zitat “Volumen explicitum est”. (Die Schriftrolle ist aufgerollt.)

Ende des Textes.

Expressis verbis.

Ausdrücklich; Mit klaren Worten

Exsequatur.

Er möge ausüben!

Zulassung eines Konsuls zur Amtsausübung.

Extra ecclesiam nulla salus.

Ausserhalb der Kirche (gibt es) kein Heil.

Hintergrund: Grundsatz der katholischen Kirche.
Anmerkung: Die Formulierung wird auf Cyprian von Karthago zurückgeführt und steht in engem Zusammenhang mit seinem Werk „De catholicae ecclesiae unitate“ („Über die Einheit der katholischen Kirche“). Das ursprüngliche Zitat lautet: „Habere non potest Deum patrem qui ecclesiam non habet matrem.“ („Wer die Kirche nicht zur Mutter hat, kann Gott nicht zum Vater haben.“)

Extra omnes!

Ohne alle Leute.

Quasi “Alle raus!”

Hintergrund: letzter Satz, bevor sich bei einer Papstwahl die Türen des Konklave schliessen

Facies Hippocratica.

Hippokratisches Gesicht.

ein vom nahenden Tode gezeichnetes Antlitz

Facilis descensus Averno.

Das Hinabsteigen in die Unterwelt ist leicht. (Aber die Rückkehr ist schwer.)

Facit.

Es macht (ergibt)…

Ergebnis einer Rechnung oder eines Beweises; Schlussfolgerung

Faciunt favos et vespae.

Auch die Wespen erzeugen Honig.

Fama crescit eundo.

Das Gerücht wächst mit seiner Verbreitung.

Felix, qui potuit rerum cognoscere causas.

Glücklich, wer die Gründe der Dinge erkennen konnte.

Herkunft: Lukrez

Ferrum chalybsque urbis nutrimenta.

Eisen und Stahl der Stadt Nahrung (sind).

Hintergrund: Motto der Stadt Waidhofen/Ybbs

Festina lente!

Eile langsam!

Eile mit Weile!

Fiat iustitia aut pereat mundus!

Gerechtigkeit muss sein oder die Welt geht zugrunde!

Hintergrund: Wahlspruch von Ferdinand I. von Habsburg

Fiat iustitia, et pereat mundus!

Gerechtigkeit geschehe, und sollte die Welt (darüber) zugrunde gehen!

Herkunft: Loci communes

Fiat lux.

Es werde Licht.

Herkunft: Schöpfungsspruch der Genesis

Fideliter et constanter.

Treu und standhaft.

Fides Graeca

Griechische Treue

ironischer Ausdruck für Untreue und Wortbrüchigkeit (siehe Fides Punica)

Fides Punica

Punische Treue

ironischer Ausdruck für Untreue und Wortbrüchigkeit (siehe Fides Graeca)

Filia hospitalis

Gastwirtstochter

Hintergrund: Historischer neulateinischer Begriff der Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts, der sich auf die Tochter der Familie bezieht, bei der ein Student während seines Studiums wohnte
Anmerkung: Der Begriff erscheint auch in mehreren Studentenliedern des 18. und 19. Jahrhunderts.

Finis Poloniae!

Das Ende Polens!

Hintergrund: Der Ausspruch wird traditionell dem polnischen Nationalhelden General Tadeusz Kościuszko nach der verlorenen Schlacht von Maciejowice im Jahr 1794 zugeschrieben.
Anmerkung: Die Zuschreibung ist ungewiss. Kościuszko selbst hat in einem Brief bestritten, diese Worte jemals benutzt zu haben. Belegt ist hingegen die Verwendung des Ausdrucks durch den Maler Dietrich Monten, der ein 1831 geschaffenes Gemälde „Finis Poloniae. Abschied der Polen von ihrem Vaterlande“ nannte.

Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo.

Wenn mich der Himmel nicht hört, dann ruf’ ich die Hölle zur Hilfe.

Florilegium.

(literarische) Blütenlese

Fortes fortuna adiuvat.

Den Tapferen hilft das Glück.

Fortiter in re, suaviter in modo.

Stark in der Sache, milde in der Art.

Herkunft: Industriae ad curandos animae morbos

Fugam victoria nescit.

Der Sieg kennt keine Flucht.

Herkunft: ein Wahlspruch von Albrecht I. von Habsburg

Fulget Caesaris Astrum.

Es leuchtet des Kaisers Gestirn.

Hintergrund: Wahlspruch von Rudolf II. von Habsburg

Furor Teutonicus.

Teutonische Raserei

Deutsche Angriffslust

Herkunft: Lukan im 1.Jh.n.Chr. über den Charakter der Teutonen aus dem 2.Jh.v.Chr.; seit dem Mittelalter in moderner Bedeutung verwendet.

Gallia est omnis divisa in partes tres…

Gallien ist insgesamt in drei Teile geteilt….

Anmerkung: Anfangsworte des Werkes

Gaudeamus igitur, iuvens dum sumus.

Also, lasst uns fröhlich sein, solange wir noch jung sind.

Herkunft: Anfangsvers eines berühmten Studentenliedes von C.W.Kindleben, 18.Jh.; ursprünglich ein Lied zum Totengedenken.

Gaudeo discere, ut doceam.

Ich freue mich zu lernen, damit ich lehren kann.

Genius loci.

Der Geist (bzw. Schutzgott) des Ortes.

Göttliche Verkörperung des Wesens eines Ortes; Person, die für einen Ort prägend war

Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden allen Menschen, die guten Willens sind!

Herkunft: Lukas 2,14

Gradus ad Parnassum.

Stufen zum Parnass.

Ein Titel für Etüdenwerke

Herkunft: Titel eines Werkes aus dem 17.Jh. zur Einführung in die lateinische Dichtung, das zum Vorbild ähnlicher Werke wurde. Der Parnass galt in der Antike als heiliger Berg der Musen.

Grosso modo.

Auf dicke, grobe Weise.

Im Grossen und Ganzen

Gutta cavat lapidem (non vi, sed saepe cadendo).

Der Tropfen höhlt den Stein (nicht mit Gewalt, sondern durch ständiges Fallen)

Gynai, gynaiksi kosmon ha siga pherei.

Ihr Frauen, den Frauen ist das Schweigen ein Schmuck.

Herkunft: Sprichwort

Habeat sibi.

Er möge es für sich haben.

meinetwegen; er soll seinen Willen haben

Herkunft: Redewendung aus dem Alten Testament

Habent sua fata libelli (pro captu lectoris).

Bücher haben ihre Schicksale (durch die Auffassung des Lesers).

Hannibal ad portas!

Hannibal vor den Toren!

Hintergrund: Bezeichnung für eine unmittelbar drohende Gefahr; bereits in der Antike sprichwörtlich verwendet.
Anmerkung: Die genaue Herkunft der heute gebräuchlichen Form ist umstritten. Die Wendung wird unter anderem mit Livius (Ab urbe condita) und Cicero (Philippicae) in Verbindung gebracht.

Has nisi periturus mihi adimat nemo.

Verderben dem, der mich beschneidet, es sei denn, er will umkommen.

Herkunft: Aufschrift auf Münzen

Heureka!

Ich hab's gefunden!

Hintergrund: Die berühmte Anekdote besagt, dass Archimedes von Syrakus (ca. 287–212 v. Chr.) im Badezuber sitzend das nach ihm benannte Auftriebsprinzip entdeckte. Vor Freude lief er nackt durch die Straßen und rief: „Heureka!“ (Griechisch für: „Ich habe es gefunden!“).

Hic et nunc.

Hier und jetzt.

sofort, augenblicklich, auf der Stelle

Hic regit, ille tuetur.

Dies (gemeint: Weisheit) regiert, jenes (gemeint: Schwert) beschützt.

Hintergrund: Wahlspruch von Friedrich V. von Habsburg

Hic Rhodus, hic salta!

Hier ist Rhodos, hier springe!

Hier zeige, was du kannst!

Herkunft: nach einer Fabel des Aesop in der ein heimgekehrter Fünfkämpfer, der mit seinen Leistungen beim Weitsprung auf der Insel Rhodos prahlt, aufgefordert wird, dieselben zum Beweis jetzt auch in seiner Heimat zu wiederholen.

Hinc illae lacrumae!

Daher diese Tränen!

Ho me dareis anthropos ou paideutai.

Wer nicht geschunden wird, wird nicht erzogen.

Anmerkung: Goethe stellte dieses Zitat als Motto vor den 1.Teil von "Dichtung & Wahrheit"

Hoc Momentum Heredem Non Sequitur. (Abk. H M H N S)

Dieses Grabmal fällt nicht dem Erben zu.

Herkunft: vielfach benutzte Formel auf Grabsteinen

Hoc volo, sic iubeo!

Das will ich, so befehle ich es!

Herkunft: Satirae

Hodie mihi, cras tibi.

Heute mir, morgen dir.

Homines sumus, non dei.

Menschen sind wir, keine Götter.

Homines, dum docent, discunt.

Die Menschen lernen, während sie lehren.

Herkunft: Epistulae

Homo est animal sociale.

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen

Der Mensch ist von Natur aus auf das Zusammenleben mit anderen Menschen angewiesen und verwirklicht sich in der Gemeinschaft.

Hintergrund: Der Gedanke geht auf Aristoteles' Vorstellung vom Menschen als „ζῷον πολιτικόν“ (zoon politikon, „politisches Lebewesen“) zurück. Gemeint ist nicht Politik im modernen Sinn, sondern die natürliche Einbindung des Menschen in die Polis als Gemeinschaft.

Homo homini lupus.

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf

Der Mensch ist des Menschen Feind.

Herkunft: Plautus, Asinaria, wo ein Kaufmann dies zu einem ihm unbekannten Sklaven sagt, dem er sein Geld nicht anvertrauen will; berühmt zitiert durch Thomas Hobbes (1588-1679)

Homo novus.

Ein neuer Mann.

Ein Mann ohne adlige Ahnen; ein Aufsteiger.

Homo proponit, sed Deus disponit.

Der Mensch denkt, Gott lenkt.

Homo sum, humani nihil a me alienum puto.

Mensch bin ich; nichts Menschliches ist mir fremd.

Herkunft: Hautontimorumenos

Honoris causa

ehrenhalber; nicht durch ein Studium der Sache (Abk. h.c.)

Honos alit artes.

Die Ehre ernährt die Künste.

Hora fugit, facta manent.

Die Stunde entflieht, die Taten bleiben.

Hora sit optima vobis.

Diese Stunde sei die beste für euch.

Horribile dictu.

Schrecklich zu sagen.

Horror vacui.

Grauen vor dem Leeren

Herkunft: Gargantua

Humanum genus potissime liberum optime se habet.

Die Menschheit befindet sich im besten Zustand, wenn sie die grösste Freiheit geniesst.

Anmerkung: Buch I,12,1
Herkunft: Monarchia

Hunc hominem decet auro expendi.

Dieser Mensch soll mit Gold aufgewogen werden.

Herkunft: Plautus Bacchides

Hypotheses non fingo.

Ich bilde keine Hypothesen.

Ibi fas, ubi proxima merces.

Wo das Geld am nächsten (ist), da (ist auch) das Recht.

Herkunft: Pharsalia

Ibidem.

Ebenda. (Abk. ib.)

Id est.

Das heisst (Abk. i.e.)

Idem velle atque idem nolle, ea demum firma amicitia est.

Dasselbe wollen und dasselbe nicht wollen, das erst ist feste Freundschaft.

Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum

Jesus von Nazareth, König der Juden (Abk. INRI)

Hintergrund: Inschrift am Kreuze Christi
Herkunft: Johannes 19,19

Ignoramus et ignorabimus.

Wir wissen es nicht und wir werden es nie wissen.

Hintergrund: Der Satz wurde 1872 in du Bois-Reymonds berühmter Rede "Über die Grenzen des Naturerkennens" geprägt. Er ergumentierte, dass es absolute Grenzen für das Menschliche naturwissenschaftliche Verständnis gäbe. Für ihn waren dies vor allem das Wesen von Materie und Kraft sowie die Frage, wie Bewusstsein und geistige Prozesse aus rein materiellen (physischen) Gehirnvorgängen entstehen. Er löste damit den so genannten "Ignorabimus-Streit" aus

Ignorantia iuris nocet.

Unkenntnis (des Gesetzes) schützt nicht vor Strafe.

Imitatio Christi.

Nachahmung Christi.

Herkunft: Titel eines anonymen Erbauungsbuches (Ende 14./Anfang 15.Jh.), in dem zu einem Leben nach dem Vorbild Christi aufgefordert wird.

Imperium in imperio

Reich im Reiche od. Staat im Staate

Wenn Regierungsbehörden, Gewerkschaften oder Konzerne so viel Macht anhäufen, dass sie unabhängig von der eigentlichen Regierung agieren. Alternativ: Wenn sich in einem Land ethnische oder religiöse Minderheiten völlig abkapseln, eigene Gesetze etablieren und den (Rechts-)Staat nicht anerkennen.

Imprimatur.

Es möge gedruckt werden. (Abk. imp(r).)

Druckerlaubnis; Freigabe zum Druck (durch die katholische Kirche)

Herkunft: in der Buchdruckersprache die Erlaubnis des Autors bzw. Verlegers nach der letzten Textprüfung das Werk in Druck zu geben.

In absentia.

In Abwesenheit (des Beschuldigten)

In abstracto.

im Allgemeinen

In amore semper crescimus.

In der Liebe wachsen wir immer.

Durch das Erfahren, Erleben und Geben von Liebe entwickelt sich der Mensch beständig (emotional) weiter.

Hintergrund: Es handelt sich hierbei nicht um ein historisch belegtes Zitat aus der antiken lateinischen Literatur oder Philosophie. Der Satz spiegelt eher eine moderne, sentimentale Vorstellung von persönlichem Wachstum durch Partnerschaft und Liebe wider. Er wurde grammatikalisch korrekt im modernen Latein (Neo-Latein) formuliert und findet heute vor allem als Tätowierung, Trauspruch oder in der Populärkultur Verwendung.

In angustiis amici apparent

In der Not (oder: in Engpässen) zeigen sich die Freunde.

Wahre Freundschaft erweist sich oftmals erst in schwierigen Lebenslagen oder Krisenzeiten, wenn man auf die Hilfe anderer angewiesen ist.

Hintergrund: Das Konzept der Erprobung von Freundschaft in der Not war ein zentraler Topos der antiken Philosophie und Literatur, besonders stark diskutiert von Aristoteles und später von römischen Autoren wie Cicero und Seneca. Die spezifische Wendung mit „in angustiis“ (in Engpässen/Bedrängnis) bürgerte sich vor allem im Zuge des Humanismus als prägnante Lehrbuch- und Spruchweisheit ein, um moralische Grundsätze kompakt zu vermitteln. Sie fand in Formulierungen wie „In der Not erkennt man den Freund“ Eingang in fast alle europäischen Volkssprachen.
Anmerkung: Der Satz wird im Internet und in populären Sammlungen fälschlicherweise manchmal Cicero oder Petronius zugeschrieben. Es existiert keine antike Textstelle, die exakt diesen Wortlaut aufweist; es handelt sich um ein klassisches, im Spätmittelalter oder der Renaissance entstandenes Sprichwort auf Basis der antiken Philosophie.
Herkunft: Die genaue lateinische Formulierung ist ein traditionelles Sprichwort der Frühen Neuzeit und des Schulunterrichts. Sie variiert inhaltlich identische Gedanken antiker Autoren, insbesondere von Ennius (zitiert bei Cicero, De amicitia 64: „Amicus certus in re incerta cernitur“ – Ein sicherer Freund wird in unsicherer Lage erkannt).

In camera caritatis.

In der Kammer der Zuneigung.

unter vier Augen; vertraulich

In concreto.

Im vorliegenden Fall, im Einzelfall

In contumaciam.

Wegen Ungehorsam (gegen gerichtliche Ladung)

In corpore.

Insgesamt.

In cunabulis.

In der Wiege

am Anfang

Anmerkung: Als Inkunabeln (sog. Wiegen- oder Frühdrucke) werden Drucke aus der Zeit vor 1500 bezeichnet.

In dubio mitius.

Im Zweifelsfall das Mildere.

Herkunft: Römischer Rechtssatz

In dubio pro reo.

Im Zweifelsfall (ist) für den Angeklagten (zu entscheiden).

Herkunft: Corpus iuris civilis.

In dulci iubilo.

In süssem Jubel.

In Saus und Braus

Herkunft: Beginn eines lateinisch-deutschen Weihnachtsliedes, das im 14. Jh. zu Papier gebracht wurde. Die moderne Bedeutung entspringt den Studentenliedern des 19. Jh.

