Kategorie: Politik & Soziales

  • Politspektakel CERN?

    Politspektakel CERN?

    Nach der Veröffentlichung von Wissenschaftsminister Johannes Hahns Entschluss, mit 2010 Österreichs Mitgliedschaft beim CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) ruhend stellen zu lassen, trat er – quod erat expectandum – eine kleine Lawine los. Teils lautstarke Proteste hagelt es von Vertretern der Wissenachaft, der Wirtschaft und der Politik. Keine zwei Wochen nach Hahns Erklärung stieg Bundeskanzler Werner Faymann auf die Bremse und erklärte medienwirksam „die Diskussion für beendet“. Politkabarett feinster Güte.

    In seiner Aussendung vom 07. 05. 2009 begründete Hahn den de facto Ausstieg aus dem größten Forschungszentrum für Kernphysik der Welt mit den laufenden Kosten der Mitgliedschaft, die rund 20 Millionen Euro (davon 16 Mio. „Mitgliedsbeitrag“ und 4 Mio. Nebenkosten) jährlich betragen. Dieses Geld sei gegenüber anderen internationalen Kooperationen auf dem Wissenschafts- und Forschungssektor blockiert und soll auch keineswegs eingespart, sondern künftig in anderen Projekten investiert werden (siehe Aussendung des BMFW).

    Während einige (wenige) zustimmende Meinungen den Ausstieg befürworteten, weil der „Physik-Dinosaurier“ CERN scheinbar wenig unmittelbar verwertbare Ergebnisse liefere und mit einer „Panne“ bei der Inbetriebnahme des jüngsten 3 Mrd. €-Großprojekts, dem Large Hadron Collider (LHC), unzählige Millionen in den Sand gesetzt haben soll, fanden sich Heerscharen von Wissenschaftern, Universitätsangehörigen, Studenten und auch Politikern unterschiedlicher Coleurs, die kopfschüttelnd von einer „Katastrophe“ sprachen.

    An vorderster Front kämpfte die Plattform SOS – Save Our Science, initiiert vom Fachausschuss Kern- und Teilchenphysik (FAKT) und der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft (Austrian Physical Society), gegen den Ausstieg an. Auf der Website wurde mitunter eine Online-Petition gestartet, bei der sich jeder, der gegen eine Beendigung der CERN-Mitgliedschaft Österreichs ist, eintragen kann (Link). Zuletzt fanden sich dort rund 32.000 Unterzeichner.

    Hahns unerwartete Ankündigung brachte auch ein Phänomen mit sich, das die heimische Politik selten zeigt: Eine (zumindest scheinbar) flächendeckende einheitliche Linie der Roten, Grünen, Blauen und Orangen. Zuletzt hat sogar der tiefschwarze Landesfürst Niederösterreichs, Erwin Pröll, seinen drohenden Zeigefinger in Richtung Minoritenplatz gehoben.

    Offene Fragen bleiben

    Auch wenn die Diskussion (zumindest für den Moment) vom Tisch sein dürfte, bleibt die Frage dennoch bestehen, ob Österreich mittel- und langfristig an der Mitgliedschaft bei CERN festhalten soll – oder muss.

    Es gibt eine Menge guter Argumente, die für CERN – und eine Kooperation Österreichs mit diesem Projekt – sprechen:

    • CERN brachte in den bisher mehr als fünf Jahrzehnten seines Bestehens eine Reihe elementarer Erkenntnisse auf seinem Stammgebiet, der Kernphysik hervor
    • einige nicht unwesentliche Technologien für unser heutiges Internet stammen von CERN
    • seit 1959 haben rund 150 österreichische Akademiker am CERN promoviert
    • derzeit sind etwa 170 „unserer“ Wissenschafter dort beschäftigt
    • Jahr für Jahr absolvieren viele Studenten österreichischer Universitäten Praktika und Auslandssemester am CERN
    • Rückflüsse (bei der Eurofighter-Diskussion sprach man in diesem Zusammenhang von „Gegengeschäften“) für die heimische Wirtschaft in Höhe von bis zu 75 Millionen €
    • nicht zuletzt sprechen auch Kosten in Höhe von jenseits der 100 Mio. € dagegen, die Österreich – aus heutiger Sicht – im Falle eines Austritts zu begleichen hätte (laut Finanzchef des Forschungszentrums, Thierry Lagrange)

    Es gibt aber freilich auch eine Reihe von Gegenargumenten:

    • Forschungsgelder in Höhe von rund 16 Millionen € (etwa 0,48% des Wissenschaftsbudgets) sind durch CERN geblockt und stehen anderen internationalen Kooperationen nicht zur Verfügung
    • Möglichkeit, Forschungsschwerpunkte von der Kernphysik hin zu Bio- und Nanotech sowie anderen „zukunftsorientierteren“ Richtungen zu verlagern (die von Hahn genannten potentiellen Projekte finden sich mitunter hier)
    • selbst im Falle eines Austritts wird es intensive Gespräche und daraus resultierende Kooperationsvereinbarungen zwischen Österreich und CERN geben, somit wird voraussichtlich kaum ein Doktorand oder Student wird um seinen Ausbildungsplatz am CERN „umfallen“

    Die Pros und Contras gegeneinander abzuwägen liegt nicht in meinem Ermessen, da ich selbst weder (Natur-)Wissenschafter, noch politischer Entscheidungsträger bin. Dennoch sollte meines Erachtens ein weiterer Aspekt nicht aus den Augen verloren werden: Mögliche Auswirkungen auf die Reputation des Forschungsstandortes Österreich. Renommierte Fachpublikationen wie z.B. Nature und andere Medien im Ausland berichteten prompt auf die Austritts-Ankündigung. Und nur überschaubar wenige Stimmen kommentierten neutral oder gar wohlwollend.

    Nun ist aber alles wieder gut und wir können hoffen, dass das internationale Echo entweder bald verstummt oder – was viel interessanter wäre – sich in eine europaweite Diskussion über die Institution CERN, ihre Daseinsberechtigung in der vorliegenden Form und etwaigen Änderungsbedarf hinsichtlich Struktur und Setup wandelt.

