Andreas Mölzer, das unbekannte Wesen

Andreas Mölzer (links, hoho), HC Strache (rechts)

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Es ist wieder so weit. In sämtlichen Qualitätsmedien sind zahlreiche Analysen und Kommentare zu lesen, ob etwa Mölzers rassistische Logorrhoeattacken nun hilfreich oder schädlich für die FPÖ bzw. deren Abschneiden bei der Wahl zum EU-Parlament sein könnten. Die Theorien sind teils einfach nur überzogen, teils beinahe schon grotesk.

Die Analysten stehen Kopf. Mölzer tut exakt das, was er immer schon getan hat und immer tun wird. Er bringt seine tiefbraune Ideologie unter die Menschen und dabei stets darauf achtend, die Grenzen des Strafrechts – im Gegensatz zu denen des guten Geschmacks – mehr oder weniger einzuhalten.

Er wird gegen „Neger“ schwadronieren, er wird gegen die böse EU wettern, er wird LGBTs als krank diffamieren und ähnlichen Unsinn von sich geben. Sei es nun in Interviews, in seiner grausigen „Zur Zeit“ oder sonstwo.

Wenn Ihr mich fragt: Überraschungen gehen anders.

Aber was soll das nun mit den anstehenden Wahlen zu tun haben? Hand hoch, wer tatsächlich davon ausgeht, dass mehr als ein paar Handvoll der FPÖ-Wähler überhaupt eine Ahnung davon haben, wer oder was dieser Herr Mölzer nun eigentlich ist. Oder wofür er konkret steht (außer „na ur rechts halt“). Oder was sein CV so alles an braunen Flecken aufweist.

Die Annahme, mehr als ein paar Prozent davon hätten überhaupt jemals etwas von einer Wochenpublikation namens „Zur Zeit“ gehört, kann man durchaus als optimistisch betrachten. Den Anteil derjenigen, die eine solche „Zeitung“ irgendwann auch nur aus der Nähe gesehen haben, wird besser in Promille ausgedrückt.

Es kurzer Blick über den Tellerrand

Ich lebe in einer kleinen Gemeinde in unmittelbarer Nähe einer – hinsichtlich der Einwohnerzahl – vergleichsweise unspannenden Bezirkshauptstadt im gut pendelbaren Umkreis Wiens.

Ich gehe in dieser Stadt spazieren, einkaufen und erlebe die Menschen auf Spielplätzen, im Arztwartezimmer und an vielen anderen Stellen, bei denen sie ins Gespräch kommen.

Mölzer? Ja, schon gehört. Aber ob der nun zur FPÖ oder zum BZÖ gehört, ist schon nicht mehr so klar. Rosenkranz hat man zwar auch noch irgendwie im Ohr, kann aber kaum mehr zuordnen, wer oder was das nun sei. Bei Vilimsky, Gudenus oder Kickl ist sowieso Schluss. Die laufen – abseits einer überschaubaren Gruppe halbwegs gut informierter Beobachter – weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Es ist immer „Unser HC“ (phonetisch eher so ein Art „Unsa Hatsääh“), der alles richten wird. Genau der HC, der nach Ansicht der Menschen, die ihn so liebevoll und amikal bei den Initialen des Vornamens anzusprechen gewohnt scheinen, in der Lage sei, gleichzeitig die Steuern erheblich zu senken, die Ausgaben für „unsere Leut’“ massiv zu erhöhen, auf einen Schlag alle Türken des Landes zu verweisen sowie Arbeit und Wohlstand für Alle zu schaffen. Vermutlich gelingt ihm das alles deshalb, weil er halt so ein Fescher ist, wie immer wieder – auch von Männern – zu vernehmen ist.

Diese Menschen sind weder dumm, noch völlig ungebildet, noch rechtsexem. Aber sie sind überzeugt. Und sie sind enttäuscht. Von den alten Systemparteien, die auf Kommunal- und Landesebene so hingebungsvoll an ihrer eigenen Klientel vorbeiregieren, dass man oft wirklich erstaunt ist, wie lange dieses im Grunde jämmerliche Herumgetue um Postenschacher und Freunderlwirtschaft schon scheinbar unwidersprochen funktioniert.

Diese Menschen sind einfach Fans von HC Strache im ureigensten Sinne des Wortes. Nicht von seiner Politik (die kennen sie nicht wirklich), nicht von seinem Programm (das kennen sie definitiv nicht) und auch nicht von seinen Interviews in Qualitätsmedien (die lesen sie nicht). Sie sind Fans der Kunstfigur „Hatsääh“ und deren rechtsgerichtetem und bestens einstudiertem Populismus. Nicht mehr und nicht weniger.

Es sind Menschen, von denen Statements stammen wie dieses – völlig ironiefrei (und unwidersprochen) an der Merkur-Feinkosttheke vorgetragene: „Also diese Hypo. Unter’m Hatsääh hätt’s des nie geb’m!“

Es ist ihnen dabei auch oft völlig wurscht, ob nun der Nationalrat, der Landtag oder eben das EU-Parlament gewählt wird. Sie wählen Strache und vielleicht noch einen regional halbwegs vernetzten Avatar. Sie wählen keinen Mölzer und schon gar keinen Vilimsky. Und dabei ist völlig egal, ob der „Chefideologe“ gerade einen – mit Verlaub – vertrottelten Logorrhoeanfall hatte oder nicht.

UPDATE: Am 08.04. wurde bekannt, dass Strache Mölzer kurzerhand von der Position des Spitzenkandidaten verbannt hatte. Damit werden nun die etwas gemäßigteren Wähler, die durch Mölzer potenziell verschreckt werden hätten können, wieder ins Boot geholt. Die am rechten Rand bleiben mangels Alternativen sowieso erhalten. Nennen wir es eine HC-Win-Win-Situation.

(Bild: blu-news/via flickr.com)