Je öfter ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, was mit dieser Verkehrspolitik, wie sie in Wien und dem Umland betrieben wird, eigentlich erreicht werden soll. Die Nutzung des Privat-PKW bleibt teuer und unpraktisch (was – objektiv betrachtet – durchaus in Ordnung ist), es gibt aber nach wie vor keine spürbaren Erleichterungen hinsichtlich Kosten oder gar Komfort bei der Nutzung der Öffis.
Wien hat nach wie vor ein hervorragendes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Solange jedoch Pendler, die ein paar Ortschaften außerhalb der Kernzone 100 leben, alleine für das Durchqueren der auf den ersten Blick völlig willkürlich definierten Tarifzonen bereits ein Vielfaches eines einfachen Fahrscheines bezahlen müssen, wird der Umstieg nicht gerade schmackhaft gemacht.
Der Anachronismus des Flickenteppichs an Tarifzonen sollte ein ebenso rasches Ende finden wie die so genannte Pendlerpauschale selbst. Beides sind Relikte aus beinahe grauer Vorzeit, die den heutigen Gegebenheiten sowie den Anforderungen an ein modernes öffentliches Transportwesen nicht mehr entsprechen.
Eine Fahrt innerhalb der Kernzone Wien kostet (aktualisierter Stand: 07/2026) für Erwachsene 3,00€. Fährt man auch nur eine Station darüber hinaus, schlägt sich das bereits mit 5,30€ zu Buche. Je nach Anzahl der befahrenen „Außenzonen“ kommt man damit flott auf 6€ (zB. Korneuburg), 11,70 (zB. Bruck an der Leitha) oder 14,80€ (zB. Wiener Neustadt). Alles mittlerweile durchaus übliche Pendeldistanzen.
Flickwerk ade
Es ist an der Zeit, den Verkehrsbund Ost-Region nicht mehr als zerstückeltes Konstrukt separierter Provinzen zu betrachten, sondern den Großraum Wien, der faktisch aus Wien selbst, großen Teilen Niederösterreichs und zumindest der nördlichen Hälfte Burgenlands besteht, als eine gesamte und unteilbare Verkehrsregion.

Kernzone Wien (Stand: 2026/Quelle: Wiener Linien)
Natürlich wirft eine 200km-Fahrt „quer durchs Ländle“ mehr Kosten auf als drei Stationen mit der Bim in Wien, aber dieses Argument kann nur an der Oberfläche als solches herangezogen werden.
Bei genauerer Betrachtung muss jedoch umgehend das überwiegende öffentliche Interesse an einem funktionierendem, komfortablen und leistbaren Transportwesen eingebracht werden, welches dergestalt legitimiert Subventionierung durch die öffentliche Hand rechtfertigt.
Derzeit liegen die Gesamtkosten (Personal- und Verwaltungsaufwände, Betrieb der Verkehrsmittel, Aufrechterhaltung, Ausbau und Wartung des Netzes, Sanierungen, Neuerrichtungen, etc.) des Verkehrsbunds Ostregion , in dessen Zentrum die Kernzone 100 Wien liegt, bei etwas mehr als 800 Millionen Euro (Update 2026: 1,2 Mrd. Euro). 60% davon werden durch Ticketverkauf, 30% durch Finanzierung der Stadt Wien und 10% durch Bundesmittel aufgebracht.
Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Vorzüge einer breiteren Nutzung der Öffis sind Erhöhungen der Betriebs- (485 Mio€) und Investitionskostenzuschüsse (515 Mio€, Stand jeweils 2026) durch die Stadt Wien mehr als gerechtfertigt. Gemessen an der Größe des Ballungsraums und seiner überregionalen Bedeutung ist auch ein höherer Zuschuss seitens des Bundes (zur Zeit rund 200 Mio€) gut begründet.
Die Einnahmen aus der flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung in Wien stiegen zuletzt auf 110 Mio€ (zuzüglich Organstrafverfügungen und Verwaltungsstrafen durch die berühmt-berüchtigten „Parksheriffs“ in Höhe von rund 85 Mio€). Diese Mittel könnten – bzw. sollten – hier direkt mit einfließen.
Fazit
Öffentlicher Verkehr ist ungemütlich und teuer. Autofahren ist in der Regel deutlich komfortabler und lediglich geringfügig teurer. Machen wir die Öffis halbwegs gemütlich und wesentlich billiger, wird das Autofahren im Vergleich nur noch marginal komfortabler, aber empfindlich teurer.
Es warat ja eigentlich recht einfach…
Daten: Stadt Wien
Bilder: VOR.at