    Ich persönlich bin mit der Entscheidung, Teil des Projekts CERN zu bleiben, alles Andere als unglücklich. Ich fühle mich schlichtweg sehr viel wohler in meiner Haut, wenn ich nicht nur geduldeter Zaungast, sondern Mitglied in einem Unterfangen bin, das mich grundlegend interessiert. Ich finde es insgesamt aber sehr schade, dass diese ganze Diskussion in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde und nicht vorab in einer Expertenrunde, die Hahn ganz ohne Kaffeesud und Kristallkugel ankündigen hätte können, dass ein solcher Schritt wohl kaum Beifallsrufe aus allen Richtungen mit sich bringt.

    Wieso aber schafft es die heimische Politik nicht, solche Fragen im Vorfeld zu klären? Vor einigen Monaten hat ja bereits Claudia Schmied in eine nach langen Verhandlungsmarathon unter vehementer Streikandrohung seitens der Gewerkschaft angetretene Flucht in fadenscheinige Kompromisse bewiesen, wie schnell man sich mit einer unzureichend durchdachten und vorschnell publizierten Entscheidung in die Nesseln setzen kann.

    Vielleicht hazardieren unsere Minister irgendwann nicht mehr, sondern arbeiten unter Einbindung entsprechender fachlicher Kompetenzen an ihren Ideen und präsentieren dann der (Welt-)Öffentlichkeit Reformvorschläge, die mehr sind, als halbherzige Kompromisse und Verbeugungen vor einzelnen kleinen Interessensgruppen.

  • Braucht Österreich ein Verbotsgesetz? Ja! Aber vermutlich anders.

    Braucht Österreich ein Verbotsgesetz? Ja! Aber vermutlich anders.

    Aus aktuellem Anlass (Nazi-Pöbeleien Ebensee, Schüler-Eklat in Auschwitz, eine Demo gegen ein Wiener Islam-Zentrum unter reger Teilnahme von FPÖ und Neonazis) ist die Diskussion um nationalsozialistische Umtriebe und das Verbotsgesetz wieder neu aufgeflammt. Ich persönlich bin nun der Ansicht, dass das Verbotsgesetz in seiner jetzigen Form nicht ausreichend treffsicher ist und dringend überarbeitet, oder möglicherweise sogar zugunsten einer strengeren Verhetzungs-Rechtssprechung, die mehr an faschistoiden, rassistischen und menschenverachtenden Betätigungen abdeckt, abgeschafft gehört. So.

    Einerseits weil ich ein großer Verfechter der uneingeschränkten Meinungsfreiheit bin und andererseits deshalb, weil ich hoffe, dass selbst eine Demokratie wie die unsere, die zu mehr als der Hälfte aus (unterschiedlich ausgeprägten) „Rechten“ besteht, durch ein Aufheben des VerbotsG nicht in Nullkommanix in ihrer sozialen Reife um 60 Jahre zurückfällt.

    Ich bin ein recht offen deklarierter Antifaschist (wie man an meinen Tweets und Blogposts sicherlich recht schnell und zweifelsfrei erkennen kann) und insgesamt wohl so etwas wie ein Linker. Dennoch soll auch einem völlig weltfremden und strohdummen Neonazi nicht etwas genommen werden, wofür Generationen gekämpft haben: Die Möglichkeit, ohne Gefahr für Leib und Leben – oder Strafdrohung bis hin zu lebenslang – die eigene Meinung zu äußern oder zu vertreten. Ja sogar dann, wenn diese Meinung aus meiner persönlichen Sicht vollkommen bescheuert ist.

    Wir müssen ja teilweise ganz andere Meinungen unserer Mitmenschen akzeptieren, die möglicherweise auch unfassbar dumm, teilweise gefährlich und in vielerlei Hinsicht auf den ersten Blick inkompatibel mit unserem gewohnten Umfeld sind. Ein kleines Beispiel ist in diesem Zusammenhang die beharrliche Weigerung der Zeugen Jehovas (seit einigen Tagen nunmehr eine anerkannte Rerligionsgemeinschaft in Österreich) gegenüber bestimmten Errungenschaften der modernen Medizin. Sie nehmen lieber den Tod in Kauf, als sich Fremdblut verabreichen zu lassen.

    Ebensowenig kann ich mir – für mich persönlich – vorstellen, meiner Frau die Erlangung einer Erwerbstätigkeit zu erschweren oder sie dazu zu zwingen, auf der Straße meterweit hinter mir zu gehen. Ich persönlich kann auch Veganismus nicht nachvollziehen und schon gar nicht, wie man das als Elternteil seinen Kindern aufbürden kann. Ich wundere mich auch ein wenig über Menschen, die jeden Sonntag in eine Kirche pilgern, dort monoton irgendwelche in Volksschulzeiten auswendig gelernte Texte heruntermurmeln, um später eine geschmacklose Oblate herunterzuwürgen, die aufgrund mächtig inszenierten Brimboriums eines originell bekleideten Eheverweigerers (und dennoch nicht ganz unwahrscheinlichen Familienvaters) ganz sicher mit dem Segen des Allmächtigen die Gurgel hinunterrutscht.

    Dennoch werde ich Menschen, die solche Meinungen vertreten, nicht aufgrund ihrer aus meiner Betrachtungsweise so verqueren Ansichten benachteiligen (abgesehen davon, dass ich mich mit einigen davon möglicherweise nur sehr ungern länger unterhalten möchte). Solange diese Meinungen nicht grundlegend im krassen Widerspruch zu „unserer“ Gesellschaft oder Demokratie stehen, sind sie zu dulden. Punktum.

    Diese Meinungsfreiheit schließt alles mit ein, was – wie bereits erwähnt – nicht im Widerspruch zu geltenden Gesetzen in unserem Land steht. Alles? Nein! Ein von unbeugsamen Gesetzgebern bevölkertes Parlament hört nicht auf, der tatsächlich umfassenden Meinungsfreiheit Widerstand zu leisten.