In effigie.

Im Bild; bildlich

In extenso.

Ausführlich

In flagranti (crimine).

Bei (noch) brennendem (Verbrechen).

Auf frischer Tat.

Herkunft: Im Codex Justinianeus ursprünglich auf Brandstiftung bezogen, später für jedes Verbrechen.

In hoc signo vinces.

In diesem Zeichen wirst du siegen.

Herkunft: Der Engel, der Kaiser Konstantin das Kreuz vor der Schlacht an der Milvischen Brücke zeigt, 312 n.Chr.); Eusebius Pamphili, Leben Konstantins

In integrum restituere.

In den früheren Zustand wiedereinsetzen.

Herkunft: Pro Cluentio

In magnis et voluisse sat est.

In grossen Dingen ist schon das Wollen ausreichend.

Herkunft: Properz

In medias res.

In die Mitte der Dinge hinein.

Zum Kern einer Angelegenheit kommen.

Herkunft: Ars poetica.

In medio virtus.

In der Mitte liegt das Richtige.

Gesundes Mittelmass

In memoriam.

Zum Gedächtnis, In Erinnerung, Zum Andenken

In nuce.

In einer Nuss.

im Kern einer Sache, zusammengefasst, knapp gefasst

Anmerkung: Plinius d. Ä. überliefert in seiner "Naturalis historia" eine Anekdote Ciceros, wonach eine Handschrift von Homers Ilias auf Pergament geschrieben in einer Nussschale Platz gefunden haben solle.

In partibus infidelium.

In den Gebieten der Ungläubigen. (Abk. i.p.i.)

Herkunft: Alter Zusatz zum Titel der Bischöfe, die für ursprünglich christliche, vom Frühmittelalter an islamische Gebiete Nordafrikas und Vorderasiens ernannt wurden. 1882 von Leo XIII. abgeschafft; seitdem Titularbischöfe genannt.

In pectore.

In der Brust.

unter Geheimhaltung (vor allem des Namens)

Anmerkung: über das Italienische entstand daraus die Formulierung “etwas in petto haben”.

In praxi.

In der Ausübung

in der ausgeübten Rechtssprechung, aber nicht in der Rechtslehre

In principio creavit Deus caelum et terram. Terra autem erat inanis et vacua et tenebrae super faciem abyssi et spritus Dei ferebatur super aquas.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde aber war wüst und leer. Finsternis lag über der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

Hintergrund: Beginn der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments

In situ.

An Ort und Stelle

an der richtigen, ursprünglichen Stelle

Herkunft: Medizin und Archäologie

In sole solum solamen.

In der Sonne allein ist Trost.

In statu abendi.

Im Zustand des Weggehens.

während des Abgangs bzw. in der Auflösung

In statu nascendi.

Im Zustand des Entstehens

Gleich zu Anfang; Am Beginn

In tormentis pinxit.

Unter Qualen (hat er) gemalt.

Herkunft: Signierung der von König Friedrich Wilhelm I. von Preussen (1688-1740) gemalten Bilder

In trinitate robur.

In der Dreieinigkeit Kraft

Hintergrund: Motto zahlreicher christlich gesinnter Menschen, u.a. Bismarck

In tyrannos!

Gegen die Tyrannen!

Hintergrund: Motto der Titelvignette der 2. Auflage von Schillers Drama “Die Räuber” zum Bild eines zum Sprung ansetzenden Löwen

In usum Delphini.

Zum Gebrauch für den Dauphin

(ursprünglich) für Kinder bearbeitet, (modern) jeder zensurierte Text

Herkunft: bezieht sich auf die vom Erzieher des Sohnes von König Ludwig XIV. von Frankreich veranlasste Bearbeitung klassischer Schriften und die damit verbundene Streichung unliebsamer oder anstössiger Stellen im Text

In vino veritas.

Im Wein liegt Wahrheit.

Herkunft: nach Plutarch

In vitro.

Im Glas.

im Reagenzglas durchgeführter wissenschaftlicher Versuch

In vivo.

Am Lebenden.

am lebenden Objekt durchgeführte medizinische Maßnahme oder wissenschaftlicher Versuch

Incidit in Scyllam, qui vult vitare Charybdim.

Der gerät in die Scylla, der die Charybdis meiden will.

die Lage, aus der es kein Entrinnen mehr gibt

Herkunft: nach Homer musste Odysseus auf seinen Irrfahrten zwischen diesen zwei einander gegenüberliegenden Ungeheuern hindurchsegeln.

Incipit.

Es beginnt.

steht am Anfang einer Handschrift oder eines frühen Druckes

Index librorum prohibitorum.

Verzeichnis der von der katholischen Kirche verbotenen Bücher, 1966 aufgehoben

Iniqua numquam regna perpetuo manent.

Ungerechte Staaten währen nicht ewig.

Inserat.

Er möge (das) einfügen.

Notiz auf einer Druckvorlage für den Setzer einen Text noch einzufügen

Anmerkung: daraus wurde das Inserat in der Zeitung

Integritati et merito.

Der Rechtschaffenheit und dem Verdienst.

Hintergrund: Devise des österreichischen Leopoldordens.

Inter arma silent leges.

Im Krieg ruht das Recht.

Inter pocula.

Umgeben von Bechern.

beim Trinken

Herkunft: Georgica

Intra muros peccatur et extra.

Inner- und ausserhalb der Mauern wird gesündigt.

Herkunft: Epistulae

Intra parietes privatos.

Zwischen den privaten Wänden.

unter vier Augen

Ipse dixit.

Er selbst hat es gesagt.

Herkunft: die Schüler des Pythagoras verwiesen auf ihren Lehrer, dessen Lehrmeinung nicht angezweifelt werden durfte

Ira furor brevis est.

Der Zorn ist eine kurze Raserei.

Ite, missa est.

Geht, es ist Sendung

Geht, es ist (=erfolgt) die Sendung (zu missionarischer Tätigkeit).

Herkunft: Entlassungsformel des katholischen Gottesdienstes als Auftrag an die Gläubigen; im modernen Gottesdienst ersetzt durch “Gehet hin in Frieden…”

Iucundi acti labores.

Nach getaner Arbeit ist gut ruhen.

Iudex non calculat.

Der Richter rechnet nicht.

Berechnungen in Urteilen erlangen keine Gesetzeskraft

Herkunft: Römischer Rechtsgrundsatz

Ius primae noctis

Das Recht auf die erste Nacht

Herkunft: Recht mittelalterlicher Feudalherren, anstelle seiner Leibeigenen die Hochzeitsnacht mit deren Ehefrauen zu verbringen

Ius summum saepe summa est malitia.

Das auf die Spitze getriebene Recht wird zum höchsten Unrecht.

Anmerkung: Später von Cicero in De officiis aufgegriffen

Iustitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuendi.

Gerechtigkeit ist der beharrliche Wille, jedem das Seine zu geben.

Iustitia et clementia.

Durch Gerechtigkeit und Milde.

Hintergrund: Wahlspruch Maria Theresias

Iustitia fundamentum regnorum.

Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Reiche (bzw. Staaten).

Hintergrund: Wahlspruch von Kaiser Franz I. von Österreich

Iustitia regnorum fundamentum.

Gerechtigkeit (ist) das Fundament der Königreiche.

Herkunft: ein Wahlspruch von Franz I. von Habsburg

Iustus enim fide vivit.

Der Gerechte lebt durch den Glauben.

Hintergrund: Der Satz gewann zentrale Bedeutung in der reformatorischen Theologie Martin Luthers und wurde zu einem Grundgedanken der Rechtfertigungslehre.
Anmerkung: Die Formulierung wird im Neuen Testament mehrfach aufgegriffen, insbesondere in Römer 1,17, Galater 3,11 und Hebräer 10,38.
Herkunft: Habakuk 2,4

Kalos pherein chra symphoras ton eugena.

Der Edle muss sein Schicksal würdig tragen.

Herkunft: Sprichwort

Labor improbus omnia vincit.

Masslose Arbeit besiegt alles.

Labor ipse voluptas.

Die Arbeit selbst ist ein Vergnügen.

Lacrimae Christi.

Die Tränen Christi.

Herkunft: hochprozentiger Wein aus dem Gebiet um den Vesuv; aus der Lacrima-Traube gekeltert

Lapsus calami.

Versehen des Schreibrohres.

Schreibfehler

Lapsus linguae.

Fehler der Zunge.

Sprechfehler; Versprecher

Lapsus memoriae.

Fehler des Gedächtnis

Herkunft: Gedächtnisfehler

Laterna magica.

Zauberlaterne.

Herkunft: Projektionsapparat des 17.Jh., der für Bühnenaufführungen verwendet wurde; projizierte Diapositive und filmähnliche Sequenzen

Laudatio.

Lobrede

Laudator temporis acti.

Ein Lobredner vergangener Zeit.

Laus in amore mori.

Ein Ruhm ist es, in der Liebe zu sterben (oder: In der Liebe zu sterben ist eine Ehre)

Die bedingungslose Hingabe an die Liebe bis in den Tod ist als etwas Edles und Erstrebenswertes anzusehen. Der Liebestod verleiht dem Leben einen erhabenen Sinn.

Hintergrund: Das Gedicht entstand im augusteischen Rom des späten 1. Jahrhunderts v. Chr. und ist dem Kunstförderer Maecenas gewidmet. Properz lehnt darin die epische Dichtung über Kriege und politische Taten ab und erklärt seine Geliebte Cynthia zu seiner einzigen Inspirationsquelle. Mit der Umdeutung des Begriffs laus (Ruhm), der traditionell nur für militärische oder politische Erfolge im Dienst des Staates reserviert war, setzt der Dichter die absolute Hingabe an die Liebe als Gegenentwurf zu den gesellschaftlichen Erwartungen seiner Zeit.
Anmerkung: Original: "Laus in amore mori: laus altera, si datur uno / posse frui amore." (Ein Ruhm ist es, in der Liebe zu sterben; ein weiterer Ruhm, wenn es gegeben ist, sich einer einzigen Liebe erfreuen zu können.)
Herkunft: Buch 2, Elegie 1, Vers 47

Lege artis.

Nach den (= allen) Regeln der Kunst.

Lege et fide.

Durch Gesetz und Glauben.

Herkunft: ein Wahlspruch von Franz II. von Habsburg

Legere enim et non intellegere neglegere est.

Denn Lesen und nicht verstehen ist nachlässig sein.

Legi, intellexi, condemnavi.

Ich habe gelesen, begriffen, verdammt.

Hintergrund: Der römische Kaiser Julian soll diese Worte im 4. Jahrhundert an christliche Bischöfe gerichtet haben, nachdem er deren Schriften gelesen hatte.

Legibus idcirco omnes servimus, ut liberi esse possimus.

Den Gesetzen dienen wir alle deshalb, damit wir frei sein können.

Legitime certantibus.

Mit den ehrlich Kämpfenden.

Hintergrund: Wahlspruch von Ferdinand II. von Habsburg

Lente hora, celeriter anni.

Langsam vergeht die Stunde, doch schnell die Jahre.

Levior est rerum quam temporis iactura.

Leichter ist der Verlust von Dingen, als jener von Zeit zu ertragen.

Lex non promulgata non obligat.

Ein nicht bekanntgemachtes Gesetz verpflichtet nicht.

Herkunft: Römischer Rechtssatz

Licentia poetica

Dichterische Freiheit.

Limbus patrum

Der Rand der Väter

Ein Aufenthaltsort für die als gerecht geltenden Menschen des Alten Testaments (wie Abraham, Moses, König David, aber auch Adam und Eva), die vor der Geburt Jesu starben und daher noch nicht erlöst waren. Dieser Bereich war nur vorübergehend. Der katholischen Lehre zufolge befreite Jesus Christus nach seinem Tod am Kreuz diese Seelen und nahm sie mit in den Himmel. Der Limbus patrum existiert daher nicht mehr.

Limbus puerorum

Der Rand der Kinder

Das Gebiet am Rande der Hölle; die Vorhölle. Ein theoretisches Konstrukt für die Seelen von ungetauft verstorbenen Säuglingen und Kleinkindern. Da sie vor der Taufe starben, waren sie nach traditioneller Auffassung mit der Erbsünde belastet, konnten aber aufgrund ihres Alters keine eigenen, persönlichen Sünden begehen. Diese Vorstellung ist keine offizielle kirchliche Lehre mehr. Der theologische Konsens geht heute davon aus, dass Gott barmherzig ist und auch ungetaufte Kinder in die ewige Seligkeit aufnimmt. Eine internationale theologische Kommission hat dieses Modell in einem Dokument aus dem Jahr 2007 als „entbehrlich“ und überholt erklärt.

Litterae non erubescunt.

Papier ist geduldig.

Litterarum radices amares esse, fructus iucundiores.

Die Wurzeln der Wissenschaft sind bitter, (um so) süsser die Früchte

Herkunft: Cato

Loco citato

Am angeführten Ort (Abk. loc. cit.)

Loco sigilli

An der Stelle des Siegels

Stelle in einer Kopie eines Schriftstückes, an der in der Originalurkunde das Siegel angebracht ist. (Abk. L. S.)

Loculus clarius numquam tinnit.

Lauter die Kassen nie klingen.

Hochphasen des Konsums und der Umsätze im Handel (zB. Vorweihnachtszeit)

Locus minoris resistentiae

Ort des geringeren Widerstandes

Longum iter est per praeceptis, breve et efficax per exemplis.

Lang ist der Weg durch Vorschriften, kurz und wirksam durch Beispiele.

Lucem demonstrat umbra.

Erst der Schatten zeigt das Licht.

Lupus in fabula

Der Wolf in der Fabel

Unerwartetes Erscheinen dessen, von dem man gerade spricht. Im Deutschen ausgedrückt als “Wenn man den Esel nennt, kommt er g’rennt.” oder “Wenn man vom Teufel spricht…”

Lux doctrinarum

Leuchte der Wissenschaft

Lypas hiatros estin anthropois chronos.

Ein Arzt für die Trauer ist die Zeit für den Menschen.

Herkunft: Sprichwort

Magna cum laude

Mit grossem Lob

Herkunft: Prüfungsnote, zweitbeste Beurteilung bei Promotionen an Universitäten

Magnum vectigal est parsimonia.

Sparsamkeit ist eine grosse Einnahmequelle.

Male parta male dilabuntur.

Wie gewonnen, so zerronnen.

Manu propria

Eigenhändig

vorrangig genutzt bei Schriftstücken (Abk. m.pr.)

Manum de tabula!

Hand (weg) vom Bild!

Berühren verboten!

Herkunft: nach Plinius d.Ä.

Manus manum lavat.

Eine Hand wäscht die andere.

Anmerkung: Im lateinischen Sprachraum taucht das Zitat erstmals im 1. Jahrhundert n.Chr. bei Seneca auf, der den Gedanken in seinem Werk Apocolocyntosis festhielt

Mater dolorosa

Schmerzensreiche Mutter

Herkunft: Nach dem Marienhymnus aus dem 13. Jh.: Stabat mater dolorosa

Materia medica.

Arzneimittellehre; Arzneischatz

Maxima debetur puero reverentia.

Höchste Ehrerbietung schuldet man dem Knaben.

Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.

Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergrosse Schuld.

Formel des Sündenbekenntnisses (Confiteor) der katholischen Messe

Mea parvitas

Meine Wenigkeit

Media vita in morte sumus.

Inmitten des Lebens sind wir vom Tode umfangen.

Medicina soror philosophiae.

Die Medizin ist die Schwester der Philosophie.

Medicus curat, natura sanat.

Der Arzt behandelt, die Natur heilt.

Medio tutissimus ibis.

In der Mitte wirst du am sichersten gehen.

Memento mori.

Gedenke des Todes.

etwas, das den Menschen an seinen eigenen Tod bzw. seine Sterblichkeit erinnert

Hintergrund: Wahlspruch mehrerer Mönchsorden

Memorandum

Das Erwähnenswerte

eine Denkschrift, eine (politische) Stellungnahme

Memoria minuitur, nisi eam exerceas.

Das Das Gedächtnis nimmt ab, wenn man es nicht übt.

Mens sana in corpore sano.

Gesunder Geist in gesundem Körper

verkürzt nach Juvenal, siehe “Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano.” (Originalversion)

Miles gloriosus

Prahlerischer Krieger.

Maulheld; Angeber

Herkunft: Titel einer Komödie des Plautus

Militat omnis amans.

Jeder Liebende führt Krieg (oder: Jeder Liebende ist ein Soldat).

Der Satz vergleicht die Mühen, Gefahren und strategischen Anstrengungen eines Verliebten (wie nächtliches Wachen, Überwinden von Hindernissen, Ausdauer und Disziplin) mit den Pflichten und Entbehrungen eines Soldaten im Kriegsdienst.

Hintergrund: Das um 16 v. Chr. veröffentlichte Werk entstand im augusteischen Rom, in dem der Kriegsdienst (militia) eine zentrale Bürgerpflicht des Adels und der römischen Identität darstellte. Ovid bricht hier ironisch mit diesem traditionellen Pflichtgefühl, indem er das etablierte Motiv der militia amoris (des Liebeskriegsdienstes) auf die Spitze treibt und die Liebesbeziehung als den eigentlich anspruchsvolleren und edleren Dienst darstellt. Diese offene Relativierung militärischer und staatlicher Werte stand in direktem Widerspruch zu den sittlichen Erneuerungsbestrebungen des Kaisers Augustus.
Anmerkung: "Militat omnis amans, et habet sua castra Cupido; / Attice, crede mihi, militat omnis amans." (Jeder Liebende führt Krieg, und Amor hat sein eigenes Lager; Atticus, glaube mir, jeder Liebende führt Krieg.)
Herkunft: Buch 1, Gedicht 9, Vers 1

Militem aut monachum facit desperatio.

Den Soldaten wie den Mönch erzeugt die Verzweiflung.

Hoffnungs- und Ausweglosigkeit führen eine Person entweder in die Offensive (Soldat) oder in die innere Emigration (Mönch)

Herkunft: Mittelalterliches Sprichwort

Mille modi Veneris.

Tausend Arten der Venus

Der Ausdruck beschreibt die Vielfalt der sexuellen Stellungen, Liebespraktiken und erotischen Möglichkeiten.

Hintergrund: Das Werk entstand um das Jahr 1 v. Chr. im augusteischen Rom, einer Epoche, in der Kaiser Augustus versuchte, durch strenge Ehe- und Sittengesetze (Leges Iuliae) die traditionelle Moral wiederherzustellen. Ovids eleganter, ironischer und bisweilen freizügiger Lehrgott-Ratgeber für Liebende stand im krassen Widerspruch zu dieser staatlichen Kulturpolitik. Die Ars amatoria trug letztlich dazu bei, dass Ovid im Jahr 8 n. Chr. vom Kaiser nach Tomis (am Schwarzen Meer) verbannt wurde.
Anmerkung: Volltext des Zitats: "Mille modi veneris; simplex et minima labor est / cum iacet in faciem pulchra puella latus." (Es gibt tausend Arten der Liebe; die einfachste und müheloseste ist es, wenn das schöne Mädchen auf der Seite liegt.)
Herkunft: Buch 3, Vers 771

Minima non curat praetor.

Um Kleinigkeiten kümmert sich der Richter (auch Feldherr, Politiker) nicht.

Herkunft: Römischer Rechtssatz nach Callistratus

Misera plebs

Armseliges Volk

Modus operandi

Verfahrensweise, Art und Weise des Handelns

Modus procedendi.

Vorgangsweise, Art und Weise des Vorgehen

Modus vivendi

Die Art, (miteinander) zu leben.

Auskommen miteinander, auch oder obwohl man unterschiedlicher Meinung ist.

Molestiam devorare.

Verdruss hinunterschlucken.

In den sauren Apfel beissen.

Momentum super celeritatem

Momentum über Geschwindigkeit

Stetiger Fortschritt und kontinuierliche Verbesserung führen langfristig meist weiter als kurzfristige Höchstgeschwindigkeit.

Hintergrund: Modernes Motto in neulateinischer Form. Einer der Leitgedanken bei der Entwicklung von NOX-QUOTES.

Mors certa, hora incerta.

Der Tod ist gewiss, die Stunde nicht.

Herkunft: Quelle unbekannt, Inschrift auf frühneuzeitlichen Uhren

Mors certa, ultima latet.

Der Tod ist gewiss, die letzte Stunde bleibt dem Menschen verborgen.

Herkunft: Quelle unbekannt, Inschrift auf frühneuzeitlichen Uhren

Mors ianua vitae.

Der Tod ist das Tor zum Leben.

Mors innotescit repedante latrone per horas.

Der Tod offenbart sich als stündlich wiederkehrender Räuber.

Mors ipsa refugit saepe virum.

Der Tod hielt sich oft von diesem Manne fern.

Herkunft: Pharsalia

Mortalium negotia fortuna versat.

Der Sterblichen Geschicke wendet das Glück.

Mos maiorum.

Brauch von alters her.

Herkunft: altrömische Redewendung

Mox nox.

Bald kommt die Nacht.

Mulier taceat in ecclesia.

Das Weib schweige in der Kirche.

Herkunft: Empfehlung des Apostels Paulus an die Korinther

Multa enim Deus per angelos fecit et facit et facturus est que vicarius Dei, Petri successorm faere non posset.

Gott hat vieles durch Engel bewirkt, bewirkt es noch und wird es bewirken, was der Stellvertreter Gottes, der Nachfolger Petri, nicht bewirken kann.

Anmerkung: Buch III,6,6
Herkunft: Monarchia

Multi multum dicunt.

Viele reden vieles.

Multum, non multa.

Viel, nicht vielerlei.

eine Sache soll gründlich erledigt werden und nicht man soll sich dabei nicht in vielen Dingen verzetteln

Weitere Bedeutung: Spezialisierung in einem Fach statt oberflächlichem, breit gefächertem Wissen
Herkunft: Epistulae

Mundus vult decipi, ergo decipiatur.

Die Welt will betrogen sein, also werde sie betrogen.

Herkunft: Spruch aus dem 15. oder 16. Jh.; der Teil “ergo decipiatur” soll von Paracelsus stammen; berühmt zitiert von S.Brant, Narrenschiff

Mutare posse

Sich verändern können

Die Phrase beschreibt die prinzipielle Wandelbarkeit, Anpassungsfähigkeit oder Instabilität einer Sache, einer Situation oder des menschlichen Wesens.

Hintergrund: Obwohl die zweiwörtliche Formulierung kein geschütztes historisches Diktum darstellt, berührt sie ein zentrales Thema der antiken Philosophie, insbesondere den kinetischen Kosmos von Heraklit („Alles fließt“) und die stoische Akzeptanz des stetigen Wandels des Schicksals. Römische Autoren wie Ovid zeigten in ihren Werken auf epische Weise, dass alles Existierende der Veränderung unterworfen ist (Omnia mutantur). In der modernen Verwendung, insbesondere im Kontext von Management, IT und agilen Arbeitsweisen, wird die Phrase oft als lateinisch klingendes Motto für Flexibilität, Change Management oder allgemein Anpassungsfähigkeit eingesetzt.
Anmerkung: Es gibt keine antike Urheberschaft für diese Phrase als eigenständiges Zitat. Sie taucht in klassischen Texten lediglich als regulärer Satzbestandteil auf (z. B. bei Seneca oder in juristischen Texten im Sinne von „eine Meinung oder einen Vertrag ändern können“). Als isolierter Leitspruch gehört sie in den Bereich der modernen Projektfolklore.

Mutata res, mutata sententia

Veränderte Sache, veränderte Meinung (oder: Geänderte Umstände, geänderte Ansicht)

Der Satz bringt zum Ausdruck, dass eine Änderung der objektiven Faktenlage, der Rahmenbedingungen oder der Situation natürlicherweise auch eine Anpassung der eigenen Meinung, Beurteilung oder Haltung erfordert.

Hintergrund: Der zugrundeliegende Gedanke greift ein klassisches Prinzip der antiken Rhetorik und Ethik auf, wonach ein kluger Mensch (oder Politiker) seine Ansichten den wandelnden Zeiten und Notwendigkeiten anpassen muss (tempori cedere). Im römischen Recht korrespondiert diese Logik mit der Klausel clausula rebus sic stantibus, nach der Verträge bei einer grundlegenden Änderung der Verhältnisse angepasst werden können. Die Zuspitzung zu dem vorliegenden Parallelismus entstand vermutlich im Zuge der frühneuzeitlichen Rechtswissenschaft oder Universitätsphilosophie, um den logischen Zusammenhang zwischen veränderter Realität und intellektueller Flexibilität auf den Punkt zu bringen.
Anmerkung: Es gibt keine historisch belegte Einzelperson, die als Urheber dieser Phrase gilt. In modernem Projektmanagement, agilem Software Development oder Organisationsentwicklung wird der Satz gelegentlich ironisch oder pragmatisch zitiert.
Herkunft: Die Wendung ist in dieser exakten, komprimierten Formulierung in der klassischen antiken Literatur oder den antiken Rechtsquellen nicht direkt belegt. Sie stellt eine sprichwörtliche juristische und philosophische Sentenz dar, die in der Neuzeit als prägnante Formel für Flexibilität oder opportunistische Verhaltensänderungen geprägt wurde.

Mutatis mutandis.

Nachdem man das Auszuwechselnde ausgewechselt hat.

nach den in diesem Falle erforderlichen Änderungen; unter Berücksichtigung der individuellen Verhältnisse

Mutato nomine de te fabula narratur!

Mit anderem Namen handelt von dir die Geschichte!

Du bist gemeint! bzw. "Du erkennst Dich selbst darin wieder! Es wird typischerweise verwendet, wenn jemand über Fehler, Schwächen oder Verhalten Dritter spricht (zB. in Fabelform), aber tatsächlich sein Gegenüber oder gar sich selbst meint.

Anmerkung: Karl Marx zitiert Horaz prominent im Vorwort seines Hauptwerks "Das Kapital"

Nam vitiis nemo sine nascitur; optimus ille est, qui minimis urgetur.

Denn kein Mensch wird ohne Fehler geboren; der beste ist der, welcher von den geringsten bedrückt wird.

Herkunft: Satirae

Nasci, laborare, mori.

Geboren werden, arbeiten, sterben.

Natura non facit saltus.

Die Natur macht keine Sprünge.

Hintergrund: Das philosophische Konzept hinter dem Zitat stammt bereits aus der Antike und wird u.a. auch Aristoteles zugeschrieben.
Anmerkung: Die Idee, dass Entwicklungen in der Natur nicht revolutionär, sondern evolutionär, stammt von Aristoteles und findet sich in ähnlicher Form bei den Philosophen des 17. und 18. Jh.

Naturalia non sunt turpia.

Natürliche Dinge sind keine Schande.

Herkunft: Euripides

Navigare necesse est, vivere non est necesse.

Schifffahrt treiben ist notwendig, leben ist nicht notwendig.

Hintergrund: Pompeius’ Seeleute wollten infolge eines Unwetters ihr Leben nicht aufs Spiel setzen und wurden mit diesem Spruch konfrontiert.
Anmerkung: Überliefert wurde der Ausspruch durch den griechischen Schriftsteller Plutarch in dessen Biografie über Pompeius.

Ne bis in idem.

Nicht zweimal über dasselbe (urteilen)!

Keine Doppelbestrafung

Anmerkung: angeblich alter römischer Rechtssatz, der wohl erst später so ausformuliert wurde; soll auf Demosthenes zurückgehen
Herkunft: römischer Rechtssatz

Ne quid nimis!

Nicht zu sehr!

Halte Mass in allem!

Anmerkung: Das griechische Original stand auf dem Apollotempel in Delphi und wird Solon zugeschrieben, die lateinische Fassung stammt von Terenz (Publius Terentius Afer) (2.Jh.v.Chr.)

Ne ventis verba profundam.

Damit ich nicht in den Wind spreche.

Nec cor nec caput habet.

Er hat weder Herz noch Kopf.

Herkunft: Apocolocyntosis

Nec puero gladium.

Das Schwert ist nicht für den Knaben (bestimmt).

Nec scire fas est omnia.

Nicht alles zu wissen ist erlaubt; Man soll nicht alles wissen.

Nec soli cedit.

Selbst der Sonne weicht er nicht.

Hintergrund: Wahlspruch von Brandenburg-Preussen

Nec tecum possum vivere nec sine te.

Weder mit dir noch ohne dich kann ich leben.

Nemo ante mortem beatus.

Niemand ist vor seinem Tode glücklich (zu preisen).

Anmerkung: überliefert durch Herodot

Nemo in amore videt.

Niemand sieht in der Liebe.

Liebe macht blind.

Herkunft: Properz

Nervus rerum.

Der Nerv der Dinge.

Geld

Herkunft: Demosthenes; vielfach in der Antike gebraucht; bekannt zitiert durch Kaiser Heinrich V. (1081-1125)

Nescit amor leges.

Die Liebe kennt keine Gesetze.

Die Liebe ist eine so starke Naturgewalt und Emotion, dass sie nicht an gesellschaftliche Regeln, rationale Gesetze oder moralische Vorschriften gebunden ist – und diese daher durchaus überschreitet.

Hintergrund: Das zugrundeliegende Werk von Boethius entstand um 524 n. Chr. im Kerker während des Niedergangs des Weströmischen Reiches unter der Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich. In einer Zeit des politischen Umbruchs und persönlicher Ohnmacht reflektierte der Autor über die Ohnmacht des Menschen gegenüber Schicksal und kosmischen Mächten wie der Liebe. Im Epochenübergang zur Scholastik und im höfischen Mittelalter wurde diese Sentenz aufgegriffen, um die unbezwingbare, oft tragische Natur der minniglichen Leidenschaft gegenüber dem strengen kirchlichen und weltlichen Recht zu betonen.
Anmerkung: Das Zitat wird in populären Sammlungen fälschlicherweise häufig den klassischen Dichtern Ovid oder Vergil zugeschrieben; in deren überlieferten Werken existiert die exakte Formulierung „Nescit amor leges“ jedoch nicht. Eine sehr ähnliche Formulierung findet sich bei Claudian (De raptu Proserpinae, 2, 6): „Nescit amor magnis cedis.“
Herkunft: Buch 3, Metrum 12

Nihil ex nihilo.

Nichts (entsteht) aus nichts.

Herkunft: Boethius

Nihil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit.

Nichts ist so schwierig, als dass es nicht erforscht werden könnte.

Herkunft: Heautontimorumenos

Nil admirari.

Sich über nichts wundern; Sich durch nichts aus der Fassung bringen lassen. Nichts leidenschaftlich begehren.

Herkunft: Epistulae

Nil desperandum

Nichts ist zu verzweifeln (oder: Man darf nicht verzweifeln / Niemals verzagen)

Ein Ausdruck des Zuspruchs, des Mutes und der Zuversicht in schwierigen oder ausweglosen Situationen. Er mahnt dazu, die Hoffnung nicht zu verlieren und trotz widriger Umstände standhaft zu bleiben.

Hintergrund: Horaz legte diese Worte in den Mund des mythologischen Helden Teukros, der nach seiner Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg von seinem Vater aus der Heimat Salamis verbannt wurde und seine Gefährten zur Suche nach einem neuen Land ermutigte. Geschrieben im augusteischen Rom des späten 1. Jahrhunderts v. Chr., reflektiert die Ode nach den jahrzehntelangen verheerenden römischen Bürgerkriegen das allgemeine Bedürfnis nach Trost, stoischer Resignation und neuem Vertrauen in die Zukunft. Das Zitat feiert die Fähigkeit des Menschen, das Schicksal durch Tapferkeit und weisen Gleichmut zu meistern.
Anmerkung: Original: „Nil desperandum Teucro duce et auspice Teucro“ (Nichts ist zu verzweifeln unter Teukros' Führung und Teukros' Vorzeichen). Der Satz löste sich im Laufe der Jahrhunderte aus seinem mythologischen Kontext und wurde zu einer weltweit verbreiteten, eigenständigen Redewendung.
Herkunft: Buch 1, Ode 7, Vers 27

Nolens volens (fecit)

Nichtwollend wollend (etwas machen)

Etwas machen müssen, egal ob man will oder nicht.

Noli me tangere!

Rühre mich nicht an!

Anmerkung: Ausspruch Jesu zu Maria Magdalena nach der Auferstehung. In der Botanik Bezeichnung für das Waldspringkraut und volkstümlich für die Schamhafte Mimose.
Herkunft: Johannes 20,17

Noli turbare circulos meos!

(Zer-)Störe meine Kreise nicht!

Dringe nicht in meinen Privatbereich vor! Das ist meine Sache!

Hintergrund: Archimedes zu einem römischen Soldaten, der bei der Einnahme von Syracus (212 v.Chr.) versuchte die in den Sand gezeichneten geometrischen Figuren zu verwischen. Daraufhin wurde Archimedes getötet.
Herkunft: Archimedes

Nomen atque omen.

Der Name ist (zugleich) Vordeutung.

Herkunft: Plautus, in einer Dichtung in der eine Sklavin mit dem Namen Lucris (=Gewinn) gekauft werden soll.

Nomen est omen.

Der Name ist (zugleich) Vordeutung.

Herkunft: Plautus, in einer Dichtung in der eine Sklavin mit dem Namen Lucris (=Gewinn) gekauft werden soll.

Nomina sunt odiosa.

Namen sind verpönt.

Herkunft: Pro Cluentio

Nomiz' adelphous tous alathinous philous.

Halte für Brüder die wahren Freunde.

Herkunft: Sprichwort

Non cum perfectis hominibus vivitur.

Man lebt nicht mit vollkommenen Menschen, man muss die Menschen nehmen wie sie sind.

Non curator, qui curat.

Wer sich zu grosse Sorgen macht, kann kein höheres Amt anstreben.

Non ducor, duco.

Ich werde nicht geführt, ich führe.

Der Spruch drückt absolute Autonomie, Führungsanspruch, Unabhängigkeit und Entschlossenheit aus. Er besagt, dass man sich nicht von anderen lenken oder fremdbestimmen lässt, sondern selbst die Initiative ergreift und die Richtung vorgibt.

Hintergrund: Das Motto spiegelt den historischen Stolz und die ökonomische sowie politische Vorreiterrolle der Region São Paulo innerhalb Brasiliens wider, insbesondere während der Epoche der sogenannten República Velha. Die Einwohner, die Paulistas, verstanden sich historisch durch die Expeditionen der Bandeirantes (Entdecker und Pioniere) und den späteren Kaffeeboom als die treibende wirtschaftliche Kraft, die das gesamte Land anführt, anstatt sich von der Zentralregierung lenken zu lassen. Der lateinische Spruch fasst diesen kollektiven Pioniergeist und Unabhängigkeitsanspruch in klassischer, prägnanter Form zusammen.
Anmerkung: Der Satz wird häufig fälschlicherweise antiken Stoikern oder Generälen zugeschrieben, was historisch nicht stimmt. Inhaltlich verwandt ist eine Passage aus Ciceros Briefen (Ad Atticum), in denen ähnliche Formulierungen über das Führen und Geführtwerden im politischen Kontext vorkommen, jedoch nicht in dieser komprimierten Formulierung.
Herkunft: Die Phrase ist in dieser exakten Form in der klassischen antiken lateinischen Literatur nicht als eigenständiges Zitat belegt. Berühmt wurde sie vor allem als historischer Wappenspruch und offizielles Motto der brasilianischen Metropole São Paulo, das im Jahr 1917 von Afonso d'Escragnolle Taunay entworfen wurde.

Non ex quovis ligno fit Mercurius.

Nicht aus jedem Holz kann man einen Merkur schnitzen.

Nicht jeder kann berühmt werden.

Non mortem timemus, sed cogitationem mortis.

Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung des Todes.

Herkunft: Epistulae

Non multa, sed multum.

Nicht vielerlei treiben, sondern eine Sache intensiv und genau; vgl.: “Multum, non multa”.

Non omnia possumus omnes.

Nicht alles können wir alle.

Herkunft: Saturnalium conviviorum libri

Non plus ultra.

Nicht darüber hinaus.

Unübertreffliches; nicht mehr steigerbar

Herkunft: Pindar (5.Jh.v.Chr.), der empfahl, nicht über die Säulen des Herakles hinauszusegeln.

Non possumus.

Wir können (es ja) nicht.

Herkunft: Apostelgeschichte 4,20

Non scholae, sed vitae discimus.

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

Anmerkung: “Non vitae, sed scholae discimus.” ist das Ursprungszitat, in dem Seneca zum Ausdruck bringen wollte, dass man in der Schule zu viel Überflüssiges lehren würde.
Herkunft: Epistulae

Non sum qualis eram.

Ich bin nicht mehr der, der ich war.

Herkunft: Oden

Non vivere, sed valere vita.

Leben heisst nicht, am zu Leben sein, sondern gesund zu sein.

Non WordPress, sed qualitati laboramus.

Nicht für Wordpress, für die Qualität arbeiten wir!

Wir schaffen Wert, der für sich steht. Unabhängig von der Plattform, auf der dieser Wert zugänglich gemacht wird.

Hintergrund: In der gesamten Entstehungsgeschichte des Projekts nox-quotes stand im Vordergrund, eine qualitativ hochwertige, händisch kuratierte Wissensbasis für Zitat- und Sprichwortschätze zu schaffen. Die technische Umsetzung folgte stets dem Nutzen, niemals umgekehrt.

Nondum clivum exsuperavimus.

Wir sind noch nicht über den Berg.

Nondum omnium dierum sol occidit.

Es ist noch nicht aller Tage Abend.

Nosce te ipsum.

Erkenne dich selbst.

Hintergrund: Ursprünglich stammt der Spruch aus dem Altgriechischen („Gnothi seauton“ / Γνῶθι σεαυτόν) und war am Eingang zum Apollontempel im Orakel von Delphi eingemeißelt.
Anmerkung: Das Zitat wird auch Sokrates, Platon und weiteren, teils späteren Philosophen zugeordnet. Für Sokrates ging es nicht nur um das Erkennen der eigenen Grenzen, sondern darüber hinaus um kritische Selbstreflexion als Grundvoraussetzung für ein wahrhaftiges, tugendhaftes Leben.

Nova Totius Terrarum Sive Novi Orbis Tabula (orig. “Nova Totius Terrarom Sive Novi Orbis Tabula, auct. G. Blaeu & …”

Eine neue (Karte) aller Länder, sowie/oder eine Karte der neuen Welt.

Herkunft: Titelleiste einer Weltkarte aus dem 17. Jahrhundert. Ein Replikat ist in Form eines 10k Teile Puzzles an der Wohnzimmerwand des Nox Vobiscum! HQ zu besichtigen.

Novarum rerum cupidus.

Neuer Dinge begierig.

neugierig; modern abwertend für: neuerungssüchtig; revolutionär

Herkunft: De bello Gallico

Nox vobiscum!

Die Nacht sei mit Euch!

Herkunft: Angelehnt an den liturgischen Gruß “Pax vobiscum!” der katholischen Kirche (lat. “Friede sei mit Euch”, vgl. Lukas 24,36).

Nuda veritas.

Die nackte Wahrheit.

Herkunft: Oden

Nulla dies sine linea.

Kein Tag ohne klare Linie. Nur mit Übung kommt man zum Erfolg.

Hintergrund: Der griechische Maler Apelles übte jeden Tag seine Maltechnik durch das Ziehen einer langen Linie.
Anmerkung: überliefert nach Plinius.

Nulla dilatio.

Kein Aufschub!

Nulla fere causa est, in qua non femina litem moverit.

Kaum eine Angelegenheit gibt es, in der die Frau nicht Streit erregt.

Nulla poena sine lege.

Keine Strafe ohne Gesetz.

ein Angeklagter darf nur dann verurteilt werden, wenn sein Verhalten zum Tatzeitpunkt strafbar war

Herkunft: Rechtsgrundsatz, am Beginn des 18.Jh. in Deutschland formuliert

Nulla salus bello, pacem te poscimus.

Kein Heil (liegt) im Kriege, um Frieden bitten wir dich alle.

Herkunft: Aeneis

Nullum est iam dictum, quod non sit dictum prius.

Es gibt nichts (mehr), das nicht schon früher gesagt ist.

Herkunft: Eunuch

Nullum magnum ingenium sine mixtura dementiae fuit.

Nie hat es einen grossen Geist ohne eine Beimischung von Wahnsinn gegeben.

Herkunft: De tranquillitate animi

Nullus est liber tam malus, ut non aliqua parte prosit.

Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht irgendwie nützlich sein könnte.

Anmerkung: Überliefert wurde es durch seinen Neffen, Plinius dem Jüngeren, in dessen Briefesammlung (Epistulae 3, 5, 10). Ihm zufolge sei es der Lieblingsspruch seines Onkels gewesen (Wortlaut: "Dicere etiam solebat nullum esse librum tam malum, ut non aliqua parte prodesset.", dt. "Er pflegte sogar zu sagen, kein Buch sei so schlecht, dass es nicht in irgendeiner Hinsicht nützen könnte").

Numerus clausus

Geschlossene Anzahl

Zahlenmässig beschränkte Zulassung zu einer Ausbildung oder einen Beruf

Nunc est bibendum.

Jetzt muss man trinken.

Das Heben oder Anstoßen der Trinkgefäße (zuprosten), etwa nach einer Rede oder einem Trinkspruch

Nunc vino pellite curas!

Vertreibt nun mit Wein die Sorgen!

Herkunft: Oden

Nutrimentum spiritus.

Nahrung des Geistes.

Herkunft: Inschrift der ehemaligen Königlichen Bibliothek in Berlin

O dulce nomen libertatis!

O süsser Name Freiheit!

O mater pulchra filia pulchrior!

O Tochter, die du noch schöner bist als deine schöne Mutter!

O sancta simplicitas!

O heilige Einfalt!

Herkunft: Jan Hus (1370-1415) zugeschriebenes Zitat, der dies rief, als eine übereifrige Frau Holz für seinen Scheiterhaufen brachte. Später ironischer Ausspruch des Erstaunens über Einfältigkeit und Dummheit; zitiert auch durch Mephisopheles in Goethes Faust I.

O tempora, o mores!

O Zeiten, o Sitten!

Obsequium amicos, veritas odium parit.

Nachgiebigkeit macht Freunde, Wahrheit erzeugt Hass.

Oderint, dum metuant.

Mögen sie mich hassen, wenn sie nur Angst vor mir haben.

Anmerkung: Von Caligula als Wahlspruch verwendet und durch Sueton überliefert.

Odi et amo

Ich hasse und ich liebe.

Der Ausdruck beschreibt den Zustand extremer emotionaler Ambivalenz, bei dem zwei völlig gegensätzliche, intensive Gefühle – Hass und Liebe – gleichzeitig gegenüber derselben Person empfunden werden und das lyrische Ich quälen.

Hintergrund: Catull schrieb im 1. Jahrhundert v. Chr. in der Spätphase der Römischen Republik, einer Zeit des politischen Verfalls und des gesellschaftlichen Umbruchs. Als führender Kopf der Neoteriker (einer Gruppe junger Dichter) wandte er sich von der traditionellen römischen Staatsdichtung ab und erhob das persönliche Erleben sowie das private Gefühlsleben zum zentralen Thema seiner Poesie. Das Gedicht reflektiert seine leidenschaftliche, von Untreue und Enttäuschungen geprägte Beziehung zu einer verheirateten Frau der römischen Oberschicht, die er in seinen Werken unter dem Pseudonym „Lesbia“ besingt.
Anmerkung: Das vollständige zweizeilige Epigramm lautet: „Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris? / Nescio, sed fieri sentio et excrucior.“ (Ich hasse und ich liebe. Warum ich das tue, fragst du vielleicht? Ich weiß es nicht, aber ich fühle, dass es geschieht, und ich werde gequält.)
Herkunft: Carmen 85

Odi profanum vulgus et arceo.

Ich will vom Pöbel nichts wissen und halte ihn mir fern.

Herkunft: Oden

Ohe iam satis!

Halt ein, schon genug!

Mir reicht’s!

Oleum addere camino.

Öl ins Feuer giessen.

Herkunft: Werk

Oleum et operam perdidi.

Öl und Mühe habe ich verschwendet.

Omne animal post coitum triste.

Jedes Lebewesen ist nach dem Geschlechtsverkehr traurig.

Gemeint ist das Phänomen der postkoitalen Dysphorie, also das Gefühl von Melancholie, Mattigkeit oder auch Ernüchterung, das biologisch und psychologisch auf den Orgasmus folgen kann.

Hintergrund: In der antiken Medizin und Naturphilosophie, insbesondere bei Aristoteles und später bei Galen, wurde der Zeugungsakt stark unter energetischen und humoralpharmakologischen Aspekten untersucht. Man ging davon aus, dass der Samenerguss den Körper lebenswichtiger Geister und Wärme beraubt, was eine temporäre Erschöpfung und Abkühlung des Organismus zur Folge hat. Die Sentenz spiegelt somit den antiken Versuch wider, den physiologischen und psychischen Umschwung von ekstatischer Lust zu lethargischer Erschöpfung naturphilosophisch zu erklären.
Anmerkung: Das Diktum basiert motivisch auf einer Passage des antiken Arztes Galen (2. Jahrhundert n. Chr.), der eine verlorene Schrift des Philosophen Aristoteles zitiert: „Triste est omne animal post coitum, praeter mulierem gallumque“ (Traurig ist jedes Lebewesen nach dem Geschlechtsverkehr, ausgenommen das Weib und den Hahn). Die verkürzte Formel „Omne animal post coitum triste“ ist in dieser Form erst in der neuzeitlichen medizinischen und philosophischen Literatur greifbar. Die prägnante, absolute Formulierung „Omne animal post coitum triste“ existiert so in keinem überlieferten antiken Originaltext. Häufig wird die Phrase in der Literatur um den Zusatz „… ut si dicam“ oder um die oben genannte Ausnahme (Hahn und Weib) ergänzt. Die populäre Zuschreibung an Galen ist zwar inhaltlich durch seine Kommentare gedeckt, die exakte lateinische Sentenz ist jedoch ein frühneuzeitliches Produkt dieser Rezeption.

Omne principium difficile.

Aller Anfang ist schwer.

Anmerkung: Gleichbedeutend mit "Omne principium grave." ist es die etwas weiter verbreitete Version. Sie bezieht sich tendenziell auf die Mühseligkeit oder Kompliziertheit am Anfang einer Aufgabe, eines Projekts oder eines Lernprozesses.

Omne principium grave.

Aller Anfang ist schwer.

Anmerkung: Gleichbedeutend mit "Omne principium difficile." ist es die etwas weniger verbreitete Version. Sie beschreibt tendenziell den Ernst, die schwerwiegende Bedeutung des Anfang(en)s. Das Wort "grave" verleiht dem Sprichwort eine würdevolleren Konnotation. Sie wird auch in philosophischen oder literarischen Werken eher benutzt.

Omnes vulnerant, ultima necat.

Alle (Stunden) verwunden, die letzte tötet.

Omnia mea mecum porto.

Ich trage all das Meine bei mir.

Anmerkung: nach dem Philosophen Bias von Pirene (einer der Sieben Weisen) dessen Heimatstadt zerstört wurde. Er wollte damit ausdrücken, dass sein wahrer Besitz in den geistigen Fähigkeiten liegt. Modern auch gerne zitiert als “Sapiens omnia sua secum portat.”

Omnia metitur tempus, sed metior ipsum.

Alles misst die Zeit, doch sie selbst wird von mir gemessen.

Omnia praeclara rara sunt.

Alles Vortreffliche ist selten.

Omnia vincit amor.

Alles besiegt die Liebe.

Omnium rerum homo mensura est.

Aller Dinge Mass ist der Mensch.

Omnium rerum principia parva sunt.

Aller Dinge Anfang ist klein.

Onus est honos.

Eine Bürde ist die Würde.

Opes regum corda subditorum.

Die Liebe der Untertanen ist der Schatz der Könige.

Herkunft: ein Wahlspruch von Leopold II. von Habsburg

Opinio communis

Die allgemeine Meinung

Opus

Werk

Anmerkung: Häufig im Kontext künstlerischer oder kreativer Werke genutzt

Ora et labora, (Deus adest sine mora).

Bete und arbeite, (Gott steht (dir) unverzüglich bei)!

Herkunft: Ordensregel der Benediktiner unbekannter Herkunft

Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano.

Man sollte darum beten, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist sei.

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.

Anmerkung: Juvenal beklagte sich damit über seine Zeitgenossen, die sich von den Göttern auch die banalsten Dinge erflehten. Er selbst war der Meinung, dass es alleine bei den Göttern liege, was sie einem gewähren. In den Satirae soll ein Gladiator neben dem gestählten Körper auch geistige Fähigkeiten besitzen.

Orator pro domo

Redner in eigener Sache

Orbis pictus

Gemalte Welt

Die Welt in Bildern

Oscula qui sumpsit, si non et cetera sumet, haec quoque, quae data sunt, perdere dignus erit.

Wer Küsse genommen hat und sich das übrige nicht nimmt, der sollte verlieren, was ihm gegeben wurde.

Otium cum dignitate.

Musse mit Würde.

Ehrenvoller Ruhestand.

Herkunft: Pro Sestio

Oudeis net' orgas asphalos bouleutai.

Niemand berät sicher im Zorn.

Herkunft: Sprichwort

Pacere subiectis et debellare superbos.

Die Unterworfenen schonen und die Übermütigen niederkämpfen.

Herkunft: Aeneis

Pacta sunt servanda.

Verträge müssen eingehalten werden.

Anmerkung: Der Rechtsgrundsatz bildet die Grundlage für das ganze Zivil-, Wirtschafts-und Völkerrecht.
Herkunft: Antikes Rom, der genau lateinische Satz stammt aus dem Kirchenrecht des 12. Jahrhunderts.

Panem et circenses.

Brot und Spiele.

Anmerkung: Juvenal wollte ausdrücken, dass Gratisrationen und seichte Unterhaltung die einzigen Interessen seiner Zeitgenossen sind und sie folglich nicht mehr für Politik zu begeistern sind.
Herkunft: Satirae

Panta rhei.

Alles fließt.

Berühmtes philosophisches Sinnbild, das für den unaufhörlichen Wandel und die ständige Veränderung der Welt steht.

Anmerkung: Der Ausspruch ist nicht wörtlich überliefert, er beschreibt vielmehr prägnant das dahinterstehende philosophische Konzept

Par nobile fratrum!

Ein sauberes (oder feines) Brüderpaar!

Herkunft: Satirae

Pars leonis

Löwenanteil

Herkunft: alte Redensart, gemeint ist der größere oder überwiegende Anteil

Pars pro toto

Ein Teil für das Ganze

Anmerkung: Begriff der Sprachlehre, der besagt, dass ein Teil eines Ganzen das Ganze charakterisiert, z.B. Hände für Menschen oder Kiel für Schiff.

Parturiunt montes, nascitur ridiculus mus.

Berge kreissen, doch geboren wird eine lächerliche Maus.

Herkunft: Ars poetica

Passim

Da und dort

Hinweis im Register eines wissenschaftlichen Werkes, dass der entsprechende Begriff im gesamten Buch wiederholt aufscheint.

Pater noster

Vater unser

Gebet der katholischen Kirche, u.a. auch Bezeichnung für umlaufende Liftanlagen in Häusern (mittlerweile ungebräuchlich bzw. verboten) oder umlaufende Förderbänder; benannt nach dem Rosenkranzgebet (vgl. Paternoster)

Pater patriae.

Vater des Vaterlandes; ein Ehrentitel

Pater, peccavi (in caelum et coram te).

Vater, ich habe gesündigt (gegen den Himmel und vor dir).

Anmerkung: der verlorene Sohn bei der Rückkehr zu seinem Vater
Herkunft: Lukas 15,18

Paternoster

Vaterunser

Gebet der katholischen Kirche, u.a. auch Bezeichnung für umlaufende Liftanlagen in Häusern (mittlerweile ungebräuchlich bzw. verboten) oder umlaufende Förderbänder; benannt nach dem Rosenkranzgebet (vgl. Pater noster)

Patriae in serviendo consumor.

Ich verzehre mich im Dienste für mein Vaterland.

Herkunft: alter Spruch; besonders bekannt durch Otto von Bismarck

Pauper studiosus sum, peto te viaticum.

Ich bin ein armer Student und bitte um eine Wegzehrung.

Herkunft: mit diesem Sprüchlein erhielten wandernde Studenten in früheren Tagen Verköstigung in Pfarrhöfen

Pauperis est numerare pecus.

Nur der Arme zählt sein Vieh.

Paupertas mordet.

Armut tut weh.

Paupertas non est probro.

Armut schändet nicht.

Pax est tranquillitas ordinis.

Der Friede ist die Ruhe der Ordnung.

Pax tecum!

Der Friede sei mit dir!

Hintergrund: Liturgischer Gruss der katholischen Kirche nach dem Gruss, den Jesus nach seiner Auferstehung an die Jünger richtete; entspricht in etwa dem hebräischen Schalom.
Herkunft: Lukas 24,36

Pax vobiscum!

Der Friede sei mit euch!

Hintergrund: Liturgischer Gruss der katholischen Kirche nach dem Gruss, den Jesus nach seiner Auferstehung an die Jünger richtete; entspricht in etwa dem hebräischen Schalom.
Herkunft: Lukas 24,36

Pecunia non olet.

Geld stinkt nicht.

Hintergrund: Der römische Kaiser Vespasian erhob eine Steuer auf das Einsammeln von Urin. Kritikern an der so genannten "Urinsteuer" (darunter sein Sohn Titus) soll er die Münzen unter die Nase gehalten und den berühmten Spruch geprägt haben.
Anmerkung: Sueton dokumentiert den Ausspruch in seinen Kaiserbiografien "De vita Caesarum" in der "Vita Vespasiani". Auch Cassius Dio berichtet in seiner "Historia Romana" davon.

Per aspera ad astra.

Durch das Rauhe zu den Sternen

Der Weg zum Erfolg ist steinig.

Anmerkung: Die Phrase wird oft als Wahlspruch, Lebensmotto oder als Wappenspruch genutzt (etwa von Universitäten, der NASA oder als militärisches Motto)

Per pedes (apostolorum).

Zu Fuss (wie ein Apostel nach dem Aussendungsauftrag Jesu).

Per procura

mit der Vollmacht eines Prokuristen (Abk. pp(a))

Herkunft: Rechtslatein, über das Italienische in das Deutsche gelangt

Per tot discrimina rerum.

Durch so viele Gefahren.

Hintergrund: Wahlspruch von Maximilian I.

Pereant!

Sie mögen zugrunde gehen!

Perge!

Mach' weiter!

Periculum in mora.

Gefahr (ist) im Verzug.

Perpetuum mobile

Das dauernd Bewegliche

Maschine, die – im Widerspruch zu den Naturgesetzen – imstande sein soll, Arbeit ohne Energiezufuhr zu verrichten.

Anmerkung: die Idee lässt sich bis ins 12.Jh. zurückverfolgen, die konkrete Bezeichnung stammt aus dem 17.Jh.; bezeichnet auch ein schnell gespieltes Instrumentalstück mit kleinen Notenwerten

Persona grata

Willkommene Person.

Herkunft: Diplomatie

Persona gratissima

Höchst willkommene Person.

Herkunft: Diplomatie

Persona ingrata

Unwillkommene Person

Herkunft: Diplomatie

Philippica.

Donnernde Strafrede

Philippis iterum me videbis!

Bei Philippi wirst du mich wiedersehen!

Dir wird es genau so schlecht ergehen!

Anmerkung: berühmt zitiert durch Shakespeare; diesen Ausspruch soll Caesars Geist seinem Mörder Brutus kundgetan haben. Nach der verlorenen Schlacht bei Philippi beging dieser Selbstmord und folgte damit Caesar ins Totenreich.
Herkunft: Bellum civile

Pia desideria

Fromme Wünsche

Herkunft: Titel einer Schrift des Jesuiten H.Hugo

Pia fraus

Frommer Betrug

Herkunft: Metamorphosen

Pietate et concordia

Durch Frömmigkeit und Eintracht.

Herkunft: ein Wahlspruch von Leopold II. von Habsburg

Pietate et iustitia

Mit Frömmigkeit und Gerechtigkeit

Hintergrund: Wahlspruch von Ferdinand III. von Habsburg

Placet

Es gefällt, ist recht.

Herkunft: zustimmende Aussage von Fürsten

Plenus venter non studet libenter.

Ein voller Bauch studiert nicht gern.

Herkunft: mittelalterlicher Reim auf ein vermutlich griechisches Sprichwort

Plus ultra

Immer weiter

Hintergrund: Wahlspruch von Karl V.

Poenam non sentio mortis. Poena fuit vita, requies mihi morte parata est.

Ich verspüre nicht die Strafe des Todes. Die Strafe war das Leben, der Tod hat mir die Erlösung gebracht. (Grabesinschrift)

Poeta laureatus

Lorbeergeschmückter Dichter.

Poeta nascitur, orator fit.

Zum Dichter muss man geboren sein, zum Redner kann man sich ausbilden.

Hintergrund: Die antike rhetorische Theorie, die von Rotterdam in dem Zitat in verkürzter Form darstellt, besagt, dass dichterisches Genie und Talent für Poesie nicht nur angeboren, sondern sogar göttlich inspiriert seien, wohingegen die Redekunst (Rhetorik) mehr Handwerk sei, das durch gute Ausbildung erlernbar sei.

Poetis mentiri licet.

Den Dichtern ist es gestattet sich etwas auszudenken.

Pontifex Maximus.

Oberster Brückenbauer

Oberster Priester; Bezeichnung für den Papst

Porta Patens esto, nulli claudatur honesto.

Dies Tor soll jedem offensteh’n, der ehrbar will durch selbes geh’n.

Herkunft: Spruch über Torbögen (z.B. am Eingangstor des Stiftes Kremsmünster/OÖ)

Post Christum natum

Nach Christi Geburt. (Abk. p.Chr.n. bzw. deutsch: n.Chr.)

Post festum.

Nach dem Feste.

zu spät; nachträglich

Hintergrund: Ursprünge der Redewendung finden sich bereits im antiken Rom, später auch im mittelalterlichen Kirchenlatein

Post laborem requies.

Nach der Arbeit die Ruhe.

etwas freier übersetzt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Post mortem

Nach dem Tode. (Abk. p.m.)

Post nubila Phoebus.

Nach den Wolken die Sonne.

Post scriptum

Nachschrift (Abk. P.S.)

Potius sero quam numquam.

Lieber spät als nie.

Herkunft: Ab urbe condita.

Praeceptor Germaniae

Lehrer Deutschlands

Herkunft: Ehrender Beiname für hervorragende Persönlichkeiten Deutschlands. Erstmals verliehen an den Humanisten und Theologen Philipp Melanchthon (1497-1560), der die Universitäten und Lateinschulen reformierte

Praemissis praemittendis.

Vorauszusetzendes vorausgesetzt.

Titel oder Angaben, die einfach weggelassen werden. (Abk. p.p.)

Praeter propter

ungefähr, in etwa

Praeter speciem sapit.

Er ist klüger, als er aussieht.

Prima facie

Beim ersten Anschein.

Primo loco

An erster Stelle

Primum vivere, deinde philosophari.

Erst leben, dann philosophieren.

Primus inter pares.

Erster unter Gleichen

Ranghöchster einer Gruppe ohne besondere Vorrechte

Principiis consentit exitus.

Wie der Anfang, so das Ende.

Principiis obsta!

Widerstehe den Anfängen!

Anmerkung: auch bekannt als “Wehre(t) den Anfängen!”
Herkunft: Remedia amoris

Privilegium maius

Grosser Freiheitsbrief

Herkunft: Name der 1359 auf Veranlassung von Rudolph IV. gefälschten Urkunde um Sonderrechte Österreichs zu begründen; Kaiser Friedrich III. erkannte sie 1453 an

Privilegium minus

Kleiner Freiheitsbrief

Herkunft: Name der 1156 von Kaiser Friedrich Barbarossa ausgestellten Urkunde, wonach Österreich in den Rang eines eigenständigen Herzogtums erhoben wurde

Pro anno

Für das Jahr

auf das Jahr gerechnet; jährlich (Abk. p.a.)

Anmerkung: “pro anno” und “per anno” werden im deutschen Sprachgebrauch häufig synonym benutzt. Der Unterschied ist tatsächlich marginal (wörtlich übersetzt bedeutet “pro anno” “für das Jahr”, “per anno” bedeutet “durch das Jahr”)

Pro captu lectoris habent sua fata.

Für die Einsicht des Lesers haben Bücher ihre Schicksale.

Je nach Auffassungsgabe oder je nachdem wie es die Leser auffassen

Herkunft: Carmen heroicum

Pro domo

Für das eigene Haus

In eigener Sache.

Anmerkung: nach der Rückkehr aus dem Exil hielt Cicero diese Rede um sein konfisziertes Haus zurückzubekommen.
Herkunft: De domo sua

Pro Ecclesia et Pontifice

Für Kirche und Papst

Herkunft: Name eines 1887 gestifteten päpstlichen Verdienstordens

Pro et contra

Für und wider.

Pro forma

Anstelle der Form.

Nur der Form halber; zum Schein.

Pro Helvetia

Für die Schweiz.

Herkunft: 1939 gegründete ARGE zur Förderung der Schweizer Kultur

Pro Iuventute

Für die Jugend.

Anmerkung: Name der 1912 gegründeten ursprünglich schweizerischen Stiftung für Jugendschutz und -fürsorge

pro memoria

zum Gedächtnis (Abk.: p.m.)

pro mille

je Tausend (Abk.: p.m.)

Pro Patria

Für’s Vaterland

Herkunft: gern gedroschene Phrase in Kriegszeiten

Pro patria est, dum ludere videmur.

Dem Vaterland gilt es, (auch) wenn wir (nur) zu spielen scheinen.

Herkunft: Theoderich der Grosse, nach Cassiodor

pro tempore (Abk.: p.t.)

vorläufig, für jetzt

Pro titulo

An Stelle des Titels. (Abk. p.t.)

Procul a Iove, procul a fulmine.

Weit von Iuppiter, weit vom Blitz.

Providebit Deus.

Gott wird schützen.

Hintergrund: Wahlspruch von Maximilian II. von Habsburg

Proximus sum egomet mihi.

Ich bin mir selbst der Nächste.

Herkunft: Andria

Pulcherrimē in summam redactum.

Aufs Schönste auf den Punkt gebracht (oder: Wunderschön zusammengefasst).

Hintergrund: Da kein konkreter antiker Ursprung nachweisbar ist, gibt es keinen spezifischen zeitgenössischen Kontext der Antike. Der sprachliche Gestus entspricht jedoch dem Bildungsideal der antiken Rhetorik, in der die brevitas (Kürze und Prägnanz) neben der ornatus (Schönheit der Rede) als höchste Tugend eines Redners oder Schriftstellers galt. In der Neuzeit und im modernen Arbeitsumfeld wird die Wendung gelegentlich als lobendes Urteil über gelungene Berichte, Abstracts oder Präsentationen verwendet.
Anmerkung: Die Formulierung wird aufgrund ihrer Bedeutung im heutigen Sprachgebrauch, insbesondere beim Zusammenfassen von komplexen Aufgabenstellungen, Management Summaries, oder im Bereich der akademischen Bildung eingeordnet.
Herkunft: Die Phrase ist in dieser isolierten Form in der klassischen antiken lateinischen Literatur nicht als eigenständiges, kanonisches Zitat belegt. Es handelt sich um eine grammatikalisch korrekte lateinische Formulierung, bei der das Partizip redactum (von redigere – zurückbringen, bringen zu) mit der Wendung in summam (in eine Gesamtheit, auf den Kern) kombiniert wird.

Punctum saliens.

Der springende Punkt.

Der Kern einer Aussage

Anmerkung: Aristoteles beschreibt darin das Herz eines werdenden Vogels im Ei als einen Punkt, der springt und sich bewegt wie ein Lebewesen.
Herkunft: Historia animalium

Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat; quae ferrum non sanat, ignis sanat; quae vero ignis non sanat, insanabilia reputari oportet.

Was Arzeneien nicht heilen, heilt das Messer; was das Messer nicht heilt, heilt das Brennen; was aber Brennen nicht heilt, das muss als unheilbar betrachtet werden.

Anmerkung: Berühmt wurde der Spruch durch Friedrich Schiller als Motto in “Die Räuber”

Quae nocent, docent

Was schadet, belehrt.

Durch Schaden wird man klug

Quae volumus, credimus libenter.

Was man wünscht, das glaubt man gern.

Quaeris cur nolim te ducere, Galla? Diserta es. saepe soloecismum mentula nostra facit.

Du fragst, warum ich dich nicht heiraten will, Galla? Du bist gebildet (beredsam). Mein Schwanz macht oft Grammatikfehler (Solözismus).

Ein satirisch-obszönes Epigramm, das die intellektuelle Überlegenheit einer Frau der sexuellen Leistungsfähigkeit oder Schüchternheit des Mannes gegenüberstellt. Der Witz beruht auf dem sprachlichen Wortspiel des "Grammatikfehlers" (soloecismus) im sexuellen Kontext – er impliziert ein Versagen, einen Fehler beim "Akt" oder die Befürchtung des Mannes, vor einer so eloquenten Frau sexuell oder intellektuell bloßgestellt zu werden.

Hintergrund: Das elfte Buch der Epigramme wurde im Jahr 96 n. Chr. veröffentlicht, unmittelbar nach dem Sturz und der Ermordung des tyrannischen Kaisers Domitian. Unter der neuen Herrschaft von Kaiser Nerva genoss Martial eine wiedergewonnene Zensurfreiheit, was sich in einer bewussten Rückkehr zu besonders freizügigen, satirischen und obszönen Themen des römischen Alltagslebens niederschlug. Das Gedicht karikiert zudem die gesellschaftliche Konvention der Oberschicht, in der hochgebildete Frauen (doctae puellae) von manchen traditionellen Männern als einschüchternd oder unpassend für eine Ehe empfunden wurden.
Herkunft: Epigramm 11, 19

Qualis artifex pereo!

Welch ein Künstler geht in mir zugrunde!

Hintergrund: Der Ausspruch Neros wird von Sueton in seiner Biografie Neros (De vita Caesarum, "Nero, 49,1) überliefert

Qualis dominus, talis et servus

Wie der Herr, so auch der Sklave

Anmerkung: In Österreich auch gerne ausgedrückt in “Wie der Herr, so’s des G’scherr.”
Herkunft: Satyrikon, 66 n.Chr.

Qualis rex, talis grex

Wie der König, so die Herde

Herkunft: Volksmund

Qualis vir, talis oratio.

Wie der Mann, so seine Rede.

Quam veterrumus homini optumus est amicus.

Wie der älteste (Freund), so ist der Menschheit bester Freund.

Je älter ein Freund ist, desto besser ist er für den Menschen. Alte, langjährige Freundschaften sind die wertvollsten und verlässlichsten. Sie haben sich über die Zeit hinweg bewährt und besitzen das tiefste Vertrauen.

Hintergrund: Plautus war einer der frühesten und erfolgreichsten Komödiendichter des antiken Roms (ca. 254–184 v. Chr.). Seine Stücke basierten auf der griechischen Neuen Komödie, wurden aber für das römische Publikum mit derbem Volkswitz und Alltagssprache („Altlatein“, daher die Formen veterrumus statt veterrimus und optumus statt optimus) adaptiert. In diesem Werk thematisiert das Stück gesellschaftliche Laster und menschliche Beziehungen, wobei traditionelle Weisheiten oft humorvoll oder zynisch in den Dialogen der Figuren verarbeitet werden.
Anmerkung: In modernen Zitatsammlungen wird der Satz oft in klassisches Latein angepasst (veterrimus, optimus) oder fälschlicherweise als allgemeines, anonymes Sprichwort gelistet, obwohl der Ursprung im altlateinischen Originaltext der Komödie verankert ist.
Herkunft: Akt 1, Szene 1, Vers 171 (V. 171: „nam equidem hercle opinor, / quam veterrumus homini optumus est amicus.“)

Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant.

Ob sie (die Frösche) auch unter Wasser sind, so versuchen sie dennoch zu schimpfen.

Quandoque bonus dormitat Homerus.

Zuweilen schläft sogar der grosse Homer.

Herkunft: Ars poetica

Quem di diligunt, adulescens moritur.

Jung stirbt, wen die Götter lieben.

Anmerkung: häufig widergegeben als “Nur die Besten sterben jung.”

Qui amant, ipsi sibi somnia fingunt.

Die, die lieben, erdichten sich selbst die Träume.

Herkunft: Eclogae

Qui non aemulatur, non amat.

Wer nicht eifersüchtig ist, der liebt auch nicht.

Qui suo iure utitur, nemini facit iniuriam.

Wer sein ihm zustehendes Recht anwendet, tut niemand unrecht.

Herkunft: römischer Rechtssatz

Qui tacet, consentire videtur.

Wer schweigt, scheint zuzustimmen.

Anmerkung: In zeitgenössischen Rechtssystemen gilt dieser Grundsatz nicht oder gilt als widerlegt. Schweigen wird nicht grundsätzlich als Willenserklärung oder Zustimmung gewertet, sondern wird rechtlich als ein Nullum betrachtet.
Herkunft: Der Ursprung des Rechtsgrundsatzes stammt ursprünglich aus dem kanonischen Recht (Recht der katholischen Kirche)

Quia ergo femina.

Weil ich also eine Frau bin

Herkunft: Auszug aus De Sancta Maria: “Quia ergo femina mortem instruxit clara virgo illam interemit, et ideo est summa benedictio in feminea forma prae omni creatura, quia Deus factus est homo in dulcissima et beata virgine.” (dt. Den Tod, den eine Frau gebracht, hat eine Jungfrau überwunden. So ruht der höchste Segen vor jeder Kreatur auf der Gestalt der Frau. Denn Gott ist Mensch geworden in einer Jungfrau, einzig geliebt und gesegnet.)

Quid agis, diligenter agas.

Was immer du tust, mache es sorgfältig.

Quid iuvat aspectus, si non conceditur usus?

Was hilft der Anblick, wenn man ihn nicht geniessen darf?

Quid sit futurum cras, fuge quaerere!

Was morgen sein wird, das versuche nicht zu ergründen!

Frage nicht, was morgen kommen wird!

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

Was du tust, das tue klug und bedenke das Ende.

Herkunft: Jesus Sirach 7,40

Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.

Was auch immer das sein mag, ich fürchte die Danaer, wenn sie Geschenke bringen.

Hüte dich vor den Danaern, wenn sie Geschenke bringen.

Anmerkung: Ursprung des Begriffs “Danaergeschenk” (gefährliches oder unheilstiftendes Geschenk). Der Priester Laokoon spricht diese Worte in Vergils Aeneis (Buch II, Verse 48-49): "[…] equo ne credite, Teucri. quicquid id est, timeo Danaos et dona ferentis.” (“Traut nicht dem Pferde, Trojaner! Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen.”)
Herkunft: Buch II, Vers 48-49

Quilibet praesumitur bonus, donec probatur contrarium.

Jeder wird von vornherein als unschuldig betrachtet, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Herkunft: Römischer Rechtssatz

Quinctili Vare, legiones redde!

Quinctilius Varus, gib mir die Legionen wieder!

Anmerkung: häufig zitiert als “Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!”

Quis custodit custodes?

Wer bewacht die Wächter?

Herkunft: In Juvenals Satire lässt ein eifersüchtiger Ehemann seine Frau durch einen Sklaven bewachen

Quis leget haec?

Wer wird das lesen?; Wer liest das schon?

Herkunft: Satirae

Quo vadis, Domine? Venio Romam iterum crucifigi.

Wohin gehst du, Herr? Ich gehe nach Rom, mich ein zweites Mal kreuzigen zu lassen.

Herkunft: Der Legende nach soll Christus dem aus Rom fliehenden Petrus erschienen sein; bei diesem Anlass seien dann die zitierten Worte gewechselt worden.

Quod deus bene vertat.

Dazu gebe Gott seinen Segen.

Quod enim ab omnibus communiter dicitur, impossibile est totaliter falsum.

Was von allen gemeinsam gesagt wird, das kann unmöglich vollständig falsch sein.

Quod erat demonstrandum.

Was zu beweisen war. (Abk. q.e.d.)

Anmerkung: Anwendung: Bei einer Beweisführung am Schluss hinzugefügte Bemerkung.
Herkunft: Euklid (um 300 v.Chr.), der jeden seiner Beweise so beendete, um zu zeigen, dass die Beweisführung geglückt war

Quod erat expectandum.

Was zu erwarten war. (Abk. q.e.e.)

Quod libet.

Was beliebt.

Bezeichnung für Lehrveranstaltungen an der Universität, die eine Diskussion über beliebige Themen beinhalteten.

Weitere Bedeutung: In der Musik eine scherzhafte Kompositionsform, bei der verschiedene Melodien mit verschiedenen Texten zu einem mehrstimmigen Tonsatz verknüpft werden. Bedeutung 3: Ein Kartenspiel
Anmerkung: auch als “Quodlibet” geläufig

Quod licet Iovi, non licet bovi.

Was dem Iuppiter erlaubt ist, das ist (noch lange) nicht einem Ochsen gestattet.

Herkunft: unbekannt, jedoch wahrscheinlich aus dem Mittelalter und durch die Lateinschulen einem breiten Publikum ein Begriff

Quod non est in actis, (id) non est in mundo.

Was nicht in den Akten ist, existiert nicht in der Welt.

Für das Urteil darf nur die Aktenlage verwendet werden, d.h. der Richter soll ohne Einfluss von aussen agieren.

Weitere Bedeutung: Im Zivilprozess soll der Richter einer Partei nicht mehr zusprechen, als diese gefordert hat.
Herkunft: Rechtsgrundsatz, wohl im Mittelalter formuliert

Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini.

Was (früher) die Barbaren nicht getan haben, haben (nun) die Barbarini getan.

Herkunft: Spott auf Papst Urban VIII. aus der Familie der Barberini, da er aus der Bronzeverkleidung des Pantheons in Rom den Tabernakel der Peterskirche und Geschütze giessen liess. Angespielt wird auf die barbarische Verwüstung Roms 455 n.Chr. durch die Vandalen, die die Stadt zwar geplündert, die Kunstwerke jedoch an ihrem Platz gelassen hatten

Quod optimum, idem iucundissimum.

Das Beste ist das Angenehmste.

Herkunft: ein Wahlspruch von Albrecht I. von Habsburg

Quod quis per alium fecit, ipse fecisse putatur.

Wer etwas durch jemand anderen machen lässt, ist trotzdem dafür haftbar.

Quod scripsi, scripsi.

Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Hintergrund: Pontius Pilatus’ Antwort auf die Forderung der jüdischen Priester, die von ihm verfasste Inschrift am Kreuze Christi (INRI) abzuändern.
Anmerkung: Heute wird die Redewendung im übertragenen Sinne verwendet. Es wird damit ausgedrückt, dass man zu einem gefällten Beschluss oder einer Entscheidung steht und keine nachträgliche Änderung oder Korrektur zulässt.
Herkunft: Johannesevangelium (Joh 19,22)

Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod estis.

Was wir sind, werdet ihr sein. Was ihr seid, waren wir einst.

Herkunft: Römische Grabinschrift

Quod tibi fieri non vis, alteri non feceris.

Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu.

Anmerkung: Der Gedanke hinter dem Zitat ist vermutlich mehrere Jahrtausende alt. Konkrete Quellen sind: Konfuzius wird ca. 500 v.Chr.in abgewandelter Form zitiert („Was du selbst nicht wünschst, das tue auch nicht anderen Menschen an“). Im Judentum (Altes Testament / Tora) findet sich im Buch Tobit (Tob 4,15) die negativ formulierte Version: „Was du nicht willst, dass man dir tue, das tue auch keinem anderen an.“ Im Neuen Testament” findet sich in der Bergpredigt das von Jesus positiv formulierte Prinzip „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Matthäus 7,12). In der Biografie des römischen Kaisers Severus Alexander (der von 222 bis 235 n. Chr. regierte) wird berichtet, dass der Kaiser diesen Spruch liebte. Er ließ ihn demnach als architektonische Inschrift an seinem Palast und an öffentlichen Gebäuden anbringen.
Herkunft: Historia Augusta

Quorum

Von welchen

Anzahl der zu einer Beschlussfassung erforderlichen Mitglieder einer Körperschaft

Quos Deus perdere vult, dementat prius.

Wen Gott verderben will, dem verblendet er den Verstand.

Hintergrund: neulateinische Übersetzung antiker römischer und griechischer Gedanken
Anmerkung: Im Wortlauf taucht die Redewendung erstmals im 17. Jahrhundert auf, populär wurde sie in englischsprachigen Werken des 19. Jahrhunderts

Quos ego!

Euch werd’ ich…!

Quot capita, tot sensus.

Soviele Köpfe, soviele Meinungen.

Herkunft: Satirae

Quot homines, tot sententiae.

Soviele Köpfe, soviele Ansichten.

Herkunft: Phormio

Quot servi, tot hostes.

So viele Sklaven jemand hat, so viele Feinde hat er auch.

Quousque tandem, Catilinia, abutere patientia nostra?

Wie lange noch, Catilina, willst du unsere Geduld missbrauchen?

Rara avis.

Seltener Vogel.

Bezeichnet eine Person, die durch Exzentrik, Originalität oder durch eine seltene Kombination aus Talenten hervorsticht

Anmerkung: Exzerpt der Vollversion “Rara avis in terris, nigroque simillima cygno” (“Ein seltener Vogel auf Erden und einem schwarzen Schwan sehr ähnlich”)

Raro senex mutat sententiam.

Ein alter Mann ändert nur selten seine Meinung.

Recipe!

Nimm! (Abk. Rp.)

Herkunft: findet sich auf (pharmazeutischen bzw. ärztlichen) Rezepten

Recta tueri.

Das Rechte schützen.

Hintergrund: Wahlspruch von Ferdinand I. dem Gütigen

Redibo, tu numquam.

Ich werde wiederkehren, du niemals.

Redivivus.

Wiedererstanden(er)

Reformatio in peius.

Abänderung zum Schlechteren

Verböserung, ein Rechtssatz im Instanzenzug

Regna nisi magna latrocinia.

Staaten (sind) nichts anderes als grosse Räuberbanden.

Relata refero.

Ich gebe nur wieder, was man mir berichtet hat

Ich garantiere nicht für die Richtigkeit der Quelle.

Herkunft: Herodot

Rem tene, verba sequentur.

Halte dich an die Sache, die Worte werden dann schon folgen.

Repetitio est mater studiorum.

Die Wiederholung ist die Mutter der Studien.

Übung macht den Meister.

Requiescat in pace.

Er (sie, es) ruhe in Frieden. (Abk. R.I.P.)

Herkunft: Häufige Grabinschrift in Verbindung mit Psalm 4,9 nach der Vulgata; Die Formel gibt es auch am Ende der katholischen Totenmesse.

Rerum cognoscere causas.

Der Dinge Grund erkennen.

Anmerkung: Leitspruch der Berliner Zeitung “Der Tagesspiegel”

Reservatio mentalis.

Gedankenvorbehalt.

Ridendo dicere verum.

Lachend die Wahrheit sagen.

Rigorosum

Das Strenge

“Strenges Examen”; in Österreich und der Schweiz die Bezeichnung für die kommissionelle mündliche Doktorprüfung (Deutschland: “Disputation”)

Rite.

Ordnungsgemäss; bestanden

Prüfungsnote

Rivalem possum non ego ferre Iovem.

Als Nebenbuhler kann ich selbst Iuppiter nicht ertragen.

Roma aeterna.

Das ewige Rom.

Roma locuta, causa finita.

Rom hat gesprochen, die Sache (ist) beendet.

Anmerkung: Augustinus meinte dies in einem sehr engen Sinn und nicht im Geiste eines päpstlichen Lehrprimats

Romam cuncta undique atrocia aut pudenda confluunt celebranturque.

In Rom fliessen von überall her alle Schrecklichkeiten und Laster zusammen und werden verherrlicht.

Romanus vincit sedendo.

Der Römer siegt im Sitzen.

Rorate coeli.

Tauet, Himmel.

Eingangsgesang der katholischen Messliturgie am vierten Adventsonntag. Eine Rorate ist ausserdem eine katholische Frühmesse im Advent zu Ehren der Mutter Gottes.

Rota Romana.

Römisches Rad.

Name des höchsten Gerichtshofes der katholischen Kirche, der etwa angerufen werden kann, um kirchlich geschlossene Ehen annullieren zu lassen.

Rubrum.

Das Rote

Sachbezeichnungen an Aktenstücken.

Anmerkung: Quelle des dt. Wortes “Rubrik”

Salus populi suprema lex.

Das Wohl des Volkes (ist) das oberste Gesetz.

Sancta simplicitas!

Heilige Einfalt!

Hintergrund: Der tschechische Reformator Hus soll die Worte 1415 gerufen haben, als er auf dem Scheiterhaufen stand und sah, wie eine fromme alte Frau in religiösem Eifer weiteres Holz ins Feuer warf
Anmerkung: In der zeitgenössischen Verwendung bringt das Zitat zum Ausdruck, wie fassungslos man darüber ist, wie naiv und/oder unreflektiert Menschen handeln, die blind einer Ideologie folgen oder sich der Tragweite ihrer eigenen Handlungen nicht bewusst sind

Sapere aude!

Wage es deinen Verstand zu gebrauchen!

Sapienti sat.

Dem Verständigen genügt’s.

Ein kluger oder gebildeter Mensch benötigt bei einem bestimmten Sachverhalt keine weiteren Erklärungen, um ihn zu verstehen.

Anmerkung: Die vollständige Formulierung lautet im Original "Ah, dictum sapienti sat est“ (dt. „Ah, für den Klugen/den Weisen ist genug gesagt“). Eine verkürzte Version des Ausspruchs findet sich auch bei Plautus in seinem Stück "Persa"

Scilicet.

Versteht sich; natürlich. (Abk. scil.)

Scire leges non hoc est verba earum tenere, sed vim ac potestatem.

Die Gesetze zu kennen heisst nicht, sich an ihren Wortlaut zu halten, sondern an ihren Sinn und Zweck.

Der Sinn von Gesetzen besteht nicht darin, sie wortwörtlich auszulegen, sondern ihnen einen zweckgerichteten Sinn zu geben; vgl. hierzu “Nicht an den Buchstaben des Gesetzes kleben.”

Herkunft: römischer Rechtsgrundsatz nach P. Iuventius Celsus

Sed omnes una manet nox et calcanda semel via leti.

Doch alle erwartet die eine Nacht und der Weg des Todes, den man nur einmal betritt.

Semper aliquid haeret.

Irgendetwas bleibt immer hängen.

Selbst wenn Anschuldigungen widerlegt werden oder haltlos sind, bleibt in den Köpfen der Menschen oft ein negativer Eindruck bestehen.

Anmerkung: Das Zitat wird oft in der vollständigen Form „Audacter calumniare, semper aliquid haeret“ (lat. für “Verleumdühn nur dreist, es bleibt immer etwas hängen”) gebraucht. Erstmals als Sprichwort dokumentiert 1623 vom englischen Philosophen Francis Bacon in seinem Werk De dignitate et augmentis scientiarum.
Herkunft: De dignitate et augmentis scientiarum

Semper idem.

Immer das Gleiche.

Herkunft: Xanthippe, Tusculanae disputationes

Senatus Populusque Romanus.

Senat und Volk von Rom. (Abk. S.P.Q.R.)

Senectus ipsa morbus.

Das Alter selbst ist schon eine Krankheit.

Serius aut citius sedem properamus in unam.

Ob langsam oder schnell: Wir gehen alle zu dem selben Ruhesitz.

Sero molunt deorum molae.

Die Mühlen der Götter mahlen spät.

Gottes Mühlen mahlen langsam, sprich Göttliche Gerechtigkeit lasse zuweilen auf sich warten, komme am Ende jedoch unausweichlich und umfassend.

Servus servorum Dei.

Knecht der Knechte Gottes

Herkunft: Selbstbezeichnung der Päpste seit Papst Gregor d.Gr. und als Äquivalent zum “ökumenischen Patriarchen” von Konstantinopel gebraucht

Si Deus pro nobis, quis contra nos?

Ist Gott für uns, wer wird wider uns sein?

Herkunft: Römer 8,31

Si moror, morior.

Wenn ich verweile, sterbe ich.

Herkunft: alter Wappenspruch

Si non vis intellegi, non debes legi.

Wenn du nicht verstanden werden willst, brauchst du auch nicht gelesen zu werden.

Si sol deficit, nemo me respicit.

Fehlt die Sonne, beachtet mich niemand.

Si tacuisses, philosophus mansisses.

Wenn du geschwiegen hättest, hättest du das Ansehen eines Philosophen behalten.

Reden ist Silber, schweigen ist Gold

Herkunft: Trost der Philosophie

Si vis amari, ama!

Wenn du geliebt werden willst, liebe!

Um Zuneigung und Liebe von anderen zu erhalten, muss man selbst bereit sein, Liebe und Herzlichkeit zu geben. Liebe ist keine Einbahnstraße.

Hintergrund: Seneca verfasste die Briefe an Lucilius in seinen letzten Lebensjahren (ca. 62–65 n. Chr.), nachdem er sich vom Hof des unberechenbaren Kaisers Nero zurückgezogen hatte. In dieser Zeit der politischen Isolation und philosophischen Reife reflektierte er intensiv über stoische Tugenden, wahre Freundschaft und menschliche Unabhängigkeit. Das Zitat dient ihm in diesem Brief dazu, zu zeigen, dass ein Weiser zwar autark ist, aber dennoch Freunde sucht – nicht aus Eigennutz, sondern um die Tugend der Liebe und Freundschaft selbst aktiv auszuüben.
Anmerkung: „Hecton ut ait: ‚ego tibi monstrabo amatorium sine medicamento, sine herba, sine ullius veneficae carmine: si vis amari, ama.‘“ (Wie Hekaton sagt: „Ich werde dir ein Liebesmittel zeigen ohne Zaubertrank, ohne Kräuter, ohne den Beschwörungsformel irgendeiner Hexe: Wenn du geliebt werden willst, liebe.“)
Herkunft: Brief 9, Abschnitt 6

Si vis pacem, cole iustitiam!

Wenn du den Frieden wünschst, pflege die Gerechtigkeit!

Herkunft: Inschrift auf dem Friedenspalast zu Den Haag

Si vis pacem, para bellum!

Wenn Du (den) Frieden willst, bereite den Krieg vor!

Anmerkung: Das Zitat soll zum Ausdruck bringen, dass Sicherheit und Frieden nur möglich sind, wenn zugleich die abschreckende Wirkung militärischer Verteidungsbereitschaft besteht

Sic itur ad astra.

So steigt man zu den Sternen empor.

Sic vos non vobis!

So (für) euch, nicht von euch (gemacht).

Herkunft: nach Donatus

Sic!

(Wirklich) so!

Sicut umbra dies nostri super terram.

Unsere Tage sind wie ein Schatten auf Erden.

Silent leges inter arma.

Unter den Waffen (= im Kriege) schweigen die Gesetze.

Similia similibus curantur.

Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt.

Herkunft: Grundsatz der Homöopathie

Simplex veri sigillum.

Einfach (ist) das Siegel der Wahrheit.

Sincere et constanter.

Aufrichtig und standhaft.

Sine amicitia vita est nulla.

Ohne Freundschaft gibt es kein rechtes Leben.

Sine ira et studio.

Ohne Gehässigkeit und ohne Vorliebe.

unparteiisch, unvoreingenommen

Sine sole sileo.

Ohne Sonne schweige ich.

Sine tempore.

Ohne Zeit

pünktlich (Abk. s.t.)

Anmerkung: das Gegenteil zur akademischen Viertelstunde, bei der 15 Minuten zum angegebenen Termin hinzugezählt werden (= c.t.; cum tempore)

Sit tibi terra levis!

Möge dir die Erde leicht sein!

Hintergrund: beliebte Grabsteininschrift, oft abgekürzt als S.T.T.L.

Sit venia verbo.

Es sei Nachsicht dem Worte (gewährt).

Mit Verlaub zu sagen. (Abk. s.v.v.)

Anmerkung: Plinius d. J. verwendet diese Formel, um eine getätigte Aussage etwas abzuschwächen

Societas Iesu.

Gesellschaft Jesu.

Herkunft: Name des Jesuitenordens

Sol omnibus lucet.

Die Sonne scheint für alle.

Solamen est miseris socios habuisse molorum.

Es ist ein Trost für die Unglücklichen, Leidensgefährten zu haben.

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Spectatum veniunt, veniunt spectentur ut ipsae.

Die Frauen kommen (ins Theater), um zu sehen und um gesehen zu werden.

Herkunft: Ars amandi

Spemque metumque inter dubii.

Schwankend zwischen Furcht und Hoffnung.

Anmerkung: Das Zitat wurde aus einem Hexameter entlehnt; “Inter spem metumque” würde reichen.

Spiritus rector.

Lenkender Geist.

treibende Kraft, Seele eines Unterfangens

Weitere Bedeutung: Titel geistlicher Leiter

Stabat mater (dolorosa).

Die Mutter Jesu stand (mit Schmerzen) am Kreuz.

Herkunft: Anfang des ins römische Brevier und Missale aufgenommene Marienhymnus; von zahlreichen Komponisten vertont.

Stante pede.

Stehenden Fusses.

sofort; auf der Stelle

Herkunft: Redensart

Stat sua cuique dies.

Jedem ist sein (Sterbe-)Tag festgesetzt.

Status quo

Der gegenwärtige Zustand

Status quo ante

Der vorherige Zustand.

Stimulans.

Anregend.

medizinische Bezeichnung für anregend wirkende Substanzen bzw. Pharmazeutika

Studium generale.

Allgemeinstudium

Dem Fachstudium vorangehende oder ergänzende grundwissenschaftliche Ausbildung.

Studium irregulare.

nicht reguläres Studium

Herkunft: von Studenten selbst zusammengestelltes Studium, das in seiner Abwicklung und seinem Titel extra beantragt werden muss. (In Österreich mittlerweile abgeschafft).

Stupiditas castiganda est.

Dummheit muss bestraft werden.

Anmerkung: Neulateinischer Ausspruch, in der Regel zynisch gemeint, wenn auf eine unvernünftige Handlung oder Entscheidung eine erwartbare, logische und vor allem unangenehme Konsequenz folgt

Suae quisque fortunae faber est.

Jeder ist seines Glückes Schmied.

Sub auspiciis (praesidentis rei publicae).

Unter dem Ehrenschutz (des Bundespräsidenten)

Herkunft: In Österreich unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten vollzogene Promotion, wenn der Kandidat in seinem Studium nur ausgezeichnete Leistungen erbracht hat. Mit der Urkunde wird auch ein Ehrenring verliehen.

Sub specie aeternitatis.

Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit.

Sub utraque specie.

In beiderlei Gestalt.

Herkunft: Mit Brot und Wein wurde ursprünglich die Kommunion den Laien gespendet. Heute nur für Brautpaare und bei besonderen Anlässen.

Sui generis.

Von eigener Art.

einzigartig, besonders

Summa cum laude.

Mit höchstem Lob.

Herkunft: Prüfungsnote

Summa summarum.

Die Summe der Summen.

Alles in allem

Summum ius, summa iniuria.

Das auf die Spitze getriebene Recht wird zum höchsten Unrecht.

Anmerkung: Später von Cicero in De officiis aufgegriffen

Sursum corda.

Empor die Herzen!

Herkunft: Beginn der Präfation in der katholischen Liturgie

Sustine et abstine!

Leide und meide!

Suum cuique!

Jedem das Seine!

Anmerkung: Preussischer Wahlspruch und Inschrift des preussischen Schwarzen Adlerordens

Tabula rasa.

Glatte Schreibtafel

reinen Tisch machen; klare Verhältnisse schaffen

Herkunft: De anima (Aristoteles); Ars amandi (Ovid)

Tandem vincisti, Galilaee!

Endlich hast du gesiegt, Galiläer!

Hintergrund: Der Überlieferung folgend, soll Julian diesen Ausspruch auf dem Sterbebett getätigt haben. Er gestand sich demnach ein, dass der "Galiläer" (Jesus Christus) und das Christentum letztlich über den alten heidnischen Glauben triumphiert habe.

Tantae molis erat Romanam condere gentem.

Solcher Mühe bedurfte es, das römische Volk zu gründen.

Herkunft: Aeneis

Te Deum (laudamus !)

Dich, Gott, (loben wir!)

Grosser Gott, wir loben dich!

Herkunft: Ambrosianischer Lobgesang

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.

Anmerkung: Häufig wird der Ausspruch Kaiser Lothar I. zugeschrieben, inhaltlich geht er jedoch auf den römischen Dichter Ovid zurück
Herkunft: neulateinische Dichtung

Tempora tempore tempera.

Die Zeitumstände mildern sich mit der Zeit.

Tempori serviendum est.

Man muss der Zeit dienen; man muss sich in die Zeit schicken.

Tempus fugit.

Die Zeit eilt.

Tempus rerum imperator.

Die Zeit ist der Herrscher aller Dinge.

Tene mensuram et respice finem!

Halte Mass und bedenke das Ende!

Hintergrund: Wahlspruch Kaiser Maximilians I. (1459-1519)

Terminus technicus

Kunst- bzw. Fachausdruck.

Terminus, ante (post) quem.

Zeitpunkt vor (oder nach) dem sich etwas ereignet haben muss.

wissenschaftliche Basis für Zeithypothesen in Geschichte & Archäologie

Tertium non datur.

Ein Drittes wird nicht gegeben.

eine dritte Möglichkeit ist ausgeschlossen

Herkunft: ein Grundsatz der Logik der besagt, dass ein bejahender oder verneinender Satz entweder wahr oder falsch ist.

Tertius gaudens

Der sich freuende Dritte.

Thalatta, thalatta!

Das Meer! Das Meer!

Ti ischuerotaton; Ananka, kratei gar panton.

Was ist am stärksten? Der Zwang, denn er beherrscht alles.

Herkunft: Spruch der Sieben Weisen

Ti kalliston; Kosmos, polama gar theou.

Was ist am schönsten? Die Schöpfung, denn sie ist ein Werk Gottes.

Herkunft: Spruch der Sieben Weisen

Ti megiston; Topos, hapanta gar chorei.

Was ist am größten? Der Ort, denn er umfasst alles.

Herkunft: Spruch der Sieben Weisen

Ti presbytaton; Theos, agenaton gar.

Was ist am ältesten? Gott, denn er ist nicht geschaffen worden.

Herkunft: Spruch der Sieben Weisen

Ti sophotaton; Chronos, anheuriskei gar panta.

Was ist am weisesten? Die Zeit, denn sie macht alles ausfindig.

Herkunft: Spruch der Sieben Weisen

Timeo Danaos et dona ferentes

Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen

Hüte dich vor den Danaern, wenn sie Geschenke bringen.

Anmerkung: Der Priester Laokoon in Vergils Aeneis (Buch II, Vers 48-49)Ursprung des Begriffs “Danaergeschenk” (gefährliches oder unheilstiftendes Geschenk). Langversion: “[…] equo ne credite, Teucri. quicquid id est, timeo Danaos et dona ferentis.” (“Traut nicht dem Pferde, Trojaner! Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen.”)
Herkunft: Aeneis (Buch II, Vers 48-49)

Timeo lectorem unius libri.

Ich fürchte den Leser nur eines einzigen Buches.

Warnung vor Menschen, die ihr Weltbild aus einer einzelnen Quelle schöpfen

Hintergrund: Thomas von Aquin soll einer Anekdote zufolge, die Bischof Jeremy Taylor im 17. Jahrhundert festhielt, auf die Frage, wie man sich am besten bilden könne, geantwortet haben: „Indem man ein Buch liest“. Gemeint sei damit, dass man sich auf wesentliche Kernwerke konzentrieren solle, um nicht von unwesentlichen Quellen abgelenkt zu werden.

Tolle lege!

Nimm und lies!

Tres faciunt collegium.

Drei machen (od. bilden) ein Kollegium.

Für die Gründung eines Vereins müssen mindestens drei Personen vorhanden sein.

Herkunft: der römische Jurist Neratius (ca. 100 n.Chr.); auch verwendet unter Justinian, Corpus iuris

Treuga dei.

Gottes Friede

Herkunft: Mittellateinischer Ausdruck für das Verbot von Fehden an bestimmten Tagen. Wurde im 11. Jh. eingeführt.

Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam.

Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.

Herkunft: Matthäus 16,18

Tu si hic sis, aliter sentias.

Wenn du hier wärest, würdest du anders denken.

Tua res agitur!

Um deine Angelegenheiten geht es (hier)!

Tunica propior pallio est.

Das Hemd ist mir näher als der Rock.

Anmerkung: im Vers sind die beiden letzten Worte zu “palliost” zusammengezogen.
Herkunft: Trinummus

Turpe est nescire puellam ludere.

Eine Schande ist’s, wenn ein Mädchen sich nicht aufs Spielen versteht.

Herkunft: Ars amatoria III 367f

Ubi amicitia ibi opes.

Wo Freundschaft ist, da ist Reichtum (oder: da sind Mittel/Macht)

Wahre Freundschaft ist an sich der größte Reichtum, den ein Mensch besitzen kann, oder sie bringt durch gegenseitige Unterstützung und Beistand materiellen wie immateriellen Wohlstand und Erfolg mit sich.

Hintergrund: Plautus, ein bedeutender römischer Komödiendichter des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr., hielt dem römischen Publikum in seinen Stücken oft einen humorvollen, aber auch gesellschaftskritischen Spiegel vor. In der Komödie Truculentus geht es stark um Habgier, Prostitution und die Ausbeutung von Liebhabern, weshalb der Satz im Stück eine leicht zynische oder pragmatische Note besitzt, da Freundschaft und Werte oft mit materiellem Nutzen verknüpft werden. Das Motiv wurde später von Denkern wie Erasmus von Rotterdam in dessen Adagia aufgegriffen und im humanistischen Sinne als moralisches Sprichwort umgedeutet.
Anmerkung: Der Satz existiert auch in der umgekehrten, oft kritischer gemeinten Variante „Ubi opes, ibi amici“ (Wo Reichtum ist, da sind Freunde), welche die Vergänglichkeit von Zweckfreundschaften beschreibt.
Herkunft: Akt 4, Szene 4, Vers 885 (V. 885: „In loco praeda est, ubi amicitia est, ibi opes.“ – Am rechten Ort ist Beute; wo Freundschaft ist, da ist Reichtum.)

Ubi amicitia, ibi fides.

Wo Freundschaft ist, da ist Treue.

Echte Freundschaft basiert untrennbar auf gegenseitigem Vertrauen, Loyalität und Verlässlichkeit. Ohne diese ethische Grundlage kann Freundschaft nicht existieren.

Hintergrund: Im antiken Rom war fides (Treue, Zuverlässigkeit, staatspolitische und persönliche Glaubwürdigkeit) eine der höchsten gesellschaftlichen und religiösen Kardinaltugenden. Römische Philosophen wie Cicero verknüpften diese Tugend eng mit dem griechisch-römischen Ideal der Freundschaft (amicitia), die nicht nur privates Vergnügen, sondern ein moralisches und politisches Bündnis darstellte. In der Frühen Neuzeit wurden diese philosophischen Kerngedanken von Humanisten in einprägsame, parallel aufgebaute Maximen (wie ubi amicitia, ibi…) gegossen, um sie als Lehrsätze im Bildungswesen zu verankern.
Anmerkung: Der Satz wird in digitalen Sammlungen gelegentlich fälschlicherweise als direktes Zitat antiken Autoren wie Cicero oder Seneca zugeschrieben. Es handelt sich jedoch um eine spätere, komprimierte Sentenz, die analog zu Mustern wie „Ubi amicitia, ibi opes“ gebildet wurde und die philosophische Lehre auf den Punkt bringt.
Herkunft: Die prägnante, formelhafte Wendung ist ein traditionelles lateinisches Sprichwort. Inhaltlich greift sie Kerngedanken der antiken Philosophie auf, insbesondere Ciceros Abhandlung De amicitia (Über die Freundschaft, z. B. § 65, wo er die fides als Fundament der Beständigkeit in der Freundschaft bezeichnet).

Ubi bene, ibi patria.

Wo (es einem) gut (geht), da (ist das) Vaterland.

Herkunft: Plutos

Ubi defecerit ratio, ibi est fidei aedificatio.

Wo der Verstand zu Ende ist, da erhebt sich das Gebäude des Glaubens.

Anmerkung: Im Deutschen zumeist zitiert als: Wo das Wissen endet, beginnt der Glaube.

Ubi non accusator, ibi non iudex.

Wo kein Kläger, da kein Richter.

Ubi sol, ibi vita.

Wo Sonne, da Leben.

Ultima ratio regum

Das letzte Mittel der Könige

Hintergrund: "Ultima ratio regum" ("Das letzte Argument der Könige) ist die ältere und bekanntere Version. Kardinal Richelieu ließ den Spruch im 17. Jahrhundert auf die französischen Kanonen der königlichen Armee gravieren. Dies sollte symbolisieren, dass Krieg das letzte Argument ist, wenn Diplomatie an ihre Grenzen stößt. "Ultima ratio regis" ("Das letzte Argument des Königs"): Hier steht regis im Singular. In dieser Variante geht der Spruch auf König Friedrich den Großen zurück. Dieser ließ 1742 die lateinische Inschrift auf die Kanonenrohre seiner gefürchteten preußischen Artillerie gravieren.
Herkunft: Inschrift auf Kanonenrohren

Ultima ratio regum

Das letzte Mittel der Könige

Herkunft: Inschrift auf alten Kanonenrohren; bekannt vor allem durch Friedrich II. von Preussen (1740-1786)

Ultima ratio.

Letztes Mittel

äusserstes Mittel; letzte Zuflucht

Ultima Thule.

Das äusserste Thule

Bezeichnung für eine sehr weit entfernte Gegend

Anmerkung: nach einer im 4.Jh.v.Chr. von den Griechen entdeckten Insel als nördlichsten bekannten Punkt der bekannten antiken Welt. Welche Insel mit Thule gemeint sein könnte, ist unbekannt, jedoch spricht vieles für die Shetland-Inseln. In der Comic-Serie “Prince Valiant” (dt. “Prinz Eisenherz”) von Hal Foster ist Thule die Heimat des Titelheldens.
Herkunft: Georgica

Ultimo.

Am (Monats-)Letzten

Ultra posse nemo obligatur.

Niemand ist verpflichtet, mehr zu leisten, als er kann.

Una salus victis nullam sperare salutem.

Einzige Rettung der Besiegten ist es, auf keine Rettung zu hoffen.

Herkunft: Aeneis

Unus homo nobis cunctando restituit rem.

Ein einziger Mann hat uns durch seine hinhaltende Kriegsführung den Staat wiederhergestellt.

Hintergrund: gemeint ist der Consul Fabius Maximus Cunctator, genannt der “Zauderer”

Unus pro multis.

Einer für viele.

Urbi et orbi.

Der Stadt (Rom) und dem Erdkreis.

Herkunft: Päpstlicher Segen; jedoch schon in der Antike ein geläufiges Wortspiel

Urbs aeterna.

Die ewige Stadt (Rom).

Usurpatio (enim) iuris non facit ius.

Die Anmassung eines Rechts verschafft kein Recht.

Anmerkung: Buch III,X,20

Ut aliquid fiat!

Damit etwas geschehe!

Nur damit überhaupt etwas getan wird…

Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas.

Wenn auch die Kräfte fehlen, so ist doch der gute Wille zu loben.

Ut sementem feceris, ita metes.

Wie man sät, so wird man ernten.

Anmerkung: gibt es mit negativ gesteigerten Vorzeichen auch im Deutschen: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten" (oder auch "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus").

Utrum lubet.

Wie’s beliebt.

Hintergrund: Wahlspruch Rudolf I. von Habsburg

Vademecum

Geh mit mir!

Leitfaden; ständiger Begleiter

Vae victis!

Wehe den Besiegten!

Hintergrund: Ausruf von Brennus, Führer der Gallier, 387 v.Chr., nachdem sich die Römer bei der Wiegung ihrer Kriegsentschädigung über fehlerhafte Masse beschwert hatten und er auch noch sein Schwert in die Waagschale warf
Anmerkung: durch Livius überliefert

Variatio delectat.

Abwechslung macht Freude.

Varietas delectat.

Abwechslung macht Freude.

Varium et mutabile semper femina.

Stets wankelmütig und launisch (ist) die Frau.

Vaticinatio ex eventu.

Weissagung (von etwas) aus dessen Ausgang.

Aussage in Form einer Vorhersage über ein bereits eingetretenes Ereignis.

Vaticinium ex eventu.

Weissagung (von etwas) aus dessen Ausgang.

Aussage in Form einer Vorhersage über ein bereits eingetretenes Ereignis.

Velim nolim

Nichtwollend wollend (etwas machen)

Etwas machen müssen, egal ob man will oder nicht.

Velit nolit

Nichtwollend wollend (etwas machen)

Etwas machen müssen, egal ob man will oder nicht.

Veni, vidi vici.

Ich kam, ich sah, ich siegte.

Hintergrund: Caesar nach dem Sieg bei Zela, 47 v.Chr.
Anmerkung: von Plutarch überliefert

Veni, vidi, Deus vicit.

Ich kam, ich sah, Gott siegte.

Herkunft: Kaiser Karl V. (1500-1558)

Venia legendi.

Erlaubnis des Lesens.

Recht (= Befähigung) zum Halten von Vorlesungen über ein Fachgebiet

Verae amicitiae sempiternae sunt.

Wahre Freundschaften sind ewig.

Echte Freundschaft, die auf Tugend und Charakter statt auf Nutzen oder Vergnügen basiert, überdauert alle Widrigkeiten, Zeit und Distanz. Sie ist im Gegensatz zu oberflächlichen Bindungen unvergänglich.

Hintergrund: Cicero verfasste diesen philosophischen Dialog im Jahr 44 v. Chr., kurz nach der Ermordung Julius Caesars und inmitten schwerer politischer Krisen der Römischen Republik. In einer Zeit, in der politische Allianzen und persönliche Treue brachen, suchte er nach den ethischen Fundamenten zwischenmenschlicher Beziehungen und definierte wahre Freundschaft als Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, gepaart mit Wohlwollen und Liebe. Das Werk reflektiert seine eigene tiefe Sehnsucht nach verlässlicher Loyalität und philosophischem Trost in einer instabilen Epoche.
Anmerkung: Der Satz wird im Original grammatikalisch durch ein einleitendes „ut“ (so dass…) eingebunden, hat sich jedoch schon in der Antike und im Humanismus als eigenständige, universelle Sentenz quasi "verselbstständigt".
Herkunft: Kapitel 9, Paragraph 32 („…ut verae amicitiae sempiternae sint.“)

Verba docent, exempla trahunt.

Worte belehren nur, Beispiele reissen mit.

Verbatim.

Wörtlich.

Veritas filia temporis.

Die Wahrheit (ist) eine Tochter der Zeit.

Mit der Zeit kommt die Wahrheit ans Licht.

Veritatis simplex oratio.

Einfach (ist) die Rede der Wahrheit.

Verus amor nullum novit habere modum.

Wahre Liebe versteht es nicht, ein Maß zu kennen (oder: Wahre Liebe kennt kein Maß)

Echte, leidenschaftliche Liebe ist von Natur aus grenzen- und maßlos. Sie lässt sich nicht rational zügeln, beschränken oder in geordnete Bahnen lenken.

Hintergrund: Properz schrieb seine Liebesgedichte im augusteischen Rom des späten 1. Jahrhunderts v. Chr., in einer Zeit, in der Kaiser Augustus durch moralische Gesetzgebungen versuchte, das Familienleben und die gesellschaftliche Disziplin zu reglementieren. Zusammen mit anderen Vertretern der römischen Liebeselegie erhob Properz die leidenschaftliche Hingabe an eine einzige Geliebte (Cynthia) zu seinem absoluten Lebensinhalt (servitium amoris). Die Proklamation einer maßlosen, alles dominierenden Liebe war ein bewusster Gegenentwurf zur geforderten stoischen Mäßigung und den staatlichen Pflichten eines römischen Bürgers.
Herkunft: Buch 2, Elegie 15, Vers 30

Vestigia terrent.

Die Spuren schrecken.

Anmerkung: Horaz zitiert nach einer Fabel des Aesop
Herkunft: Epistulae

Vestimentum non facit monachum.

Nicht die Kleidung macht den Mönch.

Herkunft: Mittelalterliches Sprichwort

Veto.

Ich verbiete.

Einspruch

Vexilla regis prodeunt.

Die Fahnen des Königs zeigen sich.

Man stösst auf den schlechten Kern von etwas.

Anmerkung: Buch I,34,1; Mit König ist der Teufel im 9. und tiefsten Kreis der Hölle gemeint. Dante fährt mit folgendem Satz als Quasiübersetzung fort: “Es wehn’ des Höllenfürsten Wimpel uns entgegen.” – Auch gut zitierbar.
Herkunft: Göttliche Komödie

Via necessitatur a termino.

Der Weg wird vom Ziel genötigt.

Anmerkung: Buch I,12,8
Herkunft: Dante Alighieri Monarchia

Vice versa.

(und) umgekehrt (Abk. v.v.)

Vide, cui fidas.

Trau, schau, wem!

Videant consules, ne quid res publica detrimenti capiat.

Die Konsuln mögen dafür sorgen, dass der Staat keinen Schaden erleidet.

Hintergrund: Mit diesem Spruch übertrug der Senat den Konsuln in einer Krisenzeit die absolute Staatsgewalt. Damit wollte man die Wahl eines Diktators umgehen.
Anmerkung: Die Variante "Videant consules, ne quid detrimenti capiat res publica." ist historisch und grammatikalisch gleichwertig, wenngleich die oben genannte die gebräuchlichere ist

Vidi nihil permanere sub sole.

Nichts Beständiges habe ich unter der Sonne gesehen.

Vincere scis, Hannibal, victoria uti nescis.

Du verstehst zu siegen, Hannibal, den Sieg zu nutzen weisst du nicht.

Vindicta bonum, vita iucundius ipsa.

Rache ist gut, süsser als das Leben selbst.

Herkunft: Satirae

Vinum lac senum.

Der Wein (ist) die Milch der Greise.

Viribus unitis.

Mit vereinten Kräften

Hintergrund: Wahlspruch des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. (1830-1916); “SMS Viribus Unitis” hieß auch das erste Großkampfschiff (Schlachtschiff der Dreadnought-Klasse) der k.u.k. Kriegsmarine von Österreich-Ungarn (1918 von italienischen Kampfschwimmern im Zuge einer Kommandoaktion versenkt)

Virtus post nummos.

Die Tugend (kommt) nach dem Geld.

Herkunft: Epistulae

Virtute et exemplo.

Mit Tugend und Beispiel.

Hintergrund: Wahlspruch von Joseph II. von Habsburg

Vis maior.

Grössere Kraft

Höhere Gewalt

Vita brevis, amor aeternus.

Das Leben (ist) kurz, die Liebe ewig.

Der Spruch stellt die Vergänglichkeit und Kürze der menschlichen Existenz der unvergänglichen, zeitlosen Kraft der Liebe gegenüber. Er drückt aus, dass die Liebe den Tod und die Zeit überdauert.

Hintergrund: Die Redewendung hat keine antike Quelle, sondern entstand vermutlich in der Neuzeit oder Moderne als sentimentale Abwandlung humanistischer Lebensweisheiten. Sie verknüpft das barocke Motiv des Memento mori (Bedenke, dass du sterben musst) bzw. des Carpe diem mit der romantischen Vorstellung von einer alles überdauernden Liebesbeziehung. Heute ist der Spruch besonders im Bereich von Grabinschriften, Trauringen, Tätowierungen und in der populären Trauer- und Hochzeitskultur verbreitet.
Anmerkung: Der Satz wird im Internet und in populären Zitatbannern gelegentlich fälschlicherweise antiken Autoren wie Ovid oder Seneca zugeschrieben. In der gesamten überlieferten antiken lateinischen Literatur ist diese exakte Phrase jedoch nicht nachweisbar.

Vita brevis, ars longa.

Kurz ist das Leben, lang währt die Kunst.

Hintergrund: Ursprünglich bezog sich der Begriff „Kunst“ (altgriechisch téchnē) auf handwerkliches Können oder eine medizinische Wissenschaft. Die tiefere Bedeutung ist, dass man viel Zeit (oft ein ganzes Leben) braucht, um eine Fertigkeit oder Wissenschaft wirklich zu meistern, unsere Lebenszeit dafür aber zu kurz ist.
Anmerkung: Die heute bekannte, lateinische Form wurde durch den römischen Philosophen Seneca (in seinem Werk "De brevitate vitae") und später durch Goethe in seinem Faust populär gemacht.

Vita somnium breve.

Das Leben ist (nur) ein kurzer Traum.

Vitam impendere vero.

Das Leben dem Wahren weihen.

Herkunft: Satirae

Vivant sequentes!

Die Nachkommen sollen leben!

Vivat rex in eternitas!

Es lebe der König in Ewigkeit!

Hintergrund: Wurde bei der Ausrufung eines neuen Königs verwendet. Speziell überliefert von der Krönung Napoleons III.

Vivat, crescat, floreat!

Er (sie, es) lebe, wachse, blühe!

Vivere militare est.

Leben heisst zu kämpfen.

Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.

Die Lebenden rufe ich. Die Toten beklage ich. Die Blitze zerbreche ich.

Herkunft: Glockeninschrift nach Schiller, Lied von der Glocke

Volenti non fit iniuria.

Dem (es so) Wollenden geschieht kein Unrecht.

Vomunt, ut edant, edunt ut vomant.

Sie übergeben sich, damit sie essen können; sie essen, damit sie sich übergeben können.

Vox audita perit, littera scripta manet.

Das gesprochene Wort verweht, das Geschriebene bleibt bestehen.

Vox populi, vox Dei!

Volkes Stimme, Gottes Stimme!

Hintergrund: Alkuin warnt davor, blind oder unreflektiert der Masse zu folgen. Er schreibt an Kaiser Karl den Großen: "Man darf nicht auf jene hören, die sagen, die Stimme des Volkes sei die Stimme Gottes, denn die Raserei der Menge ist immer sehr nah am Wahnsinn."
Anmerkung: Heute wird der Ausspruch – häufig ironisch abgewandelt als "Vox populi, vox Rindvieh“ – benutzt, um zum Ausdruck zu bringen, dass man die öffentliche Meinung oder auch (politische) Umfrageergebnisse nicht ignorieren sollte.
Herkunft: Brief Alkuins an Karl den Großen

Vultus fortunae variatur imagine lunae crescit, decrescit constans persistere nescit.

Das Glück ist wechselhaft wie der Mond, es nimmt zu, es nimmt ab, beständig ist es nie.

Zoon politikon.

Politisches Geschöpf.

eine Bezeichnung für den Menschen

Herkunft: Aristoteles