Sie ist wieder da: Die große Diskussion um die Online-Aktivitäten des ORF, genauer gesagt jene in Social Media-Plattformen. Konkreter Anlass: Das so genannte „Facebook-Verbot“ zwingt den ORF in erster Linie, 39 seiner Facebook-Seiten stillzulegen. Die Meinungen dazu sind zwiegespalten: Die GIS-Gegner und ORF-Mitbewerber jubeln, beim ORF selbst und zahlreichen Usern bzw. Fans der entsprechenden Seiten ist man naturgemäß anderer Ansicht. Ich selbst stehe irgendwo nahe der Mitte – jedoch mit erkennbarer Neigung Richtung ORF.
(mehr …)Kategorie: Medien
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Ethik vs. Politik: Ein zwingender Widerspruch?
Ethik und Moral sind keine relevanten Maßzahlen in der Politik. So trist dieser Umstand auch sein mag, wird er dennoch von einer breiten Mehrheit als quasi unabdingbar hingenommen. Wenn Fälle wie Meischberger, Grasser, Hochegger, Amon, Rumpold und schier unzählige andere mehr in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss beleuchtet werden, bleibt der Gesichtspunkt „Anstand“ wie so oft auf der Strecke. Erhoben wird lediglich, ob strafrechtliche Relevanz bei den teils unfassbaren Vergehen vorliegt oder nicht. Das wir dauf Dauer einfach nicht reichen.
Fast 100.000 Euro für eine Pressekonferenz, etliche Millionen für extrem überschaubare (und schlussendlich als gänzlich falsch erkannte) Analysen, ebenso zahllose wie ominöse Studien um jeweils zigtausend Euro. Unsummen wechseln ohne nennenswerte Gegenleistung die Besitzer. Und werden die Akteure in diesem sumpfigen System vor einem U-Ausschuss zu solch dreisten Vorgängen befragt, entschlagen sie sich hingebungsvoll der Aussagen, Erinnerungslücken im Ausmaß des Grand Canyon tun sich auf und überhaupt seien ohnehin „die Anderen“ masszuregeln, die da garstig mit Schmutzkübeln hochanständige Menschen besudeln.
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Marktkonforme Demokratie
Es ist nun wirklich höchste Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Die Aufgabe der Politik ist längst nicht mehr, eine optimale Führung, Verwaltung und Organisation des Landes sicher zu stellen, sondern so zu agieren, dass sich „die Märkte“ nicht wie unsittlich berührt abwenden. Das Ziel: die marktkonforme Demokratie ohne störendes soziales Beiwerk. Das ist nicht leicht, da ja „die Märkte“ bekanntlich so ungern preisgeben, was sie eigentlich wollen. Gach pass’ma nicht auf, sind’s auch schon weg. Der Herr Spindelegger bringt es im ZIB2-Interview von Armin Wolf sinngemäß auf den Punkt: „Wir müssen handeln, wie es die Märkte diktieren.“
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Dual-Boot am iPhone
Ein Vergleich der gängigen Smartphone-Betriebssysteme ergab für mich ein überraschendes Ergebnis. Das viel gescholtene Windows Phone muss sich in meinem ganz subjektiven Ranking nur denkbar knapp dem iOS geschlagen geben. Ein sehr oberflächlicher, keineswegs umfassender, dafür jedoch umso subjektiverer Handy-Vergleichstest.
Die Entwicklung der WirtschaftsBlatt investor App, die von den Jungs der Tailored Media GmbH, auch bekannt unter „Tailored Apps“ auf den gängigsten Smartphone-Plattformen umgesetzt wird und in den kommenden Wochen gelauncht wird, schreitet zügig voran und es gab in den vergangenen Tagen die ersten Release Candidates auf den diversen Betriebssystemen zur eingehenden Prüfung. Diese war zugleich auch meine erste Gelegenheit, tatsächlich alle relevanten Teilnehmer im Markt der Handy-OS im direkten Vergleich zu testen.
Die Probanden:
- iOS 4.3 auf meinem iPhone 4
- Android 2.6.32.9 auf Samsung GT-I9000 bzw. HTC Desire HD
- Windows Phone 7 am Samsung Taylor
- Symbian 3 am Nokia C7
- BlackBerry 6 auf dem BlackBerry Torch
Eingangs sollte ich natürlich – quasi als Disclaimer – darlegen, dass ich nun schon seit geraumer Zeit iPhone-Nutzer bin und mit dem Ding auch – bis auf einige wenige Einschränkungen – in höchstem Maße zufrieden bin. Die Usablity lässt kaum Wünsche offen, es ist enorm intuitiv zu bedienen (mein heute 3-jähriger Sohnemann spielt seit einenhalb Jahren liebend gerne damit und ich musste ihm nicht ein einziges Mal zeigen, wie er die Tastensperre deaktiviert oder Apps startet), das Retina-Display ist derzeit völlig unschlagbar, die Verfügbarkeit von Apps gewaltig und die Zuverlässigkeit äußerst zufriedenstellend. Die Abstriche, etwa die fragwürdige iTunes-Zwangsbeglückung bis ins kleinste Detail, die teils unangenehm kurze Akkulaufzeit und ein paar mehr sind zwar zuweilen lästig, können aber den positiven Gesamteindruck nicht wesentlich einschränken.
Nun bekam ich also zum iPhone noch die anderen oben genannten Devices in die Hand und auf den allerersten Blick war das Ergebnis recht schnell klar: Das iPhone war das klar am weitesten fortgeschrittene Smartphone in dieser Auswahl. Dann kam lang nix, irgendwo dahinter rauften sich Android und Windows Phone um die Stockerlplätze, Blech ging an Blackberry und kurz danach folgte Symbian. Nach etwas intensiveren Testreihen mit den Dingern (zugegeben vornehmlich im Rahmen der zu testenden App selbst) begannen sich die Abstände merklich zu verschieben. Usability-Aspekte rückten in den Vorder-, andere in den Hintergrund und stets gepflegte, aber nie erwiesene Vorurteile gegenüber den einzelnen Plattformen erfuhren dringend nötige Korrekturen.
Erwähnen sollte ich der Vollständigkeit halber auch, dass meine Tests keine tief schürfenden Analysen der (Un)Tiefen der OS-Kernels umfassten, keinen Vergleich der PC-Konnektivität und auch keine Bewertung der jeweiligen App-Landschaften, sondern vielmehr die für den Löwenanteil der User viel relevanteren Bereiche Usability, Zugänglichkeit, gestalterische Aufmachung, insgesamt vielleicht am ehesten so etwas wie die „Sympathie“, die man einem Gerät zugestehen könnte, abbildeten.
Viele Überraschungen & wenige Enttäuschungen: Windows Phone 7
Am meisten überraschte mich – zugegebenermaßen – das Windows Phone. Nachdem ich bis dato immer nur kurze Momente mit einem Windows-basierten Device gehabt hatte, die nie ein klares Urteil zugelassen hatten, war dieses Mal endlich ausreichend, um ein klareres Bild zu erhalten. Windows Phone 7 ist wirklich ein attraktives OS und der ganze Umgang damit ist herrlich intuitiv, klar und aus meiner Sicht auch erfrischend innovativ. Ich nahm das Samsung Taylor in die Hand und musste nur in einigen wenigen Fällen länger nach irgendeiner Funktion suchen. In wenigen Sekunden hing das Ding im WLAN, die Deaktivierung des Displays war binnen weniger Augenblicke auf einen für die Tests sinnvollen Zeitraum gesetzt und so ging es munter weiter. Die Gestaltung mit teils sehr gewagten Screendesigns, der (im positiven Wortsinne) interessanten Typographie und der durchdachten Menüführung macht die Nutzung von Windows Phone 7 beinahe zu einem Vergnügen. OK, das Fehlen von Multitasking oder etwa einer Screenshot-Funktion sprechen nicht gerade für den Klassenprimus schlechthin, aber gänzlich ohne irgendwelche Einschränkungen wird man wohl bei keinem OS jemals davonkommen. Ebenfalls ein Wermutstropfen ist der Browser, der einfach kein so fesches Rendering zustande bringt, wie ich es vom iPhone und seinem Safari gewohnt bin.