    Das VerbotsG 1947 als solches ist wahrscheinlich kaum jemandem im Wortlaut bekannt (man kann dies jederzeit gerne hier nachholen http://kl.am/gCg). Ein wesentlicher Punkt ist, dass das VerbotsG anlässlich des Endes des Naziregimes formuliert und eingeführt wurde und damals eine der elementaren Grundlagen für die Entnazifizierung darstellte. Daraus resultiert, dass sich weite Teile des Gesetzes damit beschäftigen, die NSDAP und jegliche Unterstützung für diese Partei bzw. ähnlich ausgerichteter Gruppierungen und Wehrverbände (SS, SA, NSKK, NSFK, etc.) zu verbieten.

    Erst recht spät folgt dann der vielzitierte §3, der da lautet:

    § 3g. Wer sich auf andere als die in den §§ 3a bis 3f bezeichnete Weise im nationalsozialistischen Sinn betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung strenger strafbar ist, mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren, bei besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der Betätigung bis zu 20 Jahren bestraft.

    § 3h. Nach § 3g wird auch bestraft, wer in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder wer sonst öffentlich auf eine Weise, daß es vielen Menschen zugänglich wird, den nationalsozialistischen Völkermord oder andere nationalsozialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.

    Das VerbotsG bezieht sich also explizit auf Vergehen im Zusammenhang mit der NSDAP oder dem Naziregime, keineswegs jedoch mit irgendwelchen anderen Verbrechen, die die Herabwürdigung einer religiösen Gemeinschaft, Angehörige eines Geschlechts, einer Volksgruppe, Rasse oder was weiß ich noch alles (umfassendere Aufzählungen finden sich im StGB) betrifft.

    Es lässt beispielsweise zu, dass irgendjemand in der Öffentlichkeit auftritt und laut und deutlich ausspricht „Ich finde, Neger sind vollkommen degeneriert und vergasenswert und Frauen gehören an den Herd“. Beide Aussagen sind – abgesehen von -pardon- fetzendeppert – in der Schwere unterschiedlich und stehen gleichermaßen in Konflikt zu geltenden Gesetzen. Im Falle der bösartigen (und bescheuerten) Verunglimpfung von farbigen Menschen kommt vermutlich der § 283 StGB „Verhetzung“ zur Anwendung und im zweiten Fall handelt es sich um einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot.

    Der Vollständigkeit halber hier der §283 StGB im Wortlaut:

    § 283 Verhetzung
    (1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, zu einer feindseligen Handlung gegen eine im Inland bestehende Kirche oder Religionsgesellschaft oder gegen eine durch ihre Zugehörigkeit zu einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft, zu einer Rasse, zu einem Volk, einem Volksstamm oder einem Staat bestimmte Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

    (2) Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentlich gegen eine der im Abs. 1 bezeichneten Gruppen hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft oder verächtlich zu machen sucht.

    Ich befinde die beiden oben genannten Beispiele kaum „harmloser“ oder gar „weniger schlimm“ als die – von mir in keiner Weise unterstützte – Aussage, „die NSDAP hat in einigen Punkten wahrscheinlich ganz gute Arbeit geleistet“. Dennoch ist letztere mit einem Strafrahmen von fünf bis zehn bzw. bei besonders gefährlichen Tätern bis zu 20 Jahren bedroht (s. §3g,h). Der §283 StGB hingegen sieht maximal zwei Jahre Haft vor, beim Gleichbehandlungsgebot weiß ich im Moment gar nicht, ob da nicht überhaupt nur eine Verwaltungsstrafe fällig werden kann, wenn es sich beispielsweise um einen arbeitsrechtlichen Rechtsstreit handelt.

    Warum diese Diskrepanz (zwei Jahre vs. 20 Jahre und mehr)? Ist Rassismus weniger gefährlich oder nicht so aktuell wie der Nationalsozialismus? Ist die Benachteiligung der Frauen oder behinderter Menschen wirklich so viel weniger problematisch? Ich denke nicht! Und warum benötigen wir ein Gesetz, dass einer kleinen Gruppe von Deppen eine solche Bedeutung beimisst? Wozu diese Redundanz, wenn bestehende Gesetze die Tatbestände, die im VerbotsG behandelt werden, ohnehin umfassen sollte (beispielsweise Verhetzung oder Gründung bzw. Unterstützung eines demokratiegefährdenden Vereins)?

    Was ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen konnte, ist der Grund, wieso Menschen verboten wird, die Geschichte nicht zu kennen, falsch zu interpretieren oder aus irgendwelchen haarsträubenden Gründen die von der überwältigenden Mehrheit der Menschheit als solche erkannten Fakten nicht akzeptieren wollen. Wenn einer der Ansicht ist, es kann keine Gaskammern gegeben haben, dann soll er doch bitte „dumm sterben“. Es gibt genügend Menschen, die nicht wissen, wann die katholische Kirche das letzte Mal vollkommen unschuldige Frauen am Scheiterhaufen verbrannt hat oder wann ebendiese Nächstenliebe und Toleranz predigende Gemeinschaft mit Klinge und Flamme unbeteiligte Menschen in aller Welt heimgesucht und abgeschlachtet hat.

    Auch von der Gegenwart haben unzählige Menschen keine Ahnung und dürfen dennoch die Geschicke dieses Landes mittels Abgabe ihrer Wählerstimme mitbeeinflussen (andernfalls hätten wohl und FPÖ und BZÖ kaum einen solch erschreckenden Zuspruch). Auch dieses teils fatale Unwissen steht nicht unter Strafe und das Leugnen der Gefährlichkeit von Straches unglaublicher Hasstiraden gegen Menschen anderen Glaubens oder außerösterreichischer Herkunft wird nicht mit Freiheitsentzug bedroht.

    Ich möchte noch einmal ganz explizit darauf hinweisen, dass ich nichts, was derzeit vom Verbotsgesetz erfasst wird oder auch nur in die Nähe dessen Wirkungsbereiches geht, gutheiße oder mir wünsche, dass irgendwelche Hohlköpfe „Heil Hitler“ gröhlend durch die Straßen laufen. Ich freue mich auch nicht darüber, dass Rechtspopulisten wie Stadler, Strache & Co ständig gegen den Islam hetzten (§283 StGB Abs 2?) und die ihrer Ansicht nach unmittelbar bevorstehende Machtübernahme der Türkei über die EU propagieren dürfen, aber es ist ganz einfach: In einer freien und modernen Demokratie darf ich auch den größten Deppen nicht den Mund verbieten.

  • Vertrauen in Berufe: Krankenschwestern und Piloten top, Politiker flop

    Vertrauen in Berufe: Krankenschwestern und Piloten top, Politiker flop

    Sie ist wieder da: Die alljährliche Studie aus dem Hause Reader’s Digest zum Vertrauen in bestimmte abgefragte Berufsgruppen. Die Erhebung wurde wie immer Europaweit durchgeführt, aus Österreich kommen rund 1.000 Antworten auf die Frage: „Welcher Berufsgruppe vertrauen Sie am meisten“?

    Die wohl ob ihrer allgemein bekannten Bescheidenheit bei Golden Handshakes beliebten Piloten haben nun endgültig die Feuerwehrleute nach deren jahrelanger Dominanz von Platz 1 verdrängt, doch heuer ex aequo mit Krankenschwestern (ich nehme an, das bekundete Vertrauen der Menschen kann auch ruhigen Gewissens den männlichen Kollegen der Krankenschwestern, den Pflegern, attestiert werden).

    Während es an der Spitze seit Beginn der Studie im Jahr 2001 ein stetiges Gerangel um den Thron gibt, ist das untere Ende der Vertrauensskala klar vergeben: Politiker genießen in ganz Europa in etwa das gleiche Vertrauen wie ein hungriger Ziegenbock in der Großgärtnerei.

    Die Journalisten auf Rang 14 finde ich zwar betrüblich, aber auch angesichts Heute, Weekend, Krone & Consorten ansatzweise nachvollziehbar.

    RangBerufÖsterreichEuropa Durchschnitt
    1Krankenschwestern94%85%
    1Piloten94%89%
    2Feuerwehrleute93%92%
    3Apotheker92%87%
    3Ärzte92%83%
    4Landwirte80%72%
    5Richter76%48%
    6Polizisten75%625
    7Lehrer71%74%
    8Priester/Pfarrer63%52%
    9Meteorologen60%54%
    10Anwälte56%43%
    11Taxifahrer47%48%
    12Reiseveranstalter39%35%
    13Finanzberater36%32%
    14Gewerkschaftsführer19%22%
    14Journalisten19%27%
    14Fußballspieler19%21%
    15Autoverkäufer16%16%
    16Politiker7%7%

    In % der Wert für „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“ Vertrauen.
    Antworten zu 20 vorgegebenen Berufen. Basis: 23.287 Befragte in 16
    europäischen Ländern, davon 987 Befragte in Österreich

    Originelle Erkenntnisse der Studie:

    In Osteuropa bringen die Menschen den Vertretern des Rechtswesens und des Staats deutlich weniger Vertrauen entgegen als in Westeuropa. In Rumänien beispielsweise genießen Taxifahrer mit einem Vertrauenswert von 35% größeres Vertrauen als Anwälte (26%) und Richter (23%). In Russland kommt die Polizei gerade einmal auf einen Vertrauenswert von 23%, deutlich abgeschlagen hinter Meteorologen (31%), Fussballspielern (55%) und Taxifahrern (56%).

    Politiker haben – in ganz Europa – seit 2003 fast die Hälfte des in sie gesetzten Vertrauens eingebüßt (von 12% auf 7%).

    Immer noch 36% der Österreicher haben „sehr hohes“ bzw. „ziemlich hohes“ Vertrauen in Finanzberater. Man sollte meinen, sie hätten’s im vergangenen Jahr gelernt… 😉

  • Lehrer-Streik & verhärmte Ministerin: Schwere Prüfungen für Österreichs Bildungswesen

    Lehrer-Streik & verhärmte Ministerin: Schwere Prüfungen für Österreichs Bildungswesen

    Zwei Stunden pro Woche mehr in der Schulklasse sind der Stein des Anstoßes: Bundesministerin Claudia Schmied möchte Österreichs Pädagogen in die Pflicht nehmen und sie zusätzliche zwei Stunden das tun lassen, wozu sie ausgebildet sind und wofür sie meines Erachtens in erster Instanz bezahlt werden: Unterrichten. Die Reaktion der Gewerkschaft: Sicher net.

    Wichtiger Hinweis: Es geht hierbei vordergründig nicht um eine Verlängerung der Arbeitszeit, wie ständig von Seiten der Gewerkschaft (den Begriff Personalvertretung umgehe ich bewusst) gelästert wird. Die Arbeitszeit von 40 Wochenstunden soll keineswegs ausgeweitet werden. Und selbst die Bundesministerin Schmied behauptet nicht, dass diese Maßnahme alleine funktionieren wird um (a.) die Kosten für das Schulwesen in das chronisch viel zu enge Budgetkorsett zu pressen oder gar (b.) die Qualität des Unterrichts nachhaltig zu erhöhen.

    Leider kamen jedoch im ursprünglichen Schreiben der Bundesministerin Schmied keinerlei Hinweise darauf vor, welche weiterführenden Reformen sie anstrebt, um die physische und psychische Mehrbelastung der Lehrer durch die ausgeweitete Lehrverpflichtung (immerhin der mit großem Abstand belastendste Part dieses Berufs) zu kompensieren, etwa durch entgegegenwirkende Entlastung im Bereich der Administration, Reduktion der teils recht zeitintensiven Kustodiate oder dergleichen mehr. Es handelt sich hierbei definitiv nur um einen ersten kleinen von vielen dringend nötigen Schritten, um das heimische Bildungswesen „fit for future“ zu machen.

    Konzepte, Idee, und Visionen zur nachhaltigen Verbesserung des österreichischen Bildungssystems sind vielerorts nachzulesen, beispielsweise in der Studie „Future of Education“, daher kann und werde ich an dieser Stelle nicht im Einzelnen darauf eingehen.

    Kritik hinsichtlich der Art und Weise, wie die Pläne der Ministerin an die betroffenen Lehrer kommuniziert wurden (offener Brief mit „vollendeten Tatsachen“), kommt naturgemäß von vielen Seiten und ist teilweise sogar legitim. Es war allerdings auch zu vernehmen, dass die Ministerin unter Zugzwang stand, weil sie ein Durchsickern der Maßnahme durch Indiskretion befürchtete. Die Art und Weise, wie GÖD und andere Gewerkschaften reagieren, ist jedoch mindestens ebenso fragwürdig. An dem Tag, an dem Claudia Schmied mit der Maßnahme an die Öffentlichkeit ging, kamen seitens Neugebauer, Zahradnik & Co nahezu ausschließlich Meldungen mit Un- bis Halbwahrheiten à la „zwei Stunden mehr arbeiten bei gleichem Gehalt“ oder gar „10 Prozent weniger Gehalt“. Selbstberständlich blieben auch die allseits beliebten Gewerkschaftsschlager „Schlag ins Gesicht“, „Skandal“ und „Kriegserklärung“(!) nicht aus.

    Nachdem auch seitens Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll vom Regierungspartner ÖVP kaum Unterstützung kommt und die Gewerkschafter von ihrer Streikdrohung nicht abrücken wollen, droht nun Ministerin Schmied ihrerseits via Standard-Interview mit Rücktritt. Grund: Ohne diese Verlagerung der Arbeitszeit als ersten Schritt ist die nachhaltige Reform des Bildungssystems aus ihrer Sicht nicht möglich. Darüber hinaus sieht Schmied wohl auch ihr Prestigeprojekt „Mittelschule neu“ durch etwaige Einsparungen substantiell gefährdet.

    Originelles Detail am Rande: Die Grünen zeigen volles Verständnis für den Unmut der Lehrer und vor allen Dingen für deren Streik-Pläne, während FPÖ und BZÖ einhellig vollinhaltlich hinter der (SPÖ-)Bundesministerin stehen. Üblicherweise sind Übereinstimmungen zwischen meinen Ansichten und denen der Grünen bzw. FPBZÖ ganz anders verteilt…

    Der Pädagoge, das unbekannte Wesen

    Die Lehrerschaft genießt in Österreich ein äußerst ambivalentes Image. Einerseits geben wir unsere Kinder nahezu bedenkenlos in ihre Hände und schießen schier grenzenloses Vertrauen vor, andererseits betrachten wir sie angesichts der vielen Ferienzeiten und der – scheinbar – kurzen Arbeitszeit als höchst privilegiert.

    Ersteres, das Anvertrauen unseres Nachwuchses, können wir kaum umgehen, ist es doch innerhalb der gesetzlichen Schulpflicht unumgänglich, ein in Österreich lebendes Kind mit sechs oder sieben Lenzen in die Volksschule und in weiterer Folge in Haupt- oder Mittelschule zu stecken, wo sie von Menschen auf den Ernst des Lebens vorbereitet werden sollen, die das ausbildungsbedingt besser zu bewerkstelligen vermögen als der Durchschnittsbürger.

    Zweiteres, den Neid aufgrund der auf den ersten Blick weit reichenden Vorteile des Lehrerberufs, sollte man vielleicht doch noch einmal kritisch hinterfragen.

    Massig Urlaub

    14 Wochen Ferien? Feine Sache! Allerdings nur dann, wenn man bereitwillig darauf verzichtet, flexibel zu verschiedenen Anlässen Urlaub zu nehmen. Man ist also genau dann zu Gast im hübschen Ferienparadies, wenn „alle Anderen“ auch dort sind, nämlich zu den Ferienzeiten, wenn sich Familien aus aller Welt auf den Weg ins Urlaubsdomizil machen. Natürlich bekommt man auch als Lehrer keine Rabatte in den Hauptsaisonen – die günstigen Nebensaisonen fallen entsprechend flach, ebenso wie das gemütliche verlängerte Wochenende mit dem Partner, der sich aufgrund seiner Beschäftigung ausserhalb des Schulwesens Urlaub nehmen kann, wann immer er will bzw. er es mit seinem Chef halbwegs unter einen Hut bringen kann (laut Arbeitsrecht hat der Arbeitgeber de facto nur recht überschaubare Möglichkeiten, einem Urlaubsansuchen seines Dienstnehmers nicht zu entsprechen).

    Freie Einteilung der Arbeitszeit & ein gemütlicher Arbeitsplatz

    Die flexible Einteilung der (Wochen-)Arbeitszeit wird dadurch relativiert, dass man als Lehrer einen nicht gerade kleinen Bereich seines privaten Wohnraums der Arbeit unterordnen muss. Das Arbeiten in der Schule selbst ist nämlich nicht immer möglich – genauer gesagt nur dann, wenn in den Räumlichkeiten der Lehranstalt zufällig am Nachmittag „geöffnet“ ist (Abendschulen, Sportvereine mieten den Turnsaal,…). Ist dies nicht der Fall, muss man seine Unterrichtsvorbereitungen, Korrekturen von Schularbeiten bzw. Tests und alle anderen Arbeiten, die abseits des Unterrichts und der Klassenzimmer anfallen, zu Hause verrichten.

    Pädagogen, die ihren Job auch nur halbwegs ernst nehmen, kommen zudem mit einem kleinen Notebook, einem Drucker der Einstiegsklasse und zwei, drei Aktenordnern selbstverständlich bei weitem nicht aus. Da stapeln sich je nach Schultyp Arbeitsblätter, Bastelmaterialien, Schulbücher, Sachliteratur, Weiterbildungsmaterial und vieles mehr, was sich in seiner Gesamtheit in einem durchschnittlichen Wohnzimmer eher weniger dekorativ einfügt.

    In den Zeiten, in denen man in der Schule selbst arbeiten kann, rauft sich nicht selten der gesamte Lehrkörper um einen alten (ergo langsamen) Kopierer, benützt gemeinsam einen einzelnen PC (manchmal gar ohne Internetanbindung) und dem einzelnen Lehrer steht ein erquicklicher Quadratmeter zur Verfügung, wo er alle seine Unterlagen, Schularbeitshefte, Materialien und so weiter zusammenpfercht.

    Personalentwicklung & Leistungsbeurteilung

    Jeder Arbeitnehmer, der in einem Unternehmen arbeitet, dass sich mehr oder weniger aktiv um sein Personal kümmert, genießt eine Menge Vorteile gegenüber jedem einzelnen Lehrer Österreichs, unter anderem Feedback von seinem Chef und/oder seinen Kollegen. In ganz besonders fleissigen Unternehmen ist das Orientierungs-/ Entwicklungs- /Mitarbeitergespräch ein fixer Bestandteil der Personalentwicklung. In diesen Gesprächsrunden erhalten Mitarbeiter und Führungskraft Rückmeldung über die Arbeitsleistung und es werden auch Fragen über zukünftige Entwicklungen erörtert.

    Feedback in der Schule? Fehlanzeige. Es gibt es nicht einmal irgendeine Überprüfung oder einen Nachweis, was der Lehrer so macht, wenn er am frühen Nachmittag vom Schulwart aus dem Schulgebäude ausgesperrt wird. Zu diesem Thema gibt es interessanterweise auch keinerlei wissenschaftlichen Erhebungen.

    Sicherlich gibt es einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Pädagogen, die sich abseits des Klassenzimmers emsig vorbereiten, weiterbilden und sich konzentriert den Arbeiten der Schüler widmen, um zu erkennen, wo es Defizite oder auch besondere Talente gibt – und den aus diesen Erkenntnissen resultierenden Anforderungen auf die eine oder andere Weise entsprechen.

    Ich vermute jedoch am anderen Ende des Spektrums eine kaum schätzbare (und nicht zu kleine) Anzahl von Lehrern, die nach Hause gehen und als ausreichende Unterrichtsvorbereitung das Einpacken der richtigen Unterlagen für den nächsten Tag betrachten, um den restlichen Tag im Schwimmbad, im Park, vor der Spielkonsole oder wo auch immer zu verbringen. Weiterbildung: Wozu? In der anerkannten Lehrmeinung hinsichtlich Zellteilung hat sich für den Bio-Professor ohnehin kaum etwas seit den 70ern getan und das Englisch geht eh noch ganz ordentlich über den Lippen. In der Geografie muss man sich gerade mal eine Handvoll neue europäische Staaten merken, die in den vergangenen paar Jahrzehnten hinzugekommen sind und die Kontinente werden wohl noch ein Weilchen annähernd die gleiche Form haben…

    Austausch unter Kollegen & Betreuung

    Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten findet maximal in den Pausen statt – gesetzt dem Fall, man hat nicht ohnehin genug damit zu tun, in den wenigen Minuten einer Schulpause seine Sachen zu packen und von Klassenraum A nach Klassenraum B zu kommen. Bei Gangaufsicht oder anderen Verpflichtungen, die die Pausen zunichte machen, bleibt auch diese Interaktion aus.

    Selbst zu Beginn seiner Karriere – wobei das Wort „Karriere“ angesichts der dürftigen Entwicklungsmöglichkeiten im Schulwesen nicht ganz zutrifft – hat der junge Pädagoge kaum Betreuung durch erfahrene Kollegen oder Führungskräfte. Mentoring, Coaching oder andere einigermassen zeitgemäße Unterstützung finden selten bis niemals Anwendung. Das höchste der Gefühle ist die psychologische Beratung oder Betreuung im Akut- oder Bedarfsfall.

    Fazit

    Dass enormer Handlungsbedarf zur Modernisierung und Verbesserung unseres Schulwesens gegeben ist, bestreitet wahrscheinlich nur eine verschwindende Minorität in diesem Land. Es werden massive Änderungen im Schulunterrichtsgesetz, im Schulorganisationsgesetz und im LehrerInnendienstrecht einschließlich Besoldung umgesetzt werden müssen, um unsere Kinder in Zukunft optimal auf die Erfordernisse des (Berufs-)Lebens vorzubereiten.

    Dennoch darf auch nicht riskiert werden, die Lehrerschaft und deren Wohlbefinden dazu zu missbrauchen, die Veränderungen im Bildungssystem zu finanzieren. Die enormen Anstrengungen des Berufs dürfen keineswegs ignoriert werden, auch wenn sie für die Öffentlichkeit nur sehr schwer wahrnehm- oder abschätzbar sind und möglicherweise auch großen saisonalen Schwankungen unterliegen.

    Nimmt ein Lehrer seinen Beruf und seine – durchaus beträchtliche – soziale Verantwortung auch nur halbwegs ernst, so wird er künftig – so es keine Entlastung in anderen Aufgabenbereichen gibt – tatsächlich ein, zwei oder auch mehr Stunden zusätzlich arbeiten müssen, um einen qualitative hochwertigen Unterricht gewährleisten zu können. Andere Kollegen, die es bis dato schon nicht ganz so ernst mit der Erfüllung der Arbeitszeit genommen haben, werden durch eine Ausweitung der Dienstverpflichtung im schlimmsten Fall noch mehr bei den wichtigen Tätigkeiten abseits der Klassenzimmer wie Unterrichtsvorbereitungen, Organisationen von Veranstaltungen, Kontakzt zu den Eltern oder Weiterbildung „sparen“.

    Alle Pädagogen an öffentlichen Schulen dürfen jedoch bei allem Unmut nicht vergessen: Sie haben einen einigermassen sicheren Job (in Krisenzeiten wie diesen kann das bei weitem nicht jeder Arbeitnehmer von sich behaupten!), trotz wenig flexibler Einteilbarkeit enorm langen Urlaub und sie verbringen mehr – hoffentlich sinnvoll genutzte – Zeit mit unseren Kindern, um deren Zukunft es in dieser Angelegenheit schlussendlich geht!

    Also bitte, liebe Gewerkschafter: Ein großer Befürworter eines funktionierenden Arbeitnehmervertreterwesens bittet Euch inständig um seriöse Ausübung Eurer Pflicht: Die Suche nach konstruktivem Dialog, Erarbeitung von Konzepten unter Zuhilfenahme der zahlreichen Bildungsexperten dieses Landes, zukunftsorientiertes Denken bzw. Handeln in Anbetracht kommender Herausforderungen und nicht um fortwährende Demonstration, wie beharrlich Ihr hinsichtlich der krampfhaften Erhaltung eines dringend zu reformierenden Systems sein könnt!

  • Google AdWords bieten Treffsicherheit – garantiert!

    Google AdWords bieten Treffsicherheit – garantiert!

    Hin und wieder sind es schon skurrile Ergebnisse, die die Platzierung von Google Ads mittels context-sensitiver Schaltung nach sich ziehen kann. Da wird auf einer Seite, die sich mit Latein beschäftigt, oftmals Werbung für Latinas, die ganz spezielle Liebesdienste anbieten gezeigt und wehe man schreibt gar einen Artikel, in dem auf einer Seite irgendwo die Keywords „Dame“ und – inhaltlich gänzliche anderswo – „leicht“ vorkommen. Unerwartete Ergebnisse stehen also naturgemäß auf der Tagesordnung.

    Die Polizei von Seattle hat nun derzeit ohnehin schon eine Menge zu tun, ihren „guten Ruf“ wieder herzustellen. Wir erinnern uns: Ein King County sheriff’s deputy rastete komplett aus, schlug ein 15jähriges Mädchen (aufgrund der unerhört gefährlichen Attacke mit dem linken Schuh) brutalst nieder und malträtierte das – bereits am Boden – liegende Opfer mit weiteren Schlägen auf den Kopf.

    Der „Freund und Helfer“ oder auch „Starke Arm des Gesetzes“, dem es scheinbar herzlich egal war, dass er bei diesem Exzess gefilmt wurde, ist nun – quod erat expectandum – eine Art YouTube-Star (verschiedene Uploads des Videos erreichen derzeit zusammengerechnet mehr als eine Million Views). Ob aber diese Google Ad-Schaltung (siehe Bild) sonderlich hilfreich dabei ist, das richtige Personal für den Posten eines Police Officers anzuheuern, darf berechtigterweise bezweifelt werden…

  • Ausweitung der Wiener „Kernzone 100“ – ja bitte!

    Ausweitung der Wiener „Kernzone 100“ – ja bitte!

    Die Wiener Grünen fordern eine Ausweitung der Kernzone 100 auf das nähere Wiener Umland. Das Njet aus dem Rathaus folge postwendend, das – meines Erachtens freilich ausnehmend kurzsichtige – Argument lautete erneut: „Zu teuer.“

    Tagtäglich kämpfen sich rund 100.000 Fahrzeuge respektive deren Lenker durch den morgendlichen Stau aus dem näheren Wiener Umland in die Bundeshauptstadt. Teils enorme Zeitverluste, Stress und daraus resultierende Folgeerscheinungen wie gedämpfte Produktivität sind unausweichlich.

    Die bisherigen Bersuche, der Verkehtsflut Herr zu werden, sind aus verschiedenen Gründen gescheitert. Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in den inneren Bezirken, (teils sehr teure) Park & Ride-Anlagen an suboptimalen Locations, eine weiträumige, aber immer noch nicht abgeschlossene Autobahnumfahrung Wiens und dergleichen mehr haben kaum etwas an den Blechlawinen in den Morgen- und Abendstunden geändert.

    Alternativen vor der Nase

    Die Forderungen nach Aufwertung der öffentlichen Verkehrsmittel werden oft im Keim erstickt, obwohl hier gewaltiges Potenzial besteht, die Pendlermassen effektiver, ökonomischer und – nicht zuletzt – bedeutend ökologischer zu transportieren: Höhere Frequenz der „überregionalen“ Bahnverbindungen in den Morgen- und Abendstunden, geringere Kosten für Tickets und flexiblere Mobilitätskonzepte abseits der Ballungsräume (Stichwort Sammeltaxi).

    Die wichtigsten Argumente der Auto-Pendler lauten – um nur einige wenige zu nennen – Individualität, Unabhängigkeit von Fahrplänen (und Verspätungen), keine Wartezeiten, kein Weg zur nächsten öffentlichen Anbindung und viele mehr. Viele dieser Argumente sind möglicherweise vorgeschoben und überlagern andere, möglicherweise weit weniger sachliche Gründe. Diejenigen Pendler jedoch, die aus mehr oder minder rationalen Ursachen nicht auf das Auto verzichen können oder wollen, kann man mit einfachsten – und billigsten – Mitteln in die Bahn setzen.

    Ein – natürlich völlig aus der Luft gegriffenes – Beispiel eines klassischen Pendlers. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Roland.

    Roland fährt jeden Tag eine Strecke von rund 25 Kilometern zwischen seiner Wohnadresse am Rande Mödlings und seiner Arbeitsstätte, einem Verlagshaus in Wien 11 und natürlich wieder zurück. Beinahe vor der Türe hat er eine Busstation, von der halbstündlich ein – bis auf wenige Ausnahmen leerer – Autobus auf einem Rundkurs zum Bahnhof fährt.

    Dort steigt er nach meist halbwegs erträglicher Wartezeit in einen heillos überfüllten Zug ein und fährt zum Wiener Südbahnhof, wo er durchschnittlich 7-10 Minuten (zur Hauptverkehrszeit wohlgemerkt) auf seinen Anschlußbus wartet, der ihn schließlich nach kurzer Fahrtzeit in sein Büro in der Redaktion bringt.

    Roland benötigt in der Früh ca. 45 Minuten, abends in der Regel etwas länger (etwa eine Stunde). Abends genießt er immerhin den Vorteil des – dank Kostenteilung zwischen ÖBB, Land und Stadt Mödling – kostenlose(!) „ATM“ (Anschlusstaxi Mödling), das ab 18:00 in viertelstündlichem Takt (spätabends halbstündlich) die Fahrgäste an quasi jede gewünschte Destination der Stadt bringt.

    Abgesehen von kleineren Widrigkeiten wie zu früh abfahrenden Bussen und verspäteten Zügen ohne Hinweisen auf Anzeigetafeln eine moderate Möglichkeit, vernünftig von daheim in die Arbeit zu gelangen.

    Warum fährt Roland dennoch fallweise mit dem Auto? Erstens sicherlich deshalb, weil er damit abends in 25 Minuten zuhause ist (mehr als 50% Zeitersparnis). Zweitens deshalb, weil er in der Früh nicht auf die Fahrpläne der Busse angewiesen ist. Drittens deshalb, weil die Fahrt mit den Öffis insgesamt mit 6,80 EUR zu Buche schlägt, wohingegen der Treibstoff für das Auto nur rund die Hälfte kostet. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich dann im Zug nicht wie eine Sardine in der Dose fühlt, weil der Waggon so vollgestopft ist, dass selbst die Lektüre eines Buches (geschweige denn einer großformatigen Zeitung) oft ein Ding der Unmöglichkeit ist.

    Mit einigermaßen modernen Verkehrskonzepten ließen sich viele bis alle Argumente dieses unökologischen und egoistischen Roland aushebeln:

    1. flexiblere Verkehrsmittel – Stichwort Sammeltaxis – außerhalb der Ballungszentren (also überall dort, wo < 30.000 Menschen auf einem Fleck leben) machen unabhängiger von Fahrplänen und Wartereien bei Wind und Wetter an ungeschützten Stationen. Kleiner dimensionierte Busse, die „auf Zuruf“ (beispielsweise mit Telefonanruf oder Tastern an derzeitigen Bushaltestellen) die Passagiere abholen, sind nicht mehr an Fahrpläne gebunden, die sicherheitshalber aufrecht erhalten werden müssen, da sich auf der Strecke vielleicht doch noch jemand einfindet. Anhand der Rufe und Anzahl der zu erwartenden Fahrgäste ermittelt ein zentrales Fahrtenplanungssystem die optimale Route für das einzelne Verkehrrsmittel. Voilà !

    2. niedrigere Kosten und/oder ausgedehnte Tarifzonen (siehe Einleitung) machen das Auto im Verhältnis wieder teurer und somit unökonomisch

    3. höhere Frequenzen in Stosszeiten machen die Fahrt deutlich bequemer und kürzer, ergo einladender. Tagsüber können wiederum Zugeinheiten mit weniger Waggons und daraus resultierendem geringeren Energiebedarf zum Einsatz kommen

    4. den Gegebenheiten entsprechend dimensionierte Park & Ride-Anlagen an sinnvolle Locations (bestes Beispiel für das Gegenteil: P&R in Ottakring, wo man aus de facto jeder Richtung bereits in den dichten Wiener Stadtverkehr eintaucht, bevor man umsteigen kann)

    5. Park & Ride-Nutzung für Inhaber von Zeitkarten kostenlos (derzeit 3 €/d). Vorbild hierzu: Die Parkgarage beim Mödlinger Bahnhof ist trotz sehr großzügigem Stellplatzangebot (~630 Abstellplätze) komplett gratis für den Benutzer. Die Kosten teilen sich – ebenso wie die für das abendliche Sammeltaxi – ÖBB (50%), Land (30%) und Stadt (20%).

    6. Übertragbarkeit von Jahreskarten – es kann ohnehin nur eine Person zur gleichen Zeit damit fahren

    7. Ringförmige Ausdehnung der Kernzone bis in die teils recht jungen Wien-nahen Siedlungsgebiete und Abkehr von den teils verwirrenden Sektoren, wie sie derzeit Verwendung finden Abgesehen von diesen vielen Möglichkeiten, die Nutzung öffentlichen Verkehrs für den Einzelnen attraktiver und/oder billiger zu gestalten, kann ich mich dunkel erinnern, irgendwo eine Studie gelesen zu haben, derzufolge es nur unwesentlich teurer, aber um einiges ökonomischer wäre, den gesamten Personenverkehr im Großraum Wien (ergo dem Verkehrsverbund Ost-Region) gänzlich kostenlos anzubieten. Leider kann ich die Quelle nicht mehr finden und daher auch nicht sagen, aus welchem Jahr diese stammt. Die Idee als solche ist jedoch sicherlich prüfenswert!

    Eine Großstadt wie Wien, die von mehr als 1,6 Millionen Menschen bewohnt wird (Quelle: Statisik Austria, 1.1.2008), sollte in der Lage sein, ein wenig über den Tellerrand zu blicken, und die vielen Vorteile betrachten, die eine solche Maßnahme mit sich brächte. Mehr Lebensqualität durch reduzierten Lärm und geringere Emmissionen, höhere Produktivität der arbeitenden Bevölkerung, höhere Sicherheit im Straßenverkehr und viele mehr. Es reicht leider einfach nicht, das Autofahren durch Kurzparkzonen oder gar City-Maut unattraktiv zu machen, wenn nicht in gleichem Ausmaß die „Öffis“ deutlich verlockender werden

    Anm.: Dezentralisierung der Arbeitsplätze, also sinnvoller verteilte Standorte von Industrie und Wirtschaft und daraus resultierende Verkürzung der Wege zwischen Wohn- und Arbeitsstätte sind sicherlich auch ein probates Mittel zur Senkung der Verkehrsbelastung, aber dies und weitere gute Ideen würden jetzt an dieser Stelle ein wenig zu weit führen. Derzeit scheinen ja bereits die weiter oben genannten Ideen schon in weiter Ferne zu liegen…