Offener Brief an Frauen, die sich auch ohne „Töchter“ in der Bundeshymne eh total wertgeschätzt fühlen

"Frauenwahlrecht: nein" ist weniger weit weg von "Geschlechtsneutrale Sprache: nein!", als man glauben möchte

„Frauenwahlrecht: nein“ ist weniger weit weg von „Geschlechtsneutrale Sprache: nein!“, als man glauben möchte

Liebe Frauen, die Ihr auch ohne „Genderwahn“ total glücklich seid!

Nach Andreas Gabaliers Auftritt vor dem Formel 1-Event in Spielberg, anlässlich dessen er meinte, die Österreichische Bundeshymne hinsichtlich des Textes nach eigenem freien Ermessen zum Besten geben zu können oder zu müssen, kochten die Wogen hoch.

Die „Grünen Frauen“ haben gar einen offenen Brief an den Schlager-„Star“ verfasst, in dem sie ihr Befremden zum Ausdruck brachten, dass Gabalier einen seit zwei Jahren nicht mehr aktuellen Text ohne Berücksichtigung der „Töchter“ sang.

Siehe auch: Nach Faux pas mit falscher Bundeshymne: Andreas Gabalier gesteht Fehler ein (neuepresse.at, Satire)

Es gäbe sichtlich in Österreich keine anderen Probleme, hieß es da unter anderem. Es hieß, die Frauen hätten nichts davon, dass sie in der Hymne Erwähnung finden. Frauen profitierten nicht von geschlechtsneutraler Sprache war natürlich ebenfalls immer wieder unter den Kommentaren. Es gab noch unzählige weitere vermeintliche „Totschlagargumente“ und selbstverständlich fiel stets der allseits beliebte Begriff „Genderwahn“, also die Abklassifizierung des Versuchs einer Gleichstellung der Geschlechter als Hysterie, Manie, also quasi psychopathologischer Störung.

Nun, ich persönlich denke, dass schon eine Menge an Engstirnigkeit vonnöten ist, die Dinge so kurzsichtig zu betrachten. Ich erläutere auch sehr gerne, wieso ich das so sehe.

Die Frau, das unberechtigte unbekannte Wesen

Blicken wir nur einige wenige Jahrzehnte zurück und beleuchten dabei die Anerkennung, die Frauen in den jeweiligen Epochen zuteil wurde.

Ein Beispiel ist das aktive und passive Wahlrecht. Männern wurde dieses in Österreich 1907 zuteil, Frauen 1918 (Infos dazu u.a. bei demokratiezentrum.org). Nur 11 Jahre? Na, das heißt doch nicht, dass man als Frau weniger Anerkennung als Männer erfuhr. Waren es gar vielleicht nur organisatorische Gründe? Und wie viele Frauen dann in den ersten Jahren nach 1918 zur Urne schritten, kann man sich natürlich lebhaft vorstellen.

Ein weiteres Beispiel ist der allgemeine Zugang zu Bildung (speziell im Hochschulbereich). Dieser war zwar seit der Antike durchaus möglich, aber der Anteil der Frauen in Akademien und Universitäten hielt sich bis ins 20. Jahrhundert im Promillebereich. 1896 gab es die ersten Zulassungen zur Matura, 1897 die ersten Zulassungen an Universitäten (zumindest mal für Philosophie, Medizin folgte 1900, das Juridicum brauchte gar bis 1919). Ich bin überzeugt, die Frauen, die damals sehr gerne eine höhere Bildung erlangt hätten, fühlten sich stets ausserordentlich anerkannt und als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft wahrgenommen.

Dies sind lediglich zwei Beispiele dafür, wie durch langen, entbehrungsreichen Kampf von Frauen – und natürlich auch männlichen Unterstützern – teils über Generationen hinweg Erfolge hinsichtlich einer Annäherung von Chancen und Möglichkeiten von Frauen an die von Männern erzielt werden konnten.

Zu abstrakt? Nun, weniger hochtrabend und damit vielleicht ein wenig leichter nachvollziehbar, sollten einige der p.t. Leserinnen (etwa aufgrund Desinteresses an Wahlen oder höherer Bildung) die obigen Beispiele nicht so direkt nachempfinden können, ist das herrlich greifbare Thema Führerschein:

Die Süddeutsche schrieb anlässlich „100 Jahre Führerschein“:

[…] Doch der Führerschein ist nicht nur die Lizenz zum Auto- oder Motorradfahren. Er ist viel mehr: So war er jahrzehntelang vermeintlich Ausdruck männlicher Kompetenz. Denn bis 1958, bevor das „Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ am 1. Juli 1958 in Kraft getreten ist, mussten Ehefrauen ihre Männer um Erlaubnis fragen, ob sie den Führerschein machen durften.
(Quelle: sueddeutsche.de)

Es war nicht die Verwendung gendergerechter Sprache und es war auch keine Umformulierung einer Bundeshymne, die all diese Errungenschaften bewerkstelligten. Natürlich nicht. Aber es war eine Gesamtheit an Maßnahmen, die zur heutigen beinahe zufriedenstellenden Situation beigetragen hatten. Aber sollten wir wirklich schon zufrieden sein? Sind Frauen schon gleichgestellt? Bleiben nur noch ein paar wenige Ewiggestrige mit ihren teils ungustiösen Herrenwitzchen als Zaungäste der erzielten Gleichstellung zurück? Ich denke nicht.

Der Weg ist sogar noch vergleichsweise weit, bis eine reale und wirklich umfassende Gleichstellung der Chancen von Frauen und Männern (nota bene: nicht Gleichmacherei!) erzielt wird. Er wird auch noch eine ganze Menge an kleinen Schritten erfordern, die jeweils isoliert voneinander betrachtet tatsächlich wenig voranbringen. Aber sie aus dem Grund nicht zu gehen, ist keine Option.

Übrigens: Hätten die Menschen der vergangenen Jahrhunderte ebenso gedacht, wie so Viele es heute tun (und ja, die hatten damals sehr wahrscheinlich auch ganz andere Probleme!), dann bräuchte ich diesen „offenen Brief“ gar nicht zu schreiben, weil dann vermutlich Frauen ohne Erlaubnis ihres männlichen Vormunds gar nicht im Internet surfen dürften…

Mit freundlichen Grüßen,

Roland B. Seper

Roland B. Seper

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3 Antworten

  1. Michael sagt:

    @ Ein Patriot:
    *Hurenkinder
    *gehören
    *zurückgefickt
    *immer
    *paar
    *ganzen
    *Scheiß
    *brauchen wir
    *Probleme
    *Beistrichfehler
    *respektiere
    *Schaß

    Setzen, 5. Bitte um freiwillige Ausreise in ein anderes Land, bevorzugt werden alle ohne Rechtschreibkenntnisse. Weiters bitte ich um wissenschaftlich signifikante Darlegung der „Zurückfickung“.

    mfG

  2. ein patriot sagt:

    Solche Hurnkinda wie du ghörn zruckgfickt und abtrieben. Die Hymne war imemr schon so und nur wegen so a par gutmenschinnen werden wir da nix ändern, diese ganzn scheisemanzen brauchma net.

    als ob wir in ö net genug propleme hätten auch ohne solche hirnvebrannten grüninnen.

    ich respektire frauen auch ohne söhnetöchtinnen in der hymne. so a schass echt

  1. 26. Juni 2014

    […] Siehe hierzu: Offener Brief an Frauen, die sich auch ohne “Töchter” in der Bundeshymne eh total wertgeschätz… […]

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