Unter den Erwartungen: Android
Viel erwartet habe ich mich von Android, das bekanntlich nach Ansicht mancher Analysten bereits das führende Smartphone-OS (nach generiertem Datentraffic) sein soll. Nachdem man ja bekanntlich keinen Statistiken Glauben schenken sollte, die man nicht eigenhändig gefälscht hat, sei dies dahingestellt – meinen persönlichen Zugang zu einem Handy beeinflussen diese Aspekte ohnehin nur sehr dezent. Die Vorschusslorbeeren wurden jedenfalls recht schnell reduziert. Ich fühlte mich auch mit Android schnell vertraut und tat mir recht leicht, die einzelnen Funktionen zu finden und das Gerät zu bedienen, aber der Innovationsgeist, der Google in vielerlei Hinsicht umgibt, scheint bei Android nur auf Teilzeitbasis beteiligt zu sein. Viele OS-Bereiche wirken wie uninspiriert vom Mitbewerb kopiert, andere wiederum sind durchaus attraktiv und zugänglich. Insgesamt durchaus ein arbeits- und alltagsfähiges System, aber einen Umstieg vom iPhone würde ich aus diesen Erfahrungen heraus sicherlich nicht anstreben. Zudem muss ich eingestehen, dass die Hardware, auf der ich Android testete, alles andere als „wertig“ wirkte. Das knarzende Kunststoffgehäuse und das teils widerspenstige Display des Samsung bzw. das unwesentlich attraktivere HTC Desire machten den ganzen Umgang eher weniger erfreulich.
Geht so: BlackBerry
Der BlackBerry Torch, dessen Vorgänger ich schon desöfteren in der Hand gehabt und niemals besonderes Interesse entwicket hatte, wirkte im Gegensatz zu den Android-Geräten von Samsung bzw. HTC immerhin deutlich hochwertiger und gab haptisch ein einigermaßen gutes Gefühl. Das OS macht einen sehr seriösen und durchdachten Eindruck, das dem Ruf des „Arbeitstiers“ durchaus gerecht wird, der schier untrennbar mit RIM bzw. BlackBerry verbunden ist. Die ausziehbare Tastatur ist für meine persönlichen Bedürfnisse klar zu klein, dafür fand ich das Trackpad unterhalb des Touchscreens sehr gelungen. Von der Präzision und Funktionalität dieses Buttons war ich tatsächlich einigermaßen angetan. SO attraktiv das OS in seinen Menüs und der Benutzerführung gestaltet ist, so fürchterlich stellt sich der Browser dar. Auch wenn Viele der Meinung sind, der Browser würde zugunsten der Apps ohnehin drastisch an Bedeutung verlieren, so bleibt er meines Erachtens dennoch ein wesentliches Element eines Smartphones. Hier kann man also bei einem User wie mir viel Boden verschenken – was BlackBerry hingebungsvoll zelebriert…
Symbian: Nein danke!
Ja, und dann war da noch Symbian. Bereits in den ersten Minuten mit dem Nokia C7 entstand der Eindruck, Symbian versuche verkrampft, uralte Nokia-Tugenden aufrecht zu erhalten, um im selben Atemzug und im krassen Gegensatz dazu modernste Smartphone-Funktionalität einzuimpfen. Eine sehr seltsame Benutzerführung, ein umständlicher Menüaufbau, unattraktive Gestaltung und ein zudem suboptimaler Touchscreen machten den Umgang mit dem C7 nicht gerade zur Tortur, aber immerhin zuweilen zu einem Ärgernis – vor allem, wenn man unmittelbar daneben die oben genannten Geräte zum direkten Vergleich liegen hat. Wenig überraschend fand ich etwa, dass – wie bei sämtlichen Smartphones ohne physischem Keyboard – bei Bedarf eine Tastatur am Display angezeigt wird. Dass diese jedoch den Aufbau eines Handy-Tastenfeldes mit der typischen Mehrfachbelegung aufwies (zumindest in der Portrait-Haltung), fand ich dann doch eher amüsant. Selbstverständlich sind die allermeisten Schwierigkeiten, die ich mit dem System hatte, gewöhnungsbedürftig und relativieren sich möglicherweise dementsprechend mit der täglichen Handhabung, aber meines Erachtens sollte ein Betriebssystem nicht dem User eine langwierige Gewöhnungsphase abringen, sondern ganz im Gegenteil sollte sich der User vom ersten Moment an wohl fühlen und ohne Umschweife damit zurecht kommen. Nachdem Otto Durchschnittsendverbraucher zudem in aller Regel nicht sonderlich techaffin ist, muss ein Smartphone auch definitiv intuitiver und „logischer“ in der Bedienung sein. In dieser Kategorie und einigen anderen Bereichen (der Browser etwa ist ein Graus!) scheitert Symbian meiner persönlichen Meinung nach spektakulär.
Ich beglückwünsche Nokia jedenfalls (erneut) zu der unerwarteten Weitsicht, künftig auf Windows Phone zu setzen.
Mein ganz persönliches Fazit
Wenn ich die vergangenen Tage Revue passieren lasse und noch einmal versuche, die stundenlangen Spielereien mit den verschiedenene Geräten gedanklich zu ordnen, ergibt sich ein klares Ergebnis:
- Apple iPhone
- Windows Phone 7
- Android
- BlackBerry
- Symbian
Auch wenn mich nun einige iAfficionados vermutlich zuerst an den Pranger stellen und in weiterer Folge unter die Guillotine legen wollen (oder umgekehrt): Ich persönlich hätte ja am liebsten ein iPhone mit Windows Phone 7 und Safari. Das Retina Display mit den hübschen Windows Menüs? Eine für mich extrem attraktive Vorstellung! Oder vielleicht doch lieber ein iOS mit Windows Phone 7-Theme…?
Das sag‘ ich aber alles lieber nicht zu laut. Steve Jobs ist gesundheitlich ohnehin schon ausreichend bedient, da möchte ich nicht auch noch einen Herzinfarkt riskieren, den solche Häresien zweifelsfrei nach sich zögen…
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Die Tragödie von Krems hat viele Gesichter
Heute übe ich mich ein wenig als Advocatus diaboli. Ich stehe der heimischen Exekutive bekanntlich sehr nüchtern bis kritisch gegenüber, möchte jedoch an dieser Stelle einige Punkte aufs vielzitierte Tableau bringen, die mich an der Berichterstattung zu den Vorkommnissen in Krems stören.
„Kaltblütig erschossen“, „Hinterrücks niedergestreckt“ und „Polizeibrutalität auf nie dagewesenem Niveau“. Schlagworte wie diese dominieren momentan Medien, Blogs und Social Media Networks, wenn es um Wortspenden zu der nächtlichen Schießerei nach einem Einbruch in einem Kremser Supermarkt geht, im Zuge derer ein Jugendlicher auf tragische Weise – und – was noch viel schlimmer ist – aus meiner Sicht völlig unnötig ums Leben kam.
Die bisher im Rahmen der Ermittlungen zusammengetragenen Fakten zeigen durchaus ambivalente Züge. Da gibt es einerseits zwei Exekutivbeamte, die von der Dienstwaffe tödlichen Gebrauch machten und andererseits zwei Jugendliche, die mithilfe einer derzeit nicht geklärten Anzahl weiterer Beteiligter einen nächtlichen Einbruch mit Diebstahlsabsicht begingen. Erstere gaben in einer ersten mehrstündigen Einvernahme an, mit Schraubenzieher und Gartenharke angegriffen worden zu sein und sich in lebensbedrohender Gefahr gesehen zu haben. Der 16jährige Überlebend der beiden mutmaßlichen Einbrecher sagte hingegen aus, er und das Todesopfer hätten sich bereits auf der Flucht befunden.
Die Wahrheit über die Ursache dieses furchtbaren Unglücks wird wohl sehr schwierig zu eruieren sein, da in einer solchen Situation beide Seiten unter gewaltigen Stress stehen. Daraus reusltierend wird eine minutiöse Rekonstruktion des Tathergangs kaum möglich sein. Versetze ich mich in die Lage eines der beteiligten Beamten, der zuvor unzählige Male aufgrund eines Fehlalarms in einen leeren Supermarkt gerufen wird und dann plötzlich mit Menschen (Gegnern?) konfrontiert ist, die – wie anzunehmen ist – in der Finsternis sehr schwer zu identifzierende Gegenstände in den Händen halten und auch nicht als Jugendliche zu erkennen sind, so bin ich nicht sicher, ob dieses Szenario nicht auch auf mich bedrohlichen Charakter hat.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass keine der beiden Aussagen eine Tötung rechtfertigen kann und jedenfalls ein Fehlverhalten der Beamten angezeigt ist. Selbst in akuter Gefahr für das eigene Leben oder das Dritter darf ein Polizist seine Dienstwaffe nur in äußerst wenigen Extremfällen dergestalt einsetzen, dass sein Gegenüber ums Leben kommt. In allen anderen Fällen ist ein gewaltloses Einschreiten zu versuchen und selbst bei der Abgabe von Schüssen ist tunlichst zu vermeiden, mehr Verletzungen zu verursachen, als zwingend zur Anhaltung der Täter nötig ist. Die möglichen Fehler des Beamten, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat (was ballistisch leicht nachvollziehbar ist), reichen von völliger Fehleinschätzung der Situation bis hin zu fatal schlechtem Umgang mit der Waffe. Beides Fehler, die mit besserem Training potenziell vermeidbar sind. Das zugrunde liegende „Waffengebrauchsgesetz 1969“ ist übrigens hier nachzulesen.
Offene Fragen, unbekannte Faktoren
Dennoch bleiben einige – meines Erachtens elementar wichtige – Aspekte in der (massen-)medialen Aufbereitung bisher weitestgehend unerwähnt:
Wie in jeder anderen Branche gibt es bei der Polizei eine langjährige Ausbildung und Berufserfahrung. Erstere kann einen Beamten kaum bis bestenfalls ansatzweise auf eine solche Situation vorbereiten und ob bzw. wieviel von zweiterer bei den beiden Beteiligten bereits vorhanden ist, kann derzeit kein Außenstehender beurteilen.
Wie waren die Umgebungsvariablen wie etwa Licht beschaffen? Hatten die Polizisten überhaupt die Möglichkeit, die Lage in kürzester Zeit sachlich korrekt zu beurteilen? Ist im diffusen Licht eindeutig erkennbar, ob sich jemandem eine Person zuwendet oder die andere Richtung einzuschlagen beginnt? Gab es Rufe von den Einbrechern, die schwer interpretierbar waren?
Gab es seitens der Polizisten ausreichend Warnungen, bevor von der Waffe Gebrauch gemacht wurde bzw. hätte die Zeit dies zugelassen? Wieso gelang es bei einem der Täter, ihn durch Oberschenkelschüsse zu stoppen bzw. unschädlich zu machen, während der andere tödlich in den Rücken getroffen wurde? Waren die Einbrecher angesichts des – nach Aussage des Überlebenden – unerwarteten Einschreitens der Polizisten in Panik geraten und reagierten damit auf eine Weise, die den Beamten einen Angriff suggerierte? Gerieten möglicherweise die Polizisten selbst in Panik und agierten irrational?
Haben die Einbrecher möglicherweise tatsächlich aggressives Verhalten an den Tag gelegt und Gewalt angedroht oder gar tatsächlich angegriffen (auch wenn ich persönlich dies als einigermaßen unwahrscheinlich betrachte)?
Welchen Einfluss haben zahlreiche andere Faktoren wie beispielsweise die seit Monaten grassierende und brechreizerregende Panikmache gegen die Fluten von illegalen Ausländern, welche ja nach Aussage vieler Rechtspopulisten nichts anderes in unserem hübschen Ländle tun, als einzubrechen, zu morden und zu brandschatzen?
All diese Fragen bleiben auch nach den bisher erfolgten Einvernahmen unbeantwortet und verhindern somit eine rationale und sachlich korrekte Beurteilung der Tatsachen. Ob eine dieser Tage eventuell angesetzte Tatrekonstruierung vor Ort weitere Fakten ans Tageslicht bringen kann, bleibt abzuwarten.
Learnings?
Aus den bisherigen und weiteren Ermittlungen sind Learnings zu ziehen, die solche Tragödien in Zukunft verhindern. Wie diese auszusehen haben, kann ich selbst mangels Insiderwissen um Beschaffenheit der polizeilichen Ausbildung natürlich nicht beurteilen.
Fest steht allerdings auch, dass die österreichische Öffentlichkeit die Ereignisse in Krems nicht ad acta legen kann, wie es sich Viele zu wünschen scheinen. Nachzulesen in Statements der zuständigen und auch anderer Volksvertreter, Kolumnen der Kronenzeitung und allen Wortspenden, die sich schwerpunktmäßig darum drehen, dass die Jugendlichen ja ohnedies „schuldig“ und somit quasi selbst für die fatalen Folgen ihres Schwerverbrechens verantwortlich seien. Vor allem den Urhebern letzterer sei bitteschön erneut ins Stammbuch geschrieben, dass das österreichische Recht dankenswerterweise keine Todesstrafe vorsieht. Nein, nicht einmal bei nächtlichem Einbruch.
Auf der anderen Seite ist sicherlich niemandem damit geholfen, wenn irgendwelche Beteiligten an dieser Tragödie vorab verurteilt werden, lang bevor es ausreichend Fakten oder gar ein faires Verfahren gibt. Durch eine solche Präjudizierung werden lediglich eine seriöse Aufbereitung und das Ziehen von Schlüssen wesentlich erschwert.
Zu guter Letzt möchte ich noch einen kleinen Denkanstoß geben, der mit der Sache an sich nicht (zwingend) zu tun hat: Wie wäre die Aufbereitung der Todesschüsse von Krems in Medien und Politik erfolgt, wenn es sich bei den Tätern um Kinder aus Migrantenfamilien oder gar – apage satanas! – Asylanten oder Asylwerber gehandelt hätte? Aber das ist wohl eine andere Geschichte…